Der Seasonax Global Selection im Portrait
Mithilfe eines eigenen Algorithmus identifiziert die Boutique saisonale Trends einzelner Aktien und richtet danach das Portfolio aus. Deswegen sollte Adidas immer am 7. März jedes Jahres gekauft und am 3. Mai des Jahres verkauft werden. Aber wie funktioniert Saisonalität?
Tim Habicht · 10/01/2019
  • Der Seasonax Global Selection-Fonds wurde erst zum 1. Oktober 2019 gestartet
  • Die Fonds-Boutique hat ein Analysetool entwickelt, das Aktien auf Saisonalität prüft und daraus Investment-Entscheidungen ableitet
  • Der Algorithmus wurde unter anderem den Bloomberg und Thomson Reuters Terminals zur Verfügung gestellt
  • Bei der Saisonalität handelt es sich nicht um Zufall, sondern um saisonale Einflüsse, die die Aktienpreise stark beeinflussen
  • Beispiel Adidas-Aktie: Der beste Kaufzeitpunkt ist am 7. März jedes Jahres. Verkaufen sollten Investoren Adidas dann am 3. Mai wieder
  • Der Portfolio-Turnover liegt mit neun sehr hoch; 75 Prozent der Aktien werden monatlich ausgetauscht

Sell in May and go away. Jeder Investor kennt diese Börsenweisheit. Aber steckt doch ziemlich viel Wahres in diesem Satz, der von vielen teilweise nur belächelt wird? Klar ist: Bestimmte Ereignisse triggern bestimmte Entwicklungen an den Aktienmärkten. „Jede Branche zeigt eigene, auf stabilen Einflussfaktoren basierende saisonale Trends, von denen profitiert werden kann“, sagt Tea Muratovic, Mitgründerin der Investment-Boutique Seasonax Capital, im Gespräch mit Fundview.

Aber wie lassen sich diese saisonalen Trends identifizieren? Und kann man daraus ein Portfolio bauen? Nach Jahren der Forschung zum Thema saisonale Investments wurde 2018 Seasonax Capital durch Dimitri Speck (links im Bild), Tea Muratovic (rechts im Bild) und Christoph Zenk gegründet. Zum 1. Oktober dieses Jahres wurde basierend auf dem eigenen Analysetool der Seasonax Global Selection-Fonds gestartet. Mit diesem Tool lassen sich Aktien auf Saisonalität prüfen und daraus Investment-Entscheidungen ableiten. Der Algorithmus wurde auch den Bloomberg und Thomson Reuters Terminals zur Verfügung gestellt.

Vor einem jährlichen Meeting oder einem speziellen Event wie beispielsweise den Olympischen Spielen verhalten sich Aktien unterschiedlich. Darauf können Investoren reagieren und von den saisonalen Trends im Laufe des Jahres profitieren. „Es handelt sich dabei nicht um Zufall, sondern um saisonale Einflüsse, die die Aktienpreise stark beeinflussen“, stellt Muratovic klar.

Regelbasiertes Portfolio und manuelle Überprüfung

Saisonale Strategien würden hohe Gewinne, basierend auf statistischen Informationen erzielen. Das konnte in einer akademischen Studie der Erasmus University in Rotterdam und von Robeco-Analysten belegt werden. Die Studie Global Factor Premiums hat die Strategien über mehr als 200 Jahre verglichen und ist zu der Schlussfolgerung gekommen, dass saisonal starke Aktien 5,7 Prozent Überrendite erzielt haben.

Muratovic erklärt im Detail: „Aktien werden durch saisonale Bedingungen und Umstände getrieben, beispielsweise durch quartalsweise, halbjährliche oder jährliche Reports, Deadlines zur Steuerbilanzierung, interne Geschäftsprozesse, die Stimmung der Investoren zu bestimmten Jahreszeiten, als auch klassische Muster der Anlagemärkte, wie der traditionelle Kursanstieg zum Jahresende.“ Für das Portfolio des Fonds werden darauf basierend rund 20 Titel aus einem globalen Universum von über 1000 Aktien aus dem S&P 500 und Euro Stoxx 600 ausgesucht.

