Der SQUAD Aguja Opportunities im Portrait
Das Duo von Aguja Capital hat eine gemeinsame Vergangenheit bei Flossbach von Storch. Der Weg in die Selbstständigkeit war dabei nicht ohne Risiko. Inzwischen ist ihr eigener Fonds drei Jahre alt und hat fast 140 Millionen Euro Assets. Einen Mehrwert wollen Fabian Leuchtner und Dimitri Widmann in ihrem Mischfonds durch Investments in Sondersituationen liefern; und durch einen eigenen nachhaltigen Investment-Ansatz.
Tim Habicht · 01/31/2020
  • Der SQUAD Aguja Opportunities-Fonds ist seit Ende des vergangenen Jahres drei Jahre alt
  • Die Strategie fokussiert unter anderem Investments in Aktien und Fremdkapital in Sondersituationen
  • Das verantwortliche Duo war zuvor drei Jahre gemeinsam bei Flossbach von Storch tätig
  • Fokussiert werden unter anderem Unternehmen, die durch nachhaltiges Handeln versuchen, die Welt positiv zu verändern
  • Aktuell hat der Fonds fast 140 Millionen Euro Assets under Management
  • Wandelanleihen spielen mit einer Allokation von derzeit 15 Prozent eine große Rolle
  • Die Strategie fokussiert auch auf marktunabhängige Sondersituationen in Aktien und Anleihen

Es war noch während der Universität, als sich das Gründer-Duo kennenlernte. Und zwar in Karlsruhe beim Studium. Beide waren als Wirtschaftsingenieure in einer Hochschulgruppe tätig. Schnell war klar, dass beide eine ähnliche Denkweise haben und beide auch schon immer unternehmerisch geprägt waren. Wissen über die Märkte, über Aktien und Anleihen, das hatte das Duo bereits während der Unizeit. Aber beide hatten noch wenig Ahnung von der Asset-Management-Branche. Später sollte aus dieser Uni-Bekanntschaft ein eigener Fonds und ein eigenes Unternehmen in Köln entstehen.

Das kommt Ihnen bekannt vor? Nein, wir sprechen hier nicht von Bert Flossbach und Kurt von Storch, sondern von Fabian Leuchtner und Dimitri Widmann. Natürlich lässt sich der Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch nicht mit dem verhältnismäßig jungen Aguja Opportunities vergleichen. Aber wie der Zufall es so wollte, haben Leuchtner und Widmann ihr Fachwissen und ihre Marktkenntnis genau bei Flossbach von Storch vertieft.

Aber von Beginn an: Nach dem Studium haben Leuchtner und Widmann praktische Erfahrungen bei der Landesbank Baden-Württemberg, Contrarian Asset Management und Goldman Sachs beziehungsweise bei KPMG Deutschland und J.P. Morgan gesammelt. Dann waren kurz nacheinander zwei Stellen bei Flossbach von Storch ausgeschrieben. Beide haben sich beworben, beide wurden genommen. Widmann war von 2013 bis 2016 im Multi-Asset- beziehungsweise Aktien-Team als Research Analyst bei der Flossbach von Storch AG; Leuchtner war im selben Zeitraum im Fixed-Income-Team bei Flossbach von Storch und zuletzt als Portfolio Manager des FvS Bond Opportunities für mehr als 300 Millionen Euro mitverantwortlich.

Widmann erklärt im Gespräch mit Fundview: „Wir sind nach etwas mehr als drei Jahren bei Flossbach von Storch den Weg in die Selbstständigkeit gegangen. Das war zu der damaligen Zeit durchaus mit einem größeren Risiko verbunden. Denn wir haben keine Kunden mitgenommen und waren auch noch verhältnismäßig jung. Dennoch wollten wir diesen Schritt gehen. Wir wollten eine eigene Firma gründen, unsere eigene Philosophie und Strategie umsetzen und mit unserem Unternehmen mittelfristig auch einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben.”

Frosta als Beispiel

Das kann das Duo durch die Umsetzung der eigenen Ideen natürlich deutlich besser als im Konstrukt eines größeren Unternehmens. Deswegen suchen beide für den Fonds, der in 2016 gestartet wurde, unter anderem Unternehmen, die durch nachhaltiges Handeln versuchen, die Welt positiv zu verändern.

„Wenn Unternehmen nachhaltig und vorausschauend agieren und auch entsprechend investieren kann das zunächst den Umsatz oder Gewinn belasten. Wir sind aber davon überzeugt, dass diese Unternehmen langfristig besser aufgestellt sind und sich mittelfristig auch gegenüber der Konkurrenz positiv hervorheben werden. Da wir in gute Unternehmen am liebsten für immer investiert sein möchten, denken wir auch nicht in Quartalen sondern langfristig, was auf Dauer auch ein Wettbewerbsvorteil gegenüber kurzfristig orientierten Investoren darstellt”, sagt Leuchtner, der hinzufügt: „Nachhaltigkeit wird ein Wachstumstreiber für die Zukunft. Wir möchten das Thema aber nicht stumpf durch den Ausschluss von Firmen oder den Einsatz eines ESG-Filters umsetzen, sondern Unternehmen ausfindig machen, die sowohl operativ durch Nachhaltigkeit profitieren als auch im Umkehrschluss die Gesellschaft verbessern.”

Ein Beispiel ist die Firma Frosta aus Bremerhaven. „Das Unternehmen verzichtet schon sehr lange auf Zusatzstoffe in seinen Produkten und fokussiert sich auf den nachhaltigen Umgang mit der Natur. Zudem investiert Frosta stark in die eigene Forschung und hat hier beispielsweise seine eigenen Verpackungen im Fokus. Denn Frosta will Plastikmüll vermeiden und hat eine Papiertüte entwickelt, welche wie das Pendant aus Plastik die Nahrungsmittel frisch hält und eingefroren werden kann”, sagt Widmann. Langfristig sollte sich dies für Konsumenten, Aktionäre und auch die Gesellschaft auszahlen, erstmal schmälert die Firma aber damit ihren Gewinn zu Gunsten der Umwelt.


