Fonds-Selektor Daniel Knörr über ESG: „Asset Manager müssen in neuen Dimensionen denken“
Nachhaltigkeit und ESG müsse ein fester Bestandteil jedes Asset Managers werden. Dafür müssen Unternehmen eine eigene ESG-Vision entwickeln. Die Ampega hat dafür ein entsprechendes Komitee gegründet.
Tim Habicht · 01/17/2020
  • ESG wird aufgrund der Regulierung kurz- bis mittelfristig zum neuen Markt-Standard in der Asset-Management-Industrie
  • Nachhaltigkeit und ESG müssen ein fester Bestandteil jedes Asset Managers werden. Dafür müssen Unternehmen aber in neuen Dimensionen denken und eine eigene ESG-Vision entwickeln
  • Die Ampega hat ein eigenes ESG-Komitee und ein agiles Projektteam gegründet
  • Bereits vor mehr als zehn Jahren hat die Ampega eine dezidierte Produktreihe mit ESG-Fokus mit der Missionszentrale der Franziskaner gestartet

Das Thema Nachhaltigkeit ist zweifelsfrei mitten in der Asset-Management-Branche angekommen. Gekommen, um zu bleiben. Denn ESG-Fonds und -Strategien werden voraussichtlich zu einem zentralen Thema für die Investment-Branche der Zukunft. Dafür sorgt das stärkere ökologische Bewusstsein der Kunden und der daraus entstehende Bedarf an nachhaltigen Produkten. Aber auch ein stärker werdender regulatorischer Druck.

Aber worauf müssen Asset Manager und auch Fonds-Selektoren bei der Integration von Nachhaltigkeit oder der Auswahl von ESG-Fonds besonders achten? Daniel Knörr, Fonds-Selektor, Senior Portfolio Manager Aktien und Multi-Asset-Strategien bei Ampega Asset Management GmbH, erklärt im Gespräch mit Fundview: „Asset Manager müssen ihren Kunden im aktuellen Umfeld und im Hinblick auf die Zukunft nachhaltige Produkte und Lösungen anbieten. Dabei besteht die Kunst darin, die Nachhaltigkeits-Initiativen sinnvoll in die Change-Aktivitäten des Unternehmens einzubetten. Nachhaltigkeit und ESG müssen ein fester Bestandteil jedes Asset Managers werden.“

Um einen echten Mehrwert zu liefern müssten Asset Manager ein ganzheitliches Verständnis zu diesem Thema aufbauen und schaffen. „Dafür müssen Asset Manager aber in neuen Dimensionen denken und eine eigene ESG-Vision entwickeln; sonst leidet die Glaubwürdigkeit und das spürt der Kunde.“

Eigenes ESG-Komitee bei der Ampega

Die nackten Zahlen zeigen jedenfalls einen eindeutigen Trend: Laut zahlen von Lyxor Asset Management verzeichneten ETFs, die ESG-Kriterien fokussieren, im Jahr 2018 Zuflüsse von vier Milliarden Euro. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres waren es bereits 3,6 Milliarden Euro. Laut der Lyxor-Studie haben im ersten Halbjahr 2019 nachhaltige ETFs knapp die Hälfte der gesamten Nettomittelzuflüsse am europäischen ETF-Markt ausgemacht.

„ESG ist aktuell das Meta-Thema der Industrie, das getrieben durch die Regulatorik kurz- bis mittelfristig zum neuen Markt-Standard wird. In zwei bis drei Jahren wird kaum jemand mehr über ESG sprechen, da Nachhaltigkeit und die Berücksichtigung von ESG-Faktoren dann zum Hygiene-Faktor in der Asset-Management-Branche geworden ist“, sagt Knörr.

Derzeit sei es allerdings schwierig den Überblick zu behalten. Die Regulierungsdichte sei sehr hoch, unterschiedliche Initiativen würden parallel und nicht synchron verlaufen und Detail-Definitionen werden noch hitzig diskutiert.

Bei der Ampega, die gemeinsam mit der Ampega Asset Management GmbH und der Ampega Real Estate GmbH die Vermögensverwaltung im Talanx-Konzern verantwortet, wurde daher ein entsprechendes ESG-Komitee und ein agiles Projektteam gegründet. Das Projekt-Team ist cross-funktional aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen besetzt wie Fondsmanagement, Vertrieb und Risikomanagement.

ESG-Filter und eigene ESG-Fondsreihe

In diesem Komitee werden die aktuellen Herausforderungen in Bezug auf Nachhaltigkeit in unterschiedlichen Arbeitsgruppen bearbeitet. Die Projekt-Vision war seinerzeit dreigeteilt, wie Knörr erklärt: „Erstens die konsequente Berücksichtigung von ESG-Kriterien in den Investmentprozessen. Zweitens das Angebot individueller ESG-(Produkt)Lösungen im Drittkundengeschäft. Und drittens glaubwürdiges Commitment sowie Förderung des Stewardship Code über Engagegment und Active Ownership.“

Das ESG-Komitee setzt sich aus Mitarbeitern aus den Investmentbereichen Aktien, Renten und Multi Asset zusammen und befasst sich mit konkreten Investment-Entscheidungen, Abstimmungen auf Hauptversammlungen oder anderen Engagement-Initiativen. „Wir können in unserem Konzern als global agierender Versicherer und Asset Manager den Wandel in eine klimaneutrale Zukunft aktiv mitgestalten und Kapital sinnvoll umlenken. Deswegen ist der Dialog mit den Unternehmen, in die investiert wird, zentral. Wir setzen hier auf Best-in-Class-Ansätze, wirkungsbezogene Messverfahren und vor allem Engagement; und weniger auf stumpfen Ausschluss.”

Die Ampega legt konkret einen ESG-Filter über alle Publikumsfonds und hat bereits vor mehr als zehn Jahren eine dezidierte Produktreihe mit ESG-Fokus mit der Missionszentrale der Franziskaner gestartet, die sogenannten Terrassisi-Fonds. „Asset Manager müssen sich dem Thema stellen. Das gilt auch für Fonds-Selektoren, die die entsprechenden Produkte auf ihre Sinn- und Glaubwürdigkeit prüfen müssen. Oft fehlt es Zielfonds-Managern an dieser Glaubwürdigkeit und die Einbettung der ESG-Faktoren in die globalen Investmentprozesse wirkt aufgrund des derzeitigen Regulierungs-Regimes arg konstruiert”, so Knörr. Dies würden natürlich auch die Investoren registrieren und die Nachhaltigkeits-Bemühungen können schlechtenfalls negative Effekte entfalten.

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