Drei Vermögensverwalter über ihre größten Herausforderungen in 2020
Digitalisierung? Regulierung? Robo-Advisor? Drei Vermögensverwalter gehen auf dem 6. Deutschen Vermögensverwaltertag auf ihre größten Business-Herausforderungen für das kommende Jahr ein.
Tim Habicht · 11/22/2019

Christian Funke, Source For Alpha: Wir freuen uns aufgrund unserer guten Anlageergebnisse und einiger Auszeichnungen über viele Weiterempfehlungen unserer Kunden und damit einen stetigen Strom neuer Kunden in der privaten Vermögensverwaltung. Die Business-Herausforderung für 2020 ist somit ein Management dieses Wachstums bei gleichbleibender Qualität in der Kundenbetreuung und im Portfoliomanagement, denn gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen und die damit verbundenen Kosten weiterhin stetig an.

Wir suchen in der Kundenbetreuung weitere gute Mitarbeiter, die eigene Kunden und Netzwerke mitbringen und Lust darauf haben, sich in eine stark wachsende Vermögensverwaltung einzubringen – und die dabei insbesondere offen dafür sind mit unseren modernen, systematischen Anlagestrategien zu arbeiten, diese den Kunden näher zu bringen und breiter zu vermarkten.

Die Herausforderungen werden aufgrund des anspruchsvollen Kapitalmarktumfeldes, der steigenden regulatorischen Anforderungen sowie des hohen Wettbewerbs- und Transparenzdrucks durch die Digitalisierung auf vielen Ebenen deutlich komplexer, sodass sich unabhängige Vermögensverwalter zu größeren Einheiten zusammenschließen müssen, um die sich gleichzeitig ergebenden Chancen auch wirklich nutzen zu können.

Torben Peters, Proaktiva: Die Digitalisierung ist eine zentrale Herausforderung für das Jahr 2020. Wir sind vor vier Wochen im Rahmen der Digitalisierung unseres Unternehmens mit Proaktiva.Digital online gegangen. Zum Startzeitpunkt haben wir uns auf die Erstellung einer Dienstleistung beschränkt, die aktives Fondsmanagement professionell und kosteneffizient anbietet. Wichtig ist, dass Vermögensverwalter mit Hilfe der Digitalisierung bestehende Netzwerke erweitern und neue Netzwerke schaffen. Der Plattform-Gedanke ist dabei sehr wichtig. Zentral ist auch, dass Vermögensverwalter über Inhalte ihr Netzwerk erweitern und sich entsprechend als Experten positionieren. Diesen Ansatz werden wir nach und nach bei Proaktiva.Digital weiterentwickeln.

Auch zum Thema Nachhaltigkeit wollen wir im kommenden Jahr die Weichen stellen. Dafür haben wir unser bestehendes Team personell erweitert. Wichtig ist im Rahmen dessen, dass man als Unternehmen entscheidet, wie man Nachhaltigkeit definiert und diese Entscheidung dann auch durch alle Portfolios und den Investment-Prozess implementiert wird. Einen Marketing-Fonds als Label in die Öffentlichkeit zu stellen, aber seine Prozesse nicht nachhaltig umzustellen, macht keinen Sinn.

Insgesamt sind die Anforderungen an Vermögensverwalter deutlich komplexer geworden in den vergangenen Jahren. Dies führt zu einer Professionalisierung der Branche. Der Druck wird für die gesamte Branche zunehmen und Vermögensverwalter müssen in diesem Umfeld Lösungen für die Probleme ihrer Kunden anbieten.

Marco Herrmann, Fiduka: Für 2020 und danach sehen wir drei wesentliche Herausforderungen: ETFs und digitale Billiganbieter: Mit dem Vormarsch der ETFs und vergleichsweise günstigen Angeboten von Robo-Advisors hat sich die Preissensitivität auf der Kundenseite erhöht. Wir müssen die Kunden vom Mehrwert unserer Dienstleistung als Vermögensverwalter mit persönlicher Betreuung und individuellen Angeboten überzeugen.

Zinslose Zeiten: Nicht alle Kunden wollen oder können ihr Vermögen in reine Aktiendepots anlegen. Wesentliche Alternativen im liquiden Bereich sind neben den mittlerweile zinslosen Anleihen nur noch Gold und einige wenige aktive Anleihefonds. Andere Anlageklassen sind entweder illiquide oder performen schlecht. Bei Misch-Mandaten könnte künftig die Performance hinter der der letzten Jahre zurückbleiben.

Regulatorik: Der stetig steigende Aufwand führt zu Kostensteigerungen, die nicht weitergegeben werden können. Gleichzeitig können bei einzelnen Depotbanken bestimmte Produkte für Kunden nicht mehr erworben werden (Product Governnance/Prospektanforderungen etc).

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