Fonds-Fakten im Überblick: (Stand 30. Januar 2020)

  • Name: SQUAD Aguja Opportunities
  • ISIN: DE000A2AR9B1 (R-Tranche) / DE000A2AR9C9 (I-Tranche)
  • Volumen: 139 Millionen Euro
  • Verwaltungsgesellschaft: Axxion S.A
  • Verwaltungsgebühren: bis zu 1,78 Prozent p.a. (R-Tranche) / 1,23 Prozent (I-Tranche)
  • Webinar zum Fonds am 12. Februar 2020

Übernahmesituationen im Fokus

Natürlich geht es für Leuchtner und Widmann aber auch darum, eine ansprechende Rendite für die Anleger zu erzielen. Der SQUAD Aguja Opportunities-Fonds hat seit Start eine Wertentwicklung von 20,61 Prozent erzielt. Als Mischfonds ist der Fonds aber abseits der traditionellen Multi-Asset-Produkte aufgestellt. Der Schwerpunkt der Anlagestrategie liegt auf der Identifizierung von Fehl- beziehungsweise Unterbewertungen in Verbindung mit einem Werttreiber in der gesamten Kapitalstruktur von Unternehmen. Generell wird eine flexible Allokation in Aktien, Anleihen, Derivaten und Kasse angestrebt. Die flexible Anlagestrategie soll es dem Fonds ermöglichen, in die jeweils attraktivsten Teile der Kapitalstruktur eines spezifischen Unternehmens zu investieren. Dabei wird ein diskretionärer Ansatz gefahren, keine Quant-Strategie.

Die Strategie fokussiert unter anderem Investments in Aktien und Fremdkapital in Sondersituationen. Sondersituationen liegen immer dann vor, wenn es aufgrund von Marktineffizienzen gehäuft zu Fehl- oder Unterbewertungen kommt und ein identifizierbarer Werttreiber vorliegt. Durch die Kombination von Investments in Eigen- und Fremdkapital und das Ausnutzen von Sondersituationen soll das Verlustrisiko reduziert und das Chance/Risiko-Profil auf Portfolioebene optimiert werden.

Leuchtner geht ins Detail: „Wir fokussieren uns zum Beispiel auf Unternehmen, die in Übernahmesituationen stecken oder wo sich eine Strukturmaßnahme abzeichnet. Außerdem durchforsten wir Dokumente wie Wertpapierprospekte und suchen hier nach Ineffizienzen. Ziel ist es immer auch einen Katalysator zu identifizieren, der die Aktie oder Anleihe treibt und möglichst unabhängig von der Marktentwicklung ist. Dadurch lassen sich asymmetrische Risikoprofile finden, die nach oben eine attraktive Rendite liefern und nach unten das Risiko begrenzen.”

15 Prozent bei Wandelanleihen

Aber wie machen Leuchtner und Widmann zu zweit hier spannende Investments aus? Leuchtner antwortet lachend: „Viel lesen”, und fügt hinzu: „Ideen können wir ausreichend generieren, beispielsweise auch durch den Austausch in unserem Netzwerk oder durch Nachrichten und Unternehmensberichte. Dabei ist es nicht immer nötig ein 300-seitiges Prospekt komplett zu lesen. Es ist wichtig zu wissen, welche 30 Seiten wir lesen müssen, denn der Rest ist oft Standard. Insofern können wir unsere Arbeit fokussieren und haben dahingehend schon viel Erfahrung gesammelt. Das heißt, wir stellen relativ schnell fest, ob es sich lohnt sich tiefer in die Materie einzuarbeiten.”

Außerdem werden die Titel im Portfolio mitunter auch sehr lange gehalten; und natürlich verfolgt das Duo einige Titel und Branchen schon seit Jahren und investiert, wenn der Preis attraktiv wird.

Auch hier kommt den beiden die Erfahrung, die sie bei Flossbach von Storch gesammelt haben, zugute. Beispielsweise wie man kostenbewusst handelt, speziell Anleihen. „Der Erfolg liegt auf der Anleiheseite im aktuellen Umfeld auch im Einkauf. Denn die Zinsen sind immer niedriger geworden und der Kaufpreis damit relevanter. Da ist ein günstiger Einkauf zwingend erforderlich”, sagt Leuchtner.

Fündig wird das Duo für den rund 140 Millionen Euro großen Fonds derzeit im Fixed-Income-Bereich vor allem bei Wandelanleihen. Rund 15 Prozent der Allokation sind hier positioniert. Aktien mit Anleihe-Charakter, wie beispielsweise Aktien von Unternehmen in einem Beherrschungsvertrag oder mit laufendem Übernahmeangebot, machen derzeit ebenfalls etwa 15 Prozent aus. Historisch gesehen lag die Quote hier immer bei rund 20 Prozent, allerdings sind einige Übernahme-Themen in den vergangenen Monaten aufgegangen und deswegen ist die Quote hier derzeit niedriger als üblich.

Abgerundet wird das Portfolio durch eine sieben prozentige Gold-Position als Kasse-Ersatz. Diese soll den Fonds stabilisieren beziehungsweise diversifizieren. Zudem sieht das Duo Gold als Versicherung in Zeiten von hohen Staatsschulden an. Auch das verwundert nicht. Schließlich haben Leuchtner und Widmann ihr Handwerk bei Bert Flossbach erlernt.

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