Carmignac 2.0: Französischer Asset Manager passt Strukturen an und schließt Evolution ab
Nach insgesamt eher schwächeren Jahren und starken Abflüssen war das Jahr 2019 für Carmignac entscheidend für die Zukunft des Unternehmens. Die Gründung des strategischen Investment-Komitees sei dabei ein zentraler Baustein gewesen. Jetzt will der französische Asset Manager durch die Kombination seiner Makro-Expertise und dem Stock Picking zu alter Stärke zurückfinden.
Tim Habicht · 02/07/2020

Die vergangenen Jahre waren wahrlich nicht einfach für den französischen Asset Manager Carmignac. War der Flaggschiff-Fonds des Hauses, der Carmignac Patrimoine, noch während der vergangenen Finanzkrise einer der großen Gewinner der Branche, lahmte die Performance des Mischfonds in den vergangenen Jahren zusehends im Vergleich zur Konkurrenz. Auch deswegen war das vergangene Jahr zentral für die Zukunft des Asset Managers. Und zwar nicht nur für die Flaggschiff-Fonds Patrimoine und Investissement, sondern auch für die gesamte Firma.

Anfang 2019 hat der Asset Manager, der seine Räumlichkeiten am Place Vendôme in der Pariser Innenstadt hat, sein strategisches Investment-Komitee gegründet. Bis dahin war Edouard Carmignac federführend und musste letzten Endes alle Entscheidungen tragen. Aber die Märkte seien komplizierter geworden und deswegen hat der Asset Manager seinen Investment-Prozess angepasst.

Didier Saint-Georges, Mitglied des strategischen Investment-Komitees und seit November 2007 im Unternehmen tätig, erklärt im exklusiven Gespräch mit Fundview im Rahmen des Annual Meetings der Firma in Paris: „Historisch haben wir unsere Performance vor allem über die großen Makro-Themen und Marktbewegungen erzielt. Wir waren insgesamt weniger auf die Einzeltitelauswahl fokussiert. Mit der Einstellung von David Older im Jahr 2015 haben wir unsere Expertise erweitert und einen stärkeren Stock-Picking-Ansatz hinzugefügt. Jetzt können wir in einem immer schwieriger werdenden Marktumfeld den Makro-Blick mit der Erzielung von Alpha kombinieren; denn Alpha wird im aktuellen Marktumfeld - auch im Hinblick auf die Konkurrenz durch passive Angebote - immer wichtiger.”

„Kein back to the roots, sondern eine Evolution”

Möglicherweise sind auch einige der Gelder, die aus dem Patrimoine abgezogen wurden, in den vergangenen Jahren in passive Produkte geflossen. Denn die Märkte gingen bis auf kurzfristige Korrekturen nahezu unisono bergauf. Ein Risikomanager war weniger gefragt. Investoren wollten eher die maximale Rendite nach oben. Und als die Märkte im vierten Quartal 2018 einmal stärker korrigierten, hätte der Patrimoine seine Kunden und Anleger schützen müssen. „Das hat er allerdings nicht getan. Insgesamt war das unzureichende Risikomanagement in 2018 der Grund, dass die Kunden auch teilweise zurecht ihre Gelder aus dem Fonds genommen haben”, gibt Saint-Georges selbstkritisch zu.

Im vergangenen Jahr hatte Carmignac aufgrund der Performance seiner Flaggschiff-Fonds mit Abflüssen von insgesamt 9,9 Milliarden Euro zu kämpfen. Exemplarisch am Patrimoine heißt das: Ende 2017 lagen die Assets des Flaggschiffs noch bei über 20 Milliarden Euro. Inzwischen ist der Fonds 11,5 Milliarden Euro schwer. Diese Abflüsse wurden im vierten Quartal 2019 allerdings gebremst. Aktuell verwaltet Carmignac 35 Milliarden Euro Assets.

