Vontobels Roger Merz erhöht China-Allokation in Milliardenfonds
In seinem über vier Milliarden Euro schweren Schwellenländer-Fonds hat Roger Merz während des Handelsstreits die China-Allokation auf ein Übergewicht erhöht.
Tim Habicht · 12/20/2019

Der das Jahr 2019 dominierende Handelsstreit zwischen den USA und China hat teilweise für Verwerfungen an den Aktienmärkten und Sorgen bezüglich der weltweiten Konjunktur gesorgt. Für Roger Merz, Fondsmanager beim Schweizer Asset Manager Vontobel, hat der Handelsstreit aber vor allem für eines gesorgt: Opportunitäten.

Denn aufgrund des Handelsstreits haben sich vor allem in China günstige Bewertungen für starke Firmen ergeben. Innerhalb des laufenden Jahres wurde deswegen die China-Allokation in seinem 4,2 Milliarden Euro schweren Vontobel Fund - mtx Sustainable Emerging Markets Leaders ausgebaut. Damit ist China mit einem Übergewicht von fast sieben Prozentpunkten gegenüber der Benchmark und einer Gewichtung von über 36 Prozent aktuell die größte Länder-Position des Fonds, den Merz gemeinsam mit Thomas Schaffner verantwortet.

„Das vergangene und laufende Jahr wird vor allem durch die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China bestimmt. Aktuell sehen wir ein Risk-on-Szenario, das vor allem wegen des positiven Handelsstreit-Ausblicks bestimmt wird. Wir erwarten für das kommende Jahr eine Erholung bezüglich der Kapitalrenditen und sind dahingehend positiv eingestellt”, gibt Merz im Gespräch mit Fundview einen Ausblick auf das kommende Jahr.

Hongkong-Exposure eher aufstocken

Denn seit September dieses Jahres würden Investoren eine Stabilisierung nach einem starken Rückgang der Gewinnerwartungen bis zum Sommer erleben. Allen voran chinesische Unternehmen würden hier ins Positive drehen. „Im Hinblick auf die Bewertungen sehen wir Schwellenländer attraktiv im Vergleich mit den entwickelten Ländern. Gemessen am Shiller P/E befinden wir uns nahezu auf einem Rekordtief und einer historischen Bodenbildung. Schwellenländer-Unternehmen handeln mit einem Abschlag von bis zu 35 Prozent gegenüber den Firmen in entwickelten Ländern basierend auf dieser Kennzahl”, sagt Merz.

Mit einem Exposure von immerhin sechs Prozent ist Hongkong vertreten. Die sogenannte Sonderverwaltungszone geriet in den vergangenen Monaten aufgrund anhaltender und teilweise sogar blutiger Proteste in die Schlagzeilen. Ein Grund für Merz das Exposure hier zu senken? „Wir würden aufgrund der aktuell sehr günstigen Bewertungen der Unternehmen eher in Hongkong aufstocken. Der Retail-Umsatz ist im September um rund 45 Prozent eingebrochen, das ist natürlich sehr negativ. Allerdings würden wir unser Hongkong-Exposure nur reduzieren, wenn eine richtige Eskalation eintritt. Aktuell ist nämlich bereits sehr viel Negatives eingepreist und die Unternehmen notieren momentan teilweise unter dem Buchwert. Diese Situation ist allerdings nur temporär.”

Temporär könnte auch das Fonds-Untergewicht in IT-Titeln sein. Historisch gesehen hatten Merz und Schaffner immer ein Übergewicht bezüglich Titeln aus dem IT-Sektor. Dieses Übergewicht wurde über die vergangenen Monate auf ein Untergewicht reduziert. Auch hier war der Grund der Handelsstreit. Aufstocken würde Merz die IT-Allokation bei einer deutlichen Entspannung des Handelsstreits. „Allerdings gibt es für diesen Handelsstreit vermutlich keine ultimative Lösung. Kleine positive Schritte würden aber schon ein starkes Signal für die Märkte haben.”

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