Gründer von Frankfurter Hedgefonds-Boutique kritisiert KVGs
Diese seien häufig noch traditioneller aufgestellt und haben Probleme bei der Umsetzung von alternative und hedgefonds-ähnlichen Strategien im UCITS-Mantel.
Tim Habicht · 08/26/2019

Einer der Gründer der Frankfurter Hedgefonds-Boutique Resonanz Capital, Vincent Weber, kritisiert deutsche KVG-Gesellschaften bezüglich ihrer Fähigkeiten bei alternativen oder hedgefonds-ähnlichen Strategien im UCITS-Mantel und sieht dort Handlungsbedarf.

„Die Aussage, dass alternative und hedgefonds-ähnliche Strategien im UCITS-Mantel schwieriger in Deutschland umsetzbar sind, ist falsch. Die Engpässe liegen nicht bei der BaFin oder der Regulierung, sondern bei den Dienstleistern”, sagt Weber im Gespräch mit Fundview. Deutsche KVG-Gesellschaften seien häufig noch traditioneller aufgestellt und hätten dahingehend Handlungsbedarf. „Das Angebot hat sich bereits gebessert aber die KVGs befinden sich immer noch in einem Lernprozess.”

Handlungsbedarf sieht Weber, der vor der Gründung von Resonanz Capital über elf Jahre bei Prime Capital als Managing Director tätig war, auch bei Asset Managern bezüglich Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Dort gebe es viel Budget; aber wenig Innovationen.

„Das ist aber nicht verwunderlich, denn bahnbrechende Innovationen entstehen selten in Großkonzernen. Das zeigt sich sogar am Beispiel von Google wo die erfolgreichsten Produkte nach Firmengründung eher dazugekauft als intern entwickelt wurden, wie zum Beispiel das Smartphone-Betriebssystem Android oder die Video-Plattform Youtube”, erklärt Weber.

Hedgefonds-Selektion und Quant-Strategien

Das Wachstum seines eigenen Unternehmens, das Weber gemeinsam mit seinen ehemaligen Kollegen Ivo Zonev und Iliyan Iliev Anfang 2019 gegründet hat, lässt sich allerdings sehen: Zum Start hatte Resonanz Capital rund eine Milliarde Euro Assets under Advisory und acht Mitarbeiter in Frankfurt. Inzwischen hat das Unternehmen zwei Milliarden Euro Assets under Advisory und zieht in ein größeres Büro in Frankfurt um.

Das Unternehmen ist in die Bereiche Hedgefonds-Selektion (für institutionelle Mandate) und Quantitative Strategien zweigeteilt. In Kooperation mit der Frankfurter Boutique First Private wurde außerdem ein alternativer UCITS-Fonds gestartet.

Personelles Wachstum ist weiter geplant. Allerdings wolle die Boutique bis maximal 15 Mitarbeiter wachsen, um weiter flexibel bleiben zu können. „Wir setzen unsere Philosophie konsequent um, und wollen klein und fein bleiben. Flexibilität ist uns sehr wichtig, denn nur so können wir aus einer Hand wirkungsvolle Ansätze für komplexe Anlagen liefern.”

Strukturelle Probleme bei Publikumsfonds

Kritisch blickt Weber insgesamt auf die Branche der alternative UCITS-Industrie und sagt: „Insgesamt ist in der Asset-Management-Industrie ein großes Angebot an sogenannten alternativen UCITS-Fonds vorhanden. Allerdings ist oft unklar, was diese Fonds auszeichnet, um als alternative Fonds zu gelten. Teilweise gibt es auch UCITS-Lösungen, die günstiger und ebenfalls alternativ sind, aber sich nicht alternativ branden.”

Der UCITS-Bereich könne außerdem bezüglich dem Liquiditätsrisiken-Management einiges von der Hedgefonds-Industrie lernen, die bereits von vergangenen Fehlern gelernt hat. Strukturelle Probleme würden bei Publikumsfonds oft zu Engpässen bei der Liquidität führen.

„Das war bei den Fonds von GAM, Woodford oder H2O zu erkennen. Die große Frage ist: Wenn diese Fonds bereits Liquiditätsprobleme in einem normalen Umfeld haben, was passiert dann, wenn es an den Märkten wirklich kracht? Natürlich müssen Publikumsfonds liquider als Private Equity sein. Aber müssen all diese Fonds wirklich täglich handelbar sein?”

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