Einige dieser Aktien seien in der Regel gut auf ihre Saisonalität zu analysieren beziehungsweise würden saisonale Muster zeigen. Der Algorithmus wurde von Speck selbst programmiert und funktioniert komplett regelbasiert. Muratovic überprüft die Titel manuell bevor diese ins Portfolio genommen werden. Warum noch eine manuelle Prüfung? „Um Zufälle auszuschließen, müssen die Aktien mindestens eine Historie von zehn bis 15 Jahren haben. Bei der manuellen Prüfung werden dann Ausreißer nach oben oder unten entschärft. Beispielsweise war Infineon im Jahr 2009 noch ein Penny Stock. Dann sind die Gewinne und der Aktienkurs nach oben geschnellt. Das hatte allerdings nichts mit der Saisonalität der Aktie zu tun, sondern mit einem externen Ereignis.“


Fonds-Fakten im Überblick:

  • Name: Seasonax Global Selection
  • ISIN: DE000A2PF045
  • Auflagedatum: 1. Oktober 2019
  • KVG: Hansainvest
  • Verwahrstelle: Kreissparkasse Köln
  • Verwaltungsvergütung: 0,97 Prozent

Vier starke Partner für kostengünstige Struktur

Im Portfolio werden dann alle Aktien gleichgewichtet und durch die Sektoren diversifiziert. Dadurch wird das Klumpenrisiko ausgeschaltet. Der Portfolio-Turnover liegt mit neun sehr hoch; 75 Prozent der Aktien werden monatlich ausgetauscht. Die durchschnittliche Haltedauer einer Aktie beträgt lediglich eineinhalb Monate.

„Wir sind sehr aktive Portfoliomanager. Deswegen blicken wir im Sinne unserer Kunden auch stark auf die Kosten, die durch das Trading entstehen. Mit unseren Partnern haben wir sehr gute Konditionen vereinbart und bewegen uns in einer Kostenhöhe wie große Hedgefonds. Das wirkt sich auf die Verwaltungsgebühr des Fonds aus, die als All-in Gebühr 0,97 Prozent beträgt. Darauf rechnen wir eine Performance-Gebühr von 20 Prozent; allerdings erst, wenn die Hurdle Rate von sechs Prozent erreicht wird“, sagt Muratovic. Die Partner der Boutique sind die Hansainvest, die Baader Bank, BN & Partner und die Kreissparkasse Köln.

Adidas oder Puma?

Von der Theorie in die Praxis: Welche konkreten Beispiele gibt es für saisonale Aktien? Zwei Unternehmen kommen aus der beschaulichen fränkischen Stadt Herzogenaurach, Adidas und Puma. „Bei Adidas ist der perfekte Kaufzeitpunkt am 7. März jedes Jahres. Verkaufen sollten Investoren Adidas dann am 3. Mai wieder (siehe Grafik unten). In den vergangenen 15 Jahren ist die Aktie von Adidas bis auf einmal in 2014 immer in diesem Zeitraum gestiegen; durchschnittlich um elf Prozent. Natürlich gibt es keine Garantie für eine Wiederholung aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieser Trend wiederholt ist groß“, sagt Muratovic.

Als zweites Beispiel nennt Muratovic den Sportartikelhersteller Puma. „Interessant ist, dass die Firma von Adi-Dassler-Bruder Rudolf Dassler offenbar ähnliche Produktionszyklen hat und eine ähnliche Saisonalität aufweist. Dort hat man fast 16 Prozent durchschnittlich bei einer Haltedauer vom 9. März bis zum 25. April erzielt. Einzig 2013 gab es Verluste in dieser Periode.“

Die saisonale Analyse der Adidas-Aktie basierend auf dem Analysetool der Seasonax Capital. Quelle: Seasonax Capital

Fokus auf die USA und Europa

Die Strategie des kürzlich gestarteten Seasonax Global Selection-Fonds fokussiert zunächst Blue Chips in den USA und Europa. Der Algorithmus lasse sich aber auf alle Märkte ausrollen, in denen ausreichend Aktien vorhanden sind, die sich saisonal analysieren lassen. „Um von saisonalen Mustern im Laufe eines Jahres zu profitieren, muss eine ausreichende Anzahl von statistisch aussagekräftigen Investitionsmöglichkeiten zu jedem Zeitpunkt gegeben sein. Diese können wir mit unseren Algorithmen klar identifizieren.“

Mit dem Seasonax Global Selection hat die Fonds-Boutique inzwischen ihre vierte Strategie an den Start gebracht. „Für die aufgelegte Tranche im Seasonax Global Selection wird es während der ersten Wochen exklusive Konditionen geben. Die Strategie bietet eine sehr gute Portfolio-Diversifikation und ist schon mehrmals ausgezeichnet worden. Der Fonds ist täglich handelbar, sehr liquide und ist im UCITS-Format“, sagt Muratovic.

Vom Analysetool zum konkreten Fonds. Der Seasonax Global Selection-Fonds ist zwar erst vor wenigen Tagen gestartet, will durch die Bündelung der wichtigsten saisonalen Trends im Verlauf eines Jahres allerdings große kumulative Profite und eine Outperformance für seine Anleger erzielen; und dadurch nicht nur eine Saison am Start sein, sondern langfristig am Fonds-Markt bestehen.

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