„Anleihe-Investoren müssen mit dem Niedrigzinsumfeld leben”
Der Managing Director und Makroökonom von MacKay Shields, Steven Friedman, blickt nüchtern auf das aktuelle Anleihe-Umfeld. Dabei hat auch er seine Duration gesenkt.
Tim Habicht · 01/08/2020

Für Anleihe-Investoren ist das aktuelle Niedrigzinsumfeld kein Zuckerschlecken; aber sie müssen sich daran gewöhnen und damit auch in ihrer Allokation entsprechend umgehen. Denn: „Das aktuelle Niedrigzinsumfeld ist ein strukturelles Problem, das sich nicht einfach aus der Welt schaffen oder kurzfristig verändern lässt. Damit müssen Anleihe-Investoren leben.” Das sagt Steven Friedman, Managing Director und Makroökonom beim US-amerikanischen Asset Manager MacKay Shields, im Gespräch mit Fundview.

Dennoch sieht Friedman keine Blase am Anleihe-Markt. Nichtsdestotrotz könnten vor allem Anleihe-ETFs in einer Krise oder einem Ausverkauf nicht mehr so liquide sein, wie viele Retail-Investoren denken. Dort könnte die Liquidität zu einem großen Problem werden. „Dennoch stellen wir fest, dass Investoren insgesamt mehr Risiken im Anleihe-Markt nehmen, um Renditen zu erzielen. Allen voran der BBB-Markt hat sehr viele Zuflüsse erhalten und Unternehmensanleihen sind insgesamt mehr im Fokus der Anleger”, sagt Friedman.

Deswegen würden aktive Fonds in diesem Umfeld sehr viel Sinn machen. Denn aktive Fondsmanager können die hochverschuldeten BBB-Firmen, die sich nicht entschulden, sondern nur am Leben bleiben wollen, meiden. „Insgesamt sind wir aufgrund des späten wirtschaftlichen Zyklus mit einer kürzeren Duration aufgestellt und meiden die zyklischen Sektoren bei den Unternehmensanleihen.”

Wird Trump Powell absetzen?

Insgesamt hat Friedman sein Portfolio zuletzt robuster aufgebaut und Hochzinsanleihen reduziert. „Dabei achten wir insgesamt auf die Qualität der Unternehmensanleihen und meiden zyklische Sektoren. Auch die Duration wurde in den vergangenen Monaten gesenkt”, sagt Friedman.

Ein zentraler Faktor für Anleihe-Investoren ist und bleibt dabei die Politik der Notenbanken. Teilweise hätten sich Investoren die Frage gestellt, wie unabhängig die US-Notenbank Fed tatsächlich noch sei. „Schließlich hat Donald Trump die Fed stark verbal unter Druck gesetzt. Aber natürlich ist die US-Notenbank weiter unabhängig und hat lediglich vernünftig auf die sich abkühlende US-Wirtschaft und den Handelsstreit reagiert”, so Friedman. Sollte Trump in 2020 allerdings wiedergewählt werden, könnte er Powell bereits durch einen neuen Notenbanken-Chef ersetzen lassen. Einem, der näher an Trump ist.

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