TBF-Geschäftsführer zum ESG-Trend: „Wollen keinen einzelnen Marketing-Fonds starten“
Der Geschäftsführer der Fonds-Boutique TBF Global AM sieht ein wachsendes nachhaltiges Bewusstsein bei der Geldanlage. Einen eigenen ESG-Fonds will das Unternehmen zwar nicht starten; dafür aber Nachhaltigkeit in das komplette Portfoliomanagement integrieren.
Tim Habicht · 01/16/2020

Nachhaltige Geldanlage und ESG-Fonds: Sie sind wohl der große Trend in den vergangenen Monaten. Sowohl von der Kundenseite angefragt als auch konkret von den Asset Managern mit Produkten angeboten. Fraglich ist teilweise allerdings, wie nachhaltig diese Fonds tatsächlich sind. Oder forsch formuliert: Steckt vielleicht doch eher ein Marketing-Gedanke hinter der Auflage des ein oder anderen ESG-Fonds?

Das ESG-Thema wächst stark bei Asset Managern und auch bei den Kunden. Insgesamt wird das nachhaltige Bewusstsein bei der Geldanlage größer und wichtiger. Deswegen aber einen eigenen sogenannten ESG-Fonds starten? Dirk Zabel, Geschäftsführer und bei der Fonds-Boutique TBF Global AM für die Bereiche Sales und Marketing verantwortlich, differenziert im Gespräch mit Fundview: „Wir wollen für jedes Unternehmen einen ESG-Report umsetzen und Nachhaltigkeit konkret in unser Unternehmen integrieren. Deswegen wollen wir keinen einzelnen Marketing-Fonds starten, sondern ESG konkret in allen bestehenden Portfolios umsetzen.”

Diese Umsetzung und Anpassung findet in allen zwölf Strategien des Hauses statt. Teilweise wurden deswegen in den vergangenen Jahren Titel wie beispielsweise Barrick Gold aus Portfolios gestrichen. „Das wollen wir weiter intensivieren“, sagt Zabel.

„Wenn nötig, muss die Aktienquote auch mal auf null Prozent reduziert werden“

Neben der Intensivierung dieser nachhaltigen Anpassungen für die bestehenden Fonds steht für die Fonds-Boutique mit insgesamt 1,8 Milliarden Euro Assets under Management vor allem eines im Fokus: Das Management von Risiko. „Wir sind ein klar aktiver Manager. Passive Investments sind zwar per se kein Teufelszeug aber bergen durchaus Gefahren. Durch eine starke Passivierung der Geldanlage werden teilweise bestimmte Assetklassen gesteuert. Das kann möglicherweise ein Erdbeben auslösen. Wir wollen in diesem Umfeld klar aktives Portfoliomanagement und ein aktives Risikomanagement anbieten.“

Das Unternehmen steuert sehr aktiv die Absicherungen in den Fonds und sieht dort einen Teil seiner großen Expertise und Mehrwert den es für seine Anleger liefern kann. Neben der hauseigenen Software zur Unternehmensanalyse spielt der sogenannte Q-Faktor des Hauses eine große Rolle bei der Absicherung der Portfolios. Der Q-Faktor ist ein synthetischer Index zur aktiven Risikosteuerung und ist in das hauseigene Handelssystem integriert. Auf Grundlage von quantitativen und qualitativen Faktoren werden so Signale zur Anpassung von Investitionsgrad, Absicherung und der Einzeltitelallokation generiert.

Aktives Management inklusive einer Absicherung der Portfolios sei im derzeitigen Marktumfeld von zentraler Bedeutung. „Der traditionelle Buy-and-Hold-Ansatz funktioniert nicht mehr. Wenn nötig, muss die Aktienquote auch mal auf null Prozent reduziert werden. Vor allem für institutionelle Investoren ist das Risikomanagement von großer Bedeutung. Diese Denkweise überträgt sich auch stärker auf Privatkunden. Absicherung des Portfolios ist vielen wichtiger als nach oben hin auch den letzten Prozentpunkt an Performance zu erzielen“, sagt Zabel.

Teilen Sie diesen Artikel:
Meistgelesen

Auf dieser Webseite werden Nutzungsdaten durch uns und eingebundene Dritte erfasst und ausgewertet, u.a. mittels Cookies. Weitere Informationen – auch zu den Möglichkeiten diese Verarbeitung zu unterbinden - finden Sie HIER.