Geschäftsführer-Duo vom Bundesverband Alternative Investments: „Institutionelle Investoren wollen Alternatives-Allokation weiter erhöhen”
Institutionelle Investoren wollen ihre Alternatives-Allokation weiter erhöhen. Vor allem Private-Debt-Strategien wachsen in den vergangenen Jahren. Warum dabei die regulatorischen Hürden teilweise sogar hinderlich seien, erklären die beiden Geschäftsführer vom Bundesverband Alternative Investments (BAI) Frank Dornseifer und Annette Olschinka-Rettig. Dominanter dürften in Zukunft auch digital Assets werden.
Tim Habicht · 02/13/2020
  • Alternatives sind nicht nur wichtige Renditetreiber, sondern bringen auch echte Diversifikation
  • Seit 2015 wächst vor allem die Assetklasse Private Debt stark
  • 82 Prozent der Befragten haben im vergangenen Jahr ihre Alternatives-Allokation verstärkt; Tendenz: steigend
  • Regulatorische Anforderungen verhindern aktuell eher die sinnvolle Anlage von Alternatives
  • Wer auf den richtigen Manager setzt, der erzielt auch mit Liquid Alternatives gute Renditen
  • Digitale Assets werden in Zukunft wahrscheinlich deutlich dominanter und werden neue Alternativen für Investoren liefern

Alternatives sind ein weiter Begriff. Wie definieren Sie vom Bundesverband Alternative Investments diese Assetklasse?

Annette Olschinka-Rettig: Für uns sind Alternatives alles, was nicht traditionelle Assetklassen wie Renten und Aktien sind. Unter Alternatives zählen wir Hedgefonds, Infrastruktur, Private Equity und Private Debt aber auch Real Estate und Sonderformen wie zum Beispiel Crypto Assets und Cat Bonds.


Investoren sind aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes stärker denn je auf der Suche nach Alternativen. Können Sie das bestätigen?

Frank Dornseifer: Absolut! Man muss zunächst konstatieren, dass sich alternative Anlagestrategien und –konzepte nun seit vielen Jahren im institutionellen Portfolio etabliert haben; gute Beispiele sind Private Equity und Infrastruktur. Alternatives sind nicht nur wichtige Renditetreiber, sondern bringen auch echte Diversifikation. Auch der Aspekt Downside-Protection sollte nicht vergessen werden. Es geht ja nicht nur immer aufwärts an den Börsen. Was sich beim Wachstum der Alternatives allerdings geändert hat, ist die Dynamik. Und das geht durchaus auf das anhaltende Niedrigzinsumfeld zurück. Hiervon hat neben den genannten Anlageklassen auch eine relativ junge alternative Anlageklassen profitiert.


Sie meinen Private Debt?

Olschinka-Rettig: Seit 2015 beobachten wir ein starkes Wachstum bezüglich Investments in Private Debt. Dieses Thema hat sich bei den Investoren in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Zugleich ist das Angebot sehr gewachsen. Insgesamt fließt also vermehrt Geld von den traditionellen Assetklassen in beispielsweise Private Debt. In Corporate Private Debt investieren laut unserer Umfrage in 2019 etwa 60 Prozent der Befragten. Dort wurden insgesamt 75 verschiedene institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen, Stiftungen oder Versorgungswerke befragt.

Was hat diese Umfrage noch ergeben?

Olschinka-Rettig: Vor allem, dass institutionelle Investoren ihre Allokation in Alternatives weiter erhöhen wollen. 82 Prozent der Befragten haben im vergangenen Jahr ihre Alternatives-Allokation verstärkt. Die bewährten Alternatives wie Infrastruktur, Immobilien oder Private Equity und Private Debt werden voraussichtlich auch in den kommenden Jahren unter anderem im Rahmen von Portfolioreallokationen noch stärker nachgefragt.


Haben deutsche institutionelle Investoren denn noch immer eine deutlich zu niedrige Alternatives-Quote?