Jetzt will der Asset Manager einen Turnaround hinlegen. Bei der Performance und bei den Assets. Frédéric Leroux, Head of the Cross Asset Team und seit 2003 Fondsmanager bei Carmignac, sieht das Unternehmen gut gerüstet dafür: „Natürlich ist das Unternehmen in den vergangenen Jahren auch stark gewachsen. Da war eine Transformationen und Adaption zwingend notwendig. Insofern ist es kein back to the roots, sondern tatsächlich eher eine Evolution des Unternehmens. Jetzt ist diese Evolution und die Anpassung der Strukturen weitestgehend abgeschlossen und wir müssen wieder Gas geben. Das heißt: Alpha erzielen und das Risiko für unsere Kunden managen. Dabei müssen wir Courage zeigen und transparent bleiben.”

Eine schwere Bürde für David Older

Ein Name, der immer wieder in den Gesprächen mit den Verantwortlichen fällt, ist David Older. Er ist Fondsmanager und Head of Equities und kam 2015 als Senior Fondsmanager sowie als Experte für globale Technologie, Telekommunikation und Medien zu Carmignac. In 2017 wurde Older zum Head of Equities ernannt und im September 2018 wurde er Fondsmanager des Carmignac Investissement und ist für das Aktienportfolio des Carmignac Patrimoine verantwortlich. Vor seinem Wechsel zu Carmignac arbeitete Older von 2003 bis 2015 bei SAC Capital/Point72 Advisors in New York als Co-Sector Head des Teams Kommunikation, Medien, Internet und Technologie.

Es ist durchaus eine schwere Bürde, die auf Older lastet, der inzwischen gemeinsam mit Rose Ouahba, der Leiterin des Fixed-Income-Teams, das Flaggschiff des Unternehmens verantwortet. Aber Older bringe eine Perspektive und einen Investment-Ansatz mit, der bei Carmignac bisher fehlte: Das Stock Picking. „In den vergangenen fünf Jahren haben wir einen Prozess durchlaufen und starke Neueinstellungen getätigt. Allen voran die Einstellung von David Older war sehr wichtig; und auch für ihn hat sich ein Wandel vollzogen. Denn David kommt nicht von der Makro-Seite und hat diese damals nicht in seine Allokation eingebaut (lacht). Inzwischen können wir jetzt beide Welten, den Makro-Blick und seine Stock-Picking-Expertise kombinieren”, sagt Leroux.

Zudem wurden durch die Schaffung des strategischen Investment-Komitees die Entscheidungen auf mehrere Schultern verteilt und zum anderen die Anzahl der Teilnehmer bei den Allokationsdiskussionen stark verringert. Jetzt seien strategische Investment-Entscheidungen deutlich fokussierter.

Aber hätte man die Strategie des Patrimoine nicht auch einfach in gewissen Bereichen anpassen beziehungsweise sozusagen evolutionieren können? „Nein, unsere Strategie für den Carmignac Patrimoine-Fonds bleibt bestehen. Das Erzielen von Alpha ist zentral. Und wenn man Alpha erzielen möchte, dann muss man Einzeltitel selektieren. Es stimmt allerdings, dass wir in den vergangenen Monaten und Jahren insgesamt mehr Instrumente und Möglichkeiten für die Asset Allokation haben”, erklärt Saint-Georges.

Bei den Meetings und Gesprächen in Paris wurde jedenfalls deutlich, dass der französische Asset Manager bewusst Veränderungen in Angriff genommen hat; und dies auch offen kommuniziert. Möglicherweise sinnbildlich dafür mag die Colonne Vendôme sein, also die Siegessäule auf dem Place Vendôme vor dem Carmignac Office, auf dem das Abbild von Napoleon platziert ist. Diese Siegessäule wurde nämlich während der französischen Revolution zerstört und eingeschmolzen. Aber: Nach der französischen Revolution wurden die Statue und Siegessäule rekonstruiert und thronen jetzt wieder im alten Glanz auf dem Place Vendôme.

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