Hedgefonds-Experte von Lyxor: „Die Hedgefonds-Branche ist im Wandel”
Konsolidierung, Neugründungen und der Wandel hin zu Single Family Offices: Die Hedgefonds-Branche befindet sich in einem starken Wandel, wie Philippe Ferreira von Lyxor analysiert.
Tim Habicht · 01/09/2020

Die Hedgefonds-Branche ist in einem starken Wandel. Insgesamt findet eine Konsolidierung des Marktes statt. Kleine Hedgefonds werden neugegründet und bestehende Hedgefonds wandeln sich teilweise aufgrund der geringeren Regulierung zu Single Family Offices. Außerdem werden Hedgefonds trotz einer gewissen Angst auch bei institutionellen Investoren immer beliebter. Das sagt Philippe Ferreira, Senior Cross Asset Strategist bei Lyxor Asset Management, im Gespräch mit Fundview.

„Insgesamt ist die Hedgefonds-Branche im Wandel. Es gibt viele Schließungen von großen Fonds und Namen und der Fokus wird eher auf den Start von neuen beziehungsweise kleineren Produkten gelegt. Denn auch Hedgefonds müssen im aktuellen Marktumfeld flexibel und agil sein. Es ist aber auch festzustellen, dass sich viele Hedgefonds zu Single-Family-Offices wandeln, um dem regulatorischen Druck zu entgehen”, sagt Ferreira.

In diesem Umfeld würde eine Konsolidierung der Hedgefonds-Industrie stattfinden. Strategien, die keinen Mehrwert gegenüber den traditionellen Märkten liefern und häufig einen Long-Bias haben, werden unter Druck geraten. „Deswegen werden die besten Hedgefonds-Strategien von der Schwäche bei den schlechteren Strategien profitieren. Für die Hedgefonds-Industrie war das Jahr 2018 ein richtiger Stresstest. Dadurch hat und wird sich die Branche neu organisieren. Allen voran die Gebühren werden bei Hedgefonds unter Druck geraten.”

Zuflüsse von einer Milliarde Euro seit September 2019

Dabei seien die Gebühren von Hedgefonds insgesamt bereits gesunken. Aber gute Strategien können auch etwas kosten. Solange Mehrwerte geliefert werden, können Anbieter auch die etwas höheren Kosten rechtfertigen. Schwächere Strategien hätten hier keinen Spielraum und müssen eindeutig günstiger werden. Gibt es für Hedgefonds vor allem eine Konkurrenz durch alternative Risikoprämien, die aufgrund ihrer geringeren Kosten immer beliebter werden? Ferreira verneint und sagt: „Noch sehe ich keine Konkurrenz durch alternative Risikoprämien. Auch alternative Risikoprämien haben in 2018 gelitten und wenig Zuflüsse gehabt. Es wurden allerdings viele Produkte in 2018 und im vergangenen Jahr gestartet. Dennoch ist der Markt im Vergleich zur Hedgefonds-Branche noch verhältnismäßig klein.”

Ein Treiber der Zuflüsse, sowohl bei Hedgefonds als auch bei alternativen Riskoprämien, ist zweifelsfrei das aktuelle Marktumfeld der traditionellen Assetklassen. Vielen Investoren bereite die Rallye an den Aktienmärkten Unbehagen. Die politischen Risiken waren 2019 stark präsent, auch wenn sie sich zuletzt etwas abgeschwächt haben, und das Bild bei den Unternehmenserträgen düster war. Nach einem zehnjährigen Aufschwung seien die Aktienbewertungen historisch hoch und auf der Anleihe-Seite würde es kaum attraktive Alternativen geben. Hier können gute Hedgefonds-Strategien einen Mehrwert liefern; und fleißig Gelder einsammeln. Lyxor hat beispielsweise mit einer neuen Makro-Strategie bisher bereits eine Milliarde Euro eingesammelt. Und zwar seit Start der Strategie am 20. September 2019.

„Aufgrund des aktuellen Marktumfeldes suchen Investoren verstärkt nach Alternativen. Dabei haben Hedgefonds bereits im zweiten Jahr in Folge Abflüsse zu verzeichnen. Das liegt vor allem daran, dass viele Investoren von der Hedgefonds-Performance enttäuscht waren und sind. Vor allem im vierten Quartal 2018 hätten Hedgefonds die Gelder sichern müssen; das haben sie in vielen Fällen allerdings nicht geschafft”, sagt Ferreira.

Zuflüsse erhalten Hedgefonds-Anbieter allerdings stärker aus dem institutionellen Bereich. Trotz einer gewissen Angst von beispielsweise Privatbanken vor Hedgefonds. „Das Interesse bei dieser Investoren-Gruppe steigt. Allen voran als Zins-Ersatz und wegen der anhaltenden Niedrigzinsen. Privatbanken allokieren Hedgefonds vor allem als Ersatz im Fixed-Income-Bereich aber auch als Kasse-Ersatz. Bei institutionellen Investoren sind Hedgefonds bisher wenig populär. Aber auch das ändert sich langsam etwas.”

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