Peter E. Huber im Interview über ein Comeback der dritten Art
Stillstand und Müßiggang sind keine Kernkompetenzen von Peter E. Huber. Deswegen feiert der Gründer und ehemalige Vorstand von StarCapital ein Comeback der dritten Art und spricht im Fundview-Interview über einen DAX bei 16.000 Punkten, den Abschied von StarCapital und die „Schweinerei“ namens Finanztransaktionssteuer.
Tim Habicht · 01/24/2020
  • Peter E. Huber will sich noch nicht aus der Öffentlichkeit zurückziehen und weiterhin seine Meinung über die Märkte veröffentlichen
  • Der DAX könnte auf bis zu 16.000 Punkte im laufenden Jahr klettern. Einen DAX unter 11.000 Punkte wird es voraussichtlich nicht mehr geben
  • Die geplante Finanztransaktionssteuer ist kontraproduktiv. Langfristige Aktiensparpläne müssen belohnt werden

Herr Huber, seit Ende 2018 sind Sie nicht mehr direkt aktiv in der Asset-Management-Branche als Vorstand der Fondsgesellschaft StarCapital tätig. Genießen Sie Ihren Ruhestand?

Nun ja, Stillstand und Müßiggang sind eigentlich nicht meine Kernkompetenz. Dafür brenne ich noch viel zu sehr für die Aktienmärkte. Deswegen habe ich die im Jahr 2004 gegründete Huber Portfolio GmbH in den vergangenen Monaten aktiviert. Dort betreibe ich zwar kein eigenes Investment-Geschäft, verwalte aber unsere Stiftungsgelder; und werde auf dieser Plattform auch über den Newsletter „Hubers Portfolio“ weiterhin meine Meinung über die Märkte kundtun. Ich möchte mich also noch nicht aus der Öffentlichkeit zurückziehen.


Wieso haben Sie dann nicht einfach bei StarCapital weitergemacht?

Der Verkauf von StarCapital an die Bellevue Group war definitiv der richtige Schritt. Ich habe keinen passenden direkten Nachfolger für meine Gesellschaft gefunden. Deswegen war der Verkauf an die Bellevue Group, die StarCapital in der jetzigen Form auch sehr gut weiterführen wird, richtig. Bis Ende 2018 habe ich dann noch in einer dreijährigen Übergangsphase im Unternehmen mitgeholfen. Allerdings hätte ich auch über diese Zeit hinaus sehr gerne weitergemacht. Aber die Vorstellungen für die zukünftige Aufstellung und Ausrichtung des Unternehmens sind leider zu weit auseinander gegangen.


Blicken wir auf die Märkte. Dort war das Jahr 2019 so positiv, wie das Jahr 2018 negativ war...

Das ist richtig und war auch durchaus vorhersehbar. Bereits im Dezember 2018 war ich sehr positiv gegenüber Aktien und habe antizyklisch die Aktienquote deutlich erhöht. Kurz- und mittelfristig sind die Aktienmärkte natürlich unvorhersehbar. Aber langfristige Prognosen sind durchaus zuverlässig. Denn die historisch tiefen Zinsen müssen insgesamt stärker in die Prognosen und die Forschung einbezogen werden. Wir werden nicht zu dem uns bekannten alten Zinszyklus zurückkehren. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass der innere Wert von Aktien nach oben korrigiert werden muss und mehr Potential für die Aktienmärkte entsteht.

Und die globale wirtschaftliche Abschwächung? Hat die etwa keinen negativen Einfluss auf die Aktienmärkte?

Natürlich, die konjunkturelle Entwicklung kann auch dafür sorgen, dass wir vor allem in Deutschland möglicherweise sogar in eine Rezession laufen. Dennoch würde mich ein DAX von 14.500 Punkten oder sogar zwischen 15.000 und 16.000 Punkten für das laufende Jahr nicht verwundern. Schließlich sorgt die expansive Notenbanken-Politik in den USA und Europa für eine große Unterstützung. Zudem war das Sentiment im August des vergangenen Jahres so negativ wie seit vielen Jahren nicht mehr und Investoren waren aufgrund der geopolitischen Unsicherheiten so vorsichtig positioniert wie lange nicht mehr. Und trotzdem sind die Märkte gestiegen...


Sehen Sie denn lokale Unterschiede für die Aktienmärkte im laufenden Jahr?

Die Bewertungsunterschiede zwischen den USA und Deutschland sind nicht gerechtfertigt. Deswegen wird der US-Markt nicht plötzlich zusammenbrechen, aber auf lange Sicht hat der europäische Markt und allen voran Deutschland ein sehr großes Aufholpotenzial. Deswegen allokiere ich stärker in Deutschland. Einen DAX unter 11.000 Punkten werden wir voraussichtlich nicht mehr sehen.


Von einem möglichen Aufschwung der Aktienmärkte werden aufgrund der geplanten Finanztransaktionssteuer in Deutschland voraussichtlich weniger Anleger profitieren, oder?

Diese geplante Finanztransaktionssteuer ist kontraproduktiv, denn Investments in Aktien zur Altersvorsorge und langfristige Aktiensparpläne müssen belohnt und gefördert werden. Dass ausgerechnet der Sekundenhandel von dieser Steuer nicht betroffen ist, ist ehrlich gesagt eine Schweinerei. Das muss sich unbedingt ändern!

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