Thomas Metzger vom Bankhaus Bauer berichtet für Fundview aus Davos
Das diesjährige Weltwirtschaftsforum in Davos ist gerade zu Ende gegangen. Zum 50. Mal trafen sich in dem Skiort mehr als 3.000 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Thomas Metzger, Chefstratege beim Bankhaus Bauer, berichtet für Fundview über die Sinnhaftigkeit der Veranstaltung, seine aktuelle Marktmeinung und die Positionierung seiner Portfolios.
Tim Habicht · 01/27/2020

Herr Metzger, in den Tagen des Weltwirtschaftsforums platzt Davos jedes Jahr aus allen Nähten. Angesichts astronomischer Preise für Hotelzimmer, Verkehrschaos und des riesigen Aufwands für die notwendigen Sicherheitsstandards, ist die Veranstaltung nicht unumstritten.

Die Kritik hat sicherlich ihre Berechtigung. Es wird schon ein unglaublicher Aufwand rund um das Forum betrieben. Bereits weit vor Davos gibt es zum Beispiel Sicherheitskontrollen und mit dem Auto geht es in der Tat zum Teil nur im Schritttempo voran. Von einem regelrechten Chaos kann man aber meines Erachtens nicht sprechen.


Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass sich in Davos abgehobene Eliten in einem von den normalen Menschen abgeschotteten Kokon treffen. Stimmen Sie dem zu?

Es sollen ja mehr als 100 Milliardäre hier sein. Auch dieses Argument lässt sich also nicht ganz von der Hand weisen. „Einfach so“ kann man in Davos tatsächlich nicht „mitmachen“. Nichtsdestotrotz halte ich die Idee einer Plattform, auf der sich Verteter mit ganz unterschiedlichem Hintergrund austauschen können, für grundsätzlich nicht falsch. Auch wenn zum Teil wenig Konkretes dabei herauskommt – ein weiterer Kritikpunkt an Davos – ist miteinander reden ja oft schonmal nicht schlecht.


Was waren dieses Jahr die wichtigen Themen in Davos?

In erster Linie Klima und Nachhaltigkeit beziehungsweise Umweltschutz. Das diesjährige Motto des Forums ist ja „Stakeholders for a cohesive and sustainable world“.

Für die Investoren unter den Besuchern stellte sich angesichts der zum Teil hohen Kursgewinne gerade an den Aktienmärkten in den letzten zwölf Monaten sicherlich die Frage, ob man angesichts der Rekordstände vieler Indizes noch zugreifen sollte?

Im Nachhinein betrachtet schienen die letzten Monate beziehungsweise das Jahr 2019 tatsächlich sehr einfach gewesen zu sein. Es ließ sich ja nicht nur mit Aktien sondern mit fast allen Anlageklassen etwas verdienen. Man darf aber nicht vergessen, dass angesichts des sehr schwachen Jahres 2018, des Handelskrieges zwischen China und den USA und des Brexit-Chaos schon eine gehörige Portion Mut dazu gehörte, gerade in Aktien investiert zu bleiben. Auch in Zukunft wird man wohl um Dividendentitel trotz der in der Tat recht hohen Bewertung keinen Bogen machen können, um einigermaßen auskömmliche Renditen zu erzielen. Aktien sind zwar aktuell im Vergleich zur eigenen Historie nicht mehr billig, aber relativ zu vielen anderen Anlagekategorien, gerade zum teuren Rentenmarkt, attraktiv. Die nach wie vor expansive Politik der Notenbanken und die zwar verbesserte aber keineswegs euphorische Stimmung der Anleger sind für uns weitere Argumente die für Aktien sprechen. Investoren sollten sich aber im Klaren darüber sein, dass sich die Kursgewinne des Jahres 2019 nicht so ohne weiteres wiederholen lassen und auf den hohen Niveaus Rückschläge durchaus heftiger ausfallen können. Man muss also schon eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen, um zu investieren.


Sie hatten gerade einige Faktoren angesprochen, die die Konjunktur in den vergangenen zwei Jahren belastet haben. Auf was müssen wir uns in den nächsten Monaten einstellen? Der Internationale Währungsfonds hat ja gerade in Davos seine neuen, etwas nach unten angepassten, Prognosen vorgestellt.

Ich sehe ganz gute Chancen, dass sich die makroökonomischen Rahmenbedingungen langsam aufhellen und die Talsohle erreicht wurde. Wir werden kein dynamisches Wachstum erleben, sollten uns aber stabilisieren. Bei wichtigen Themen wie dem Handelsstreit zwischen den USA und China oder dem Brexit, hat sich die Situation zuletzt entspannt. Wichtig war, dass sich die Streithähne aus Washington und Peking nun zumindest auf ein erstes Abkommen einigen konnten und neue Zölle damit erstmal vom Tisch sind. Insgesamt sollte die wieder leicht anziehende Konjunktur dann auch für steigende Unternehmensgewinne sorgen. Gerade im DAX konnten in den letzten beiden Jahren die Gewinne im Schnitt nicht erhöht werden, was in Kombination mit der dynamischen Kursbewegung in 2019 wie bereits angedeutet die Bewertung nach oben getrieben hat. Insofern sind steigende Gewinne nun eine wichtige Basis für weiter laufende Börsen.

Donald Trump hat nun aber in Davos schon wieder euopäischen Autobauern mit Zöllen gedroht...

Da es sich dabei um seine Lieblingszölle beziehungsweise Drohung handelt, wird er diesbezüglich auch keine Ruhe geben. Nachdem man hier eine Frist vor einigen Monaten kommentarlos hat verstreichen lassen, bis zu deren Ende der Präsident eigentlich entscheiden wollte, ob diese Zölle nun kommen oder nicht, war eine Zeit lang glücklicherweise im Hinblick auf dieses Thema nichts mehr zu hören. Da an der Handelsfront mit China nun ein erster Deal vorzuweisen ist, war es aber eigentlich klar, dass Europa wieder stärker in den Fokus gerät. Davos war eine schöne Plattform für Trump, neue Drohungen zu platzieren. Er weiss aber genau, dass ein eskalierender Konflikt auch die amerikanische Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen würde. Insofern wird er sich gerade in einem Wahljahr zweimal überlegen, welche Risiken er bereit ist einzugehen.


Kommen wir nochmal auf Ihre Marktmeinung zurück. Wie sind Sie aktuell im Detail positioniert?

Entsprechend unserer positiven Meinung zu Aktien bzw. unseres geschilderten konstruktiven Makro-Bildes sind wir in allen unseren Modellen zumindest mit einer neutralen Aktienquote unterwegs, teilweise schon seit einiger Zeit deutlich übergewichtet. Wir erarbeiten dabei für alle unsere Lösungen die Allokation der einzelnen Anlageklassen top down-orientiert durch einen globalen Makro-Ansatz. Bottom-up stellen wir unseren Investoren zwei Vorgehensweisen zur Verfügung. Zum einen arbeiten wir mit Picks überwiegend aus dem europäischen und amerikanischen Aktien- und Renten-Einzeltitelbereich. Hier haben wir schon länger ein hohes Gewicht in Technologietiteln. In einem weiteren Modell selektieren wir keine Einzeltitel sondern Strategien in den einzelnen Assetklassen. In diesem Ansatz spielen derzeit z.B. Emerging Markets eine wichtige Rolle.

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