Dornseifer: Zumindest in Teilen. Viele deutsche Investoren haben mittlerweile ein substantielles Portfolio mit Alternatives aufgebaut und stoßen dann an regulatorische oder interne Anlagegrenzen. Hier sind insbesondere die überkommenen Anlagegrenzen der Anlageverordnung zu nennen, aber auch steuerlich vorgegebene Anlagegrenzen, zum Beispiel für Spezial-Investmentfonds gemäß dem Investmentsteuergesetz. Dann gibt es zu allem Überfluss noch sonstige regulatorische Anforderungen, die sinnvolle Anlagen eher verhindern als dass sie flankiert werden. Hier möchte ich nur die aktuellen Anforderungen an sogenannte Long-term-equities unter Solvency benennen. Auch der Aufwand für Reporting und Compliance ist enorm. Es gibt also noch einiges zu tun. Und hier setzen wir nun schon seit langem mit unserer Verbandsarbeit an.


Sprechen wir doch einmal über liquide alternative Strategien. Welche Rolle spielen Alternatives im UCITS-Mantel?

Dornseifer: Zunächst darf ich daran erinnern, dass zu Beginn ein wesentlicher Treiber für dieses Format der Wunsch vieler Investoren war, regulierte Hedgefonds zu erwerben. Und damals gab es – leider - die AIFM-Richtlinie noch nicht. Daher wurde zum Beispiel versucht, Offshore-Fonds inklusive einem transparenten Steuerreporting im UCITS-Format abzubilden, obwohl dieses dafür eigentlich gar nicht ausgerichtet war. Instrumente wie Leverage und Leerverkäufe beispielsweise sind unter dem UCITS-Regime nur sehr eingeschränkt einsetzbar, gleichzeitig müssen diese Fonds hochliquide sein. Daher gab es auch nur einige Hedgefondsstrategien, die als UCITS replizierbar waren und dann häufig leider nur mit Renditeeinbußen. Investoren, die konsequent waren, haben weiterhin auf Offshore-Fonds gesetzt beziehungsweise AIFs, die eben der AIFM-Richtlinien unterliegen. Das ganze Spektrum der liquiden alternativen Strategien macht weiterhin Sinn und gehört ins Portfolio, auch wenn Private-Markets-Strategien derzeit in der Investorengunst weit vorne liegen. Wer auf den richtigen Manager setzt, der erzielt auch mit Liquid Alternatives gute Renditen.


Medial präsenter werden auch Kryptowährungen und generell digitale Assets. Ein nachhaltiger Trend oder nur ein Strohfeuer?


Olschinka-Rettig: Derzeit ist vor allem auf der wissenschaftlichen Ebene das Thema Kryptowährungen stark vertreten. Investments in Kryptowährungen, vor allem die Themen Blockchain und insgesamt der Einsatz der steigenden Digitalisierung in allen Bereichen des Asset Managements, also vom Deal Sourcing über den Transaktionsabschluss bis hin zum Monitoring auch unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz, sind aber auch in der Praxis von verstärktem Interesse. Wir sehen jedoch, dass bei diesen Themen der regulatorische Rahmen und die dafür nötigen regulatorischen Prozesse noch wachsen werden. Dennoch werden digitale Assets in Zukunft wahrscheinlich deutlich dominanter und neue Alternativen für Investoren liefern..


Das Angebot an Alternatives wird sich also auch in Zukunft immer weiterentwickeln und verändern?


Olschinka-Rettig: Das ist richtig. Und selbst, wenn die Zinsen einmal steigen sollten, dürfte das kein Ende des Aufschwungs der Alternatives sein. Denn diese sind eine sinnvolle Ergänzung für jeden institutionellen Investor. Inzwischen sind die Anleger insgesamt offener und stärker vertraut mit Alternatives. Und es wird gesehen, dass Alternatives sowohl für die Diversifikation als auch für das Erzielen von Alpha einen Mehrwert liefern. Ein weiterer Vorteil von Alternatives ist ihre Vielfältigkeit. So gibt es zu jeder Alternative Assetklasse noch zahlreiche Unterformen, so dass der Investor unter anderem hinsichtlich Region, Rendite, Risiko und Liquidität zahlreiche Anlagealternativen hat.

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