BaFin will Münchner Wertpapierhandelsbank die 32er-Lizenz entziehen
Die BaFin will der Münchner vPE Wertpapierhandels Bank AG die Erlaubnis gemäß § 32 Abs. 1 KWG für Bankgeschäfte und Finanzdienstleistungen entziehen. Fundview kann exklusiv über die Hintergründe dieser Maßnahme berichten.
Tim Habicht · 01/08/2020

Im Oktober des vergangenen Jahres musste die Münchner vPE Wertpapierhandelsbank aus München ihren kompletten Aufsichtsrat neu besetzen. Damals hatten sämtliche Mitglieder des Aufsichtsrates ihr Amt während der Hauptversammlung niedergelegt. Jetzt der nächste Rückschlag für die vPE Wertpapierhandelsbank: Die BaFin will dem Unternehmen die Erlaubnis gemäß § 32 Abs. 1 KWG für Bankgeschäfte und Finanzdienstleistungen entziehen.

In einer Ad-Hoc-Meldung der BaFin vom 17. Dezember 2019 heißt es, dass die vPE beabsichtige, innerhalb der von der BaFin gewährten Frist bis zum 24. Januar 2020 zu dem beabsichtigten Bescheid Stellung zu nehmen und Maßnahmen einzuleiten, um die Aufhebung der Erlaubnis abzuwenden.

Aber welche Hintergründe hat der von der BaFin angestrebte Entzug der 32er-Lizenz? Fundview liegen exklusive Insider-Informationen vor, die Licht ins Dunkel bringen könnten. Einer der Gründe liegt möglicherweise bei der Aureum Realwert AG.

Fragliche Anleihe stark in den Kundendepots gewichtet

Zeitgleich zur Eröffnung des neuen vPE-Standortes am Kemperplatz 1 in Berlin hatte auch die Aureum Realwert AG ihren Sitz an dieser Adresse; und ihre Büros auf demselben Flur wie die vPE in Berlin.

Das bis zum 31. Juli 2019 ehemalige Vorstandsmitglied der vPE, Marco Freiherr von Pfetten, war auch seit dem 13. Juni 2016 zeitgleich Mitglied des Aufsichtsrates der Aureum AG. Der ehemalige Vorstand verließ im Juli 2019 die vPE, nachdem er schon sein Aufsichtsratsmandat bei der Aureum Realwert AG in Mai 2019 niederlegte.

Außerdem sind mutmaßlich externe Investoren an der Aureum beteiligt gewesen, die gleichzeitig Mehrheitsaktionäre der vPE werden wollten. Die BaFin untersagte umgehend per Anordnung die Akquisition der vPE-Anteile durch die Aureum Realwert AG.

Zur Finanzierung der Aureum Realwert AG wurden zwei Anleihen herausgegeben, die von der vPE mithilfe der Vermögensverwaltung in die Kundendepots implementiert wurden; teilweise mit mehr als 80 Prozent des Gesamtvermögens der Kunden, wie ein Auszug, der Fundview vorliegt, zeigt.

Verfolgung eigennütziger Interessen?

Jetzt der große Knackpunkt: Das Amtsgericht Berlin Charlottenburg hat durch Beschluss vom 3. Juni 2019 das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Aureum Realwert AG wegen Zahlungsunfähigkeit eröffnet. Nach den Anleihebedingungen handelt es sich bei den Aureum-Anleihen nach der Insolvenz um nachrangige Forderungen mit der wahrscheinlichen Folge, dass die Anleihegläubiger im Falle einer Insolvenz des Unternehmens nur als sogenannte nachrangige Insolvenzgläubiger im Sinne von § 39 InsO berücksichtigt werden. Dies bedeutet, dass die Anleihen wirtschaftlich wertlos sind.

Wegen der Vernetzung der vPE und der Aureum besteht die Möglichkeit, dass durch den Erwerb der Anleihen und Zertifikate im Rahmen der Finanzportfolioverwaltung eigennützige Interessen verfolgt wurden und dass dabei die Schädigung der Kunden möglicherweise bewusst in Kauf genommen wurde.

Auf eine schriftliche Anfrage von Fundview äußerten sich die Verantwortlichen der vPE nicht.

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