Der Private-Equity-Boom: Ein unendliches Wachstum?
Drei PE-Experten von Feri, Flossbach von Storch und Unigestion thematisieren den Boom einer Assetklasse, die gerade ein Rekordniveau erreicht hat. Geht das Wachstum weiter? Und welche Angebote schaffen Asset Manager für ihre Kunden?
Tim Habicht · 09/23/2019
  • PE-Kapital befindet sich auf einem Rekordniveau und hat sich seit Anfang 2000 mehr als verfünffacht
  • Fast 50 Prozent der Teilnehmer in einer von BlackRock durchgeführten Studie wollen ihr PE-Exposure stark oder leicht steigern
  • Fundraising und Preisgestaltung werden laut einem Unigestion-Experten in den kommenden Jahren aber nicht auf einem so hohen Niveau bleiben wie derzeit
  • Das Universum an attraktiven Zielunternehmen ist nicht im gleichen Maße mitgewachsen wie das sogenannte Dry Powder der Investoren
  • Asset Manager fokussieren kleine und mittelgroße Unternehmen und Fonds

Private Märkte spielen bereits jetzt in modernen Portfolios eine zentrale Rolle. Allein in Deutschland wurden in 2018 Private-Equity-Investitionen in Höhe von zehn Milliarden Euro getätigt. Der weltweite Marktanteil der Assetklasse liegt laut Daten von BlackRock bei 2,5 Prozent. Die Tