Leiter für Vermögensverwaltung bei Kapilendo: „Die Probleme liegen oftmals im Back Office”
Vermögensverwalter und Banken müssen die Basis und die Strukturen für die Digitalisierung schaffen. Dort hapert es derzeit noch häufig.
Tim Habicht · 01/10/2020

Zwar hätten viele Vermögensverwalter und Banken digitale Angebote für ihre Kunden; wie beispielsweise eigene Apps. Bei vielen Unternehmen müssten aber vor allem die Prozesse im Hintergrund verbessert werden, um eine hybride Lösung als Zukunftsmodell anbieten zu können. Das ist die Meinung von Martin Klatt, seit Anfang Oktober 2019 als Leiter für Investments und Vermögensverwaltung beim Berliner Unternehmen Kapilendo angestellt.

„Die Probleme bei den Unternehmen liegen oftmals im Back Office. Die Unternehmen müssen die Basis und die Strukturen für die Digitalisierung schaffen. Natürlich ist IT-Infrastruktur teuer und deswegen zögern viele Unternehmen. Grad bei den Banken ist aktuell die Ertragssituation schwierig und die Margen stehen stark unter Druck. Hier schmerzen IT-Investitionen besonders. Aber es muss dennoch zwingend in die Digitalisierung investiert werden. Ein weiter so und Verharren in alten Strukturen funktioniert nicht mehr”, sagt Klatt im Gespräch mit Fundview.

Klatt hat vor seinem Wechsel zu Kapilendo bei der Weberbank den Bereich Immobilien-Management aufgebaut und war davor jahrelang in der ganzheitlichen Beratung vermögender Privatkunden bei der Weberbank aktiv. Die Kapilendo AG hat ihren Sitz in Berlin und wurde im Januar 2015 gegründet. Das Finanzierungsvolumen liegt bei 67 Millionen Euro (Stand: November 2019). Hauptgesellschafter der Kapilendo AG sind die Comvest Holding AG, die FinLab AG, das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin und die Axel Springer Media for Equity GmbH sowie mehrere renommierte Business-Angels. Bei Kapilendo sind rund 60 Mitarbeiter angestellt, davon sind fast ein Drittel Programmierer.

Verbesserungsbedarf bei internen Prozessen

Dass bei der Kapilendo rund ein Drittel der Mitarbeiter Programmierer sind ist aktuell vermutlich für eine Banking-Plattform durchaus ungewöhnlich. Nicht aber in Zukunft, wie Klatt beschreibt: „Das Berufsbild in der Bank wird sich in den kommenden Jahren weiter stark verändern. Dabei können Fintechs und Banken voneinander lernen. Weil Banken unmittelbar reagieren müssen, können Kooperationen mit agilen Fintechs sinnvoll sein; oder eben auch ganz gezielte Zukäufe. Viele Banken genießen immer noch ein großes Vertrauen bei ihren Kunden, müssen aber dringend digitale Lösungen und Prozesse im Sinne der Kundennachfrage anbieten können.”

Trotz aller Digitalisierung weiß auch Klatt, dass die persönliche Betreuung der Kunden weiterhin ein Kerngeschäft für Vermögensverwalter und Banken ist. Die persönliche Ansprache und Begleitung der Kunden sei bei vielen Vermögensverwaltern erstklassig. „In Hinblick auf die digitalen Strategien und vor allem bei vielen internen Prozessen gibt es jedoch noch deutlich Verbesserungsbedarf und Entwicklungspotenzial. Die digitalen Möglichkeiten werden aktuell häufig noch nicht in den Unternehmen genutzt. Dabei ist es für alle Seiten angenehm und hilfreich die Digitalisierung mit der persönlichen Beratung zu kombinieren”, sagt Klatt.

Denn die persönliche Komponente in der Vermögensverwaltung werde es immer geben, das stehe außer Frage. „Wir sehen die hybride Lösung als Zukunftsmodell an.”

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