Manuela von Ditfurth: „Asset Manager müssen ohne wenn und aber ihre Prozesse auf Nachhaltigkeit ausrichten”
Die Invesco-Fondsmanagerin sieht Asset Manager, die ihr Unternehmen auf ESG ausrichten, im Wettbewerbsvorteil und erklärt, wie der US-Riese Nachhaltigkeit in seinen Portfolios umsetzt.
Tim Habicht · 01/29/2020

Der US-amerikanische Asset Manager Invesco hat sich unlängst der Coalition for Climate Resilient Investment (CCRI) des World Economic Forum angeschlossen und setzt sich damit gemeinsam mit weiteren Institutionen für eine bessere Integration von Klimarisiken in Anlageentscheidungen ein. Marty Flanagan, CEO von Invesco, gehört dem Lenkungsausschuss der CCRI an.

Bei Invesco ist ESG und Nachhaltigkeit allerdings seit über 15 Jahren ein fester Bestandteil des Investment-Prozesses. „Wir haben das Thema Nachhaltigkeit bereits seit mehreren Jahren in das Invesco Quant Strategie-Team implementiert. Denn quantitatives Asset Management und nachhaltige Geldanlage lassen sich sehr gut kombinieren”, erklärt Manuela von Ditfurth, Mitglied des Portfolio Management Teams von Invesco Quantitative Strategies und Fondsmanagerin, im Gespräch mit Fundview.

Nachhaltigkeit ist bei Invesco unmittelbar in den Investment-Prozess integriert. Für alle Unternehmen des Investment-Universums führt der Asset Manager eine eigene ESG-Analyse durch. Außerdem befindet sich Invesco aktiv im Dialog mit den Unternehmen und nimmt seine Rolle als Stimmengeber bei Hauptversammlungen aktiv wahr. „Zusätzlich zu diesem ESG-Prozess innerhalb des Investment-Prozesses wenden wir konkrete ESG-Kriterien für einzelne Portfolios und Strategien an. Für einzelne Themen oder auch individuelle Kundenwünsche können wir durch unsere quantitative Umsetzung auch sehr individuell die Portfolios anpassen”, sagt von Ditfurth.

Nicht immer 100 Prozent ESG drin, wo ESG draufsteht

Dabei sei es zentral, das Thema ESG direkt und unmittelbar in den Investment-Prozess zu integrieren und nicht einfach nur einen ESG-Filter über die Strategie zu legen. Das sei inzwischen durch die deutlich bessere Datenlage ermöglicht worden und sei zum anderen auch bezüglich des Risikomanagements sehr wichtig.

Von Ditfurth erklärt: „Durch ESG lassen sich Risiken vermeiden und Chancen schneller und besser erkennen. Denn wenn ein Unternehmen eine signifikante Abstufung bezüglich der ESG-Werte erhält, dann wird die Aktie des Unternehmens auch in der Folge signifikant underperformen. Insofern lässt sich sagen, dass nachhaltige Titel auch ökonomisch sinnvoll sind.”

Chancen und Risiken ergeben sich aber auch auf der Business-Seite für Asset Manager; und zwar, wenn diese ESG und Nachhaltigkeit nicht ernsthaft implementieren oder umsetzen. „Kein Weg führt an ESG vorbei. Asset Manager haben insofern auch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Unternehmen, wenn sie sich auf ESG ausrichten und hier transparent und mit der nötigen Authentizität das Thema umsetzen und angehen.”

Dennoch blickt von Ditfurth teilweise kritisch auf die Implementierung von ESG in der Asset-Management-Branche. Derzeit lasse sich zwar feststellen, dass viele Asset Manager umdenken und sich dem Thema Nachhaltigkeit stärker widmen. „Aber klar ist auch, dass nicht immer 100 Prozent ESG drin ist, wo auch ESG draufsteht. Asset Manager müssen ohne wenn und aber ihre Prozesse auf Nachhaltigkeit ausrichten”, so von Ditfurth.

Starker Wandel bei den Kunden

Deswegen seien auch viele Anleger noch skeptisch gegenüber ESG-Investments. Aber auch die noch immer nicht einheitlichen ESG-Richtlinie würden hier unnötige Schwellen und Hemmnisse aufbauen.

Von Ditfurth fügt hinzu: „Diese Skepsis liegt auch daran, dass sich die Bewertungen der Rating-Agenturen mitunter signifikant unterscheiden. Umso wichtiger ist es, dass sich die Asset Manager mit dem Thema stärker auseinandersetzen.”

Denn klar ist auch, dass ESG und Nachhaltigkeit für immer mehr Investoren eine zentrale Rolle spielen. Von Ditfurth stellt einen starken Wandel in den vergangenen Jahren bezüglich der Kunden fest. Zunächst wurde die ESG-Nachfrage fast ausschließlich bei Investoren mit kirchlichem Hintergrund geäußert. „Inzwischen ist diese Nachfrage aber auch bei Pensionskassen, Banken und Privatanlegern zentral in der Geldanlage geworden. Investoren wollen keine Rendite mehr ohne Rücksicht auf Verluste. Und natürlich spielt die Regulatorik auch eine wachsende Rolle.”

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