Vermögensverwalter mahnt zur Vorsicht gegenüber dem chinesischen Wohnimmobilienmarkt
Gebaut wird in China weiterhin viel. Aber die Nachfrageseite gerade im Wohnungsbau stehe vor großen strukturellen Schwierigkeiten.
Tim Habicht · 12/18/2019

Der Berliner Vermögensverwalter Norbert Hagen warnt vor dem chinesischen Wohnimmobilienmarkt. Die Bauaktivitäten würden derzeit eigentlich gegen die These eines anhaltenden Wirtschaftsrückgangs in China sprechen, denn der derzeit starke Bausektor übe einen positiven Einfluss auf die Industrie innerhalb und außerhalb Chinas aus. Aber: Die Nachfrageseite gerade im Wohnungsbau steht vor großen strukturellen Schwierigkeiten.

„Der echte Wohnungsbedarf ist merklich gesunken. Die China Houshold Finance Survey (CHFS) des vergangenen Jahres zeigt, dass rund 68 Prozent der Wohnungsneukäufe im ersten Quartal von 2018 zur Kapitalanlage erworben wurden. In Chinas urbanen Bereichen betrug der Pro-Kopf-Wohnraum Ende letzten Jahres 40 Quadratmeter – das ist mehr als in Japan oder Südkorea“, sagt Hagen, Vorstand der Berliner ICM InvestmentBank AG.

Andere strukturelle Hindernisse aus Sicht der Branche würden die inzwischen schwieriger gewordene Finanzierbarkeit eines Immobilienerwerbs, die nachlassende Landflucht, generelle demographische Veränderungen und zuletzt die Förderung des Mietwohnungsmarktes darstellen. Insofern mahnt Hagen zur Vorsicht gegenüber des chinesischen Wohnimmobilienmarktes. „Die Regierung hat mehrfach betont, dass China aktuell kein Interesse daran hat über den Immobilienmarkt eine kurzfristige Konjunkturbelebung zu erreichen. Die spekulative Nachfrage nach Wohnimmobilien soll ebenfalls eingedämmt werden.“ Aber trotz der erheblichen Verlangsamung der chinesischen Konjunktur habe die chinesische Regierung bisher wenig Stimulus im Wohnungsmarkt induziert. Im Gegenteil, sowohl die Zahl der Finanzierungen als auch Wiederaufbauprogramme von Brennpunkten wurden drastisch reduziert.

Wohnungsbau wird schwächer tendieren

„Theoretisch sollten sinkende Wohnungspreise vor Neubauten und -investitionen abschrecken. Fallende Preise signalisieren, dass das Angebot die Nachfrage übersteigt und führen zumeist dazu, dass Bauträger neue Projekte drosseln. Anders in China“, sagt Hagen. Aufgrund von Finanzierungsschwierigkeiten hätten sich Wohnungsbauunternehmen seit 2017 mit aggressiven Vorverkaufsstrategien beholfen. Die Strategie entstand während der rapiden Expansion der vergangenen zehn Jahre. Immobilienanbieter würden aber heute unter dem Druck stehen, die bereits verkauften Einheiten tatsächlich abzuliefern.

Hagen sagt: „Ob es neue Finanzierungsmöglichkeiten geben wird, um vom Reißbrett verkaufte Neubauten zu realisieren oder ob es zu einer Verzögerung oder gar Aufgabe des Bauvorhabens kommen wird, gestaltet sich je nach Anbieter. Dementsprechend schwierig ist es auch, Trends im Bausektor für die nächsten sechs Monate zu erkennen. In jedem Fall wird der Wohnungsbau eher schwächer tendieren, da viele kleine und mittlere Unternehmen, aber auch einige große in tiefen finanziellen Schwierigkeiten stecken.“

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