Jens Kummer und die Frage: Wie setzt man ein Multi-Asset-Portfolio sinnvoll um?
Der Multi-Asset-Experte von StarCapital hat sich alternative Risikoprämien als mögliche Erweiterung für seinen Fonds angesehen. Warum diese aber schwierig für die Kunden erklärbar sind und wie Investoren ein Multi-Asset-Portfolio in Europa aufbauen können, erklärt er im Interview.
Tim Habicht · 01/21/2020

Multi-Asset-Fonds gehören in Deutschland noch immer zu den beliebtesten Assetklassen innerhalb der Branche. Aber Mischfonds haben seit einigen Jahren aufgrund der Niedrigzinsen ein großes Problem: Wie stellen Investoren und Fondsmanager ihr Portfolio in diesem Kontext ausgewogen und diversifiziert auf? Vor allem, wenn es darum geht, das Portfolio marktneutral zu gestalten.

Jens Kummer, Fondsmanager und Multi-Asset-Experte bei StarCapital, gibt im Gespräch mit Fundview Antworten auf diese heiklen Fragen. Klar ist, dass das Thema des Kapitalschutzes und der Portfolio-Absicherung aufgrund der Jahresendrallye und der insgesamt sehr stark laufenden Märkte aktuell bei vielen Investoren nicht en vogue ist.

„Klar ist auch, dass Aktien eine zentrale Rolle bei dieser Allokation spielen. Aber vor allem im Anleihe-Sektor ist es momentan problematisch und durchaus schwierig. Bis zu einem gewissen Grad lassen sich Unternehmensanleihen und Anleihen aus den Schwellenländern allokieren”, sagt Kummer.

Aber dadurch seien die Portfolios dann ebenfalls stärker auf das wirtschaftliche Wachstum ausgerichtet. „Deswegen fokussieren wir in den vergangenen Monaten unser Research und unsere Analyse bezüglich einer Integration von marktneutralen Aktienstrategien und alternativen Anlagekonzepten.”

Transaktionskosten im Blick

Aber wie baut man ein Multi-Asset-Portfolio inklusive marktneutraler Ausrichtung im aktuellen Umfeld auf? Der erste Schritt sei, größere Fehler zu vermeiden. Allen voran bei einer Long/Short-Allokation sei es wichtig, den richtigen Mix auf der Aktienseite aufzustellen und Branchen-Risiken zu vermeiden.

„Beispielsweise wenn man stark auf der Long-Seite in IT- und Internet-Titel investiert ist und auf der Short-Seite stärker Banken-Titel gewichtet hat. Deswegen haben wir in unserem MARS-L/S-Portfolio alle Branchen gleichgewichtet”, sagt Kummer.

Sowohl auf der Aktien- als auch Anleiheseite müsse zudem das Währungsrisiko beachtet werden. Hier müssen ungewollte Währungspositionen vermieden werden, weil ansonsten das Risiko für den Fonds zu groß wird. „Wichtig ist auch, dass Investoren in einem systematisch aufgestellten Portfolio, das zu mehr Transaktionen innerhalb des Fonds führt, die Transaktionskosten im Blick haben.”

Alternative Risikoprämien? Auf den ersten Blick sehr verlockend

Außerdem müsse das Konzept erklärbar und keine Black Box für den Anleger sein. Transparenz und Verständlichkeit seien immer wichtiger für die Investoren geworden, die wissen wollen, wie die Strategie funktioniert und wie die Rendite konkret erzielt wird.

Eine Möglichkeit zur Portfolio-Diversifizierung sind alternative Risikoprämien. Zumindest in einem gewissen Maße, denn: „Alternative Risikoprämien schauen auf den ersten Blick natürlich sehr verlockend aus, und diese haben wir uns auch als mögliche Erweiterung für unseren Fonds genauer angeschaut, aber alternative Risikoprämien lassen sich nicht in 15 Minuten erklären. Hier liegt ein großes Problem.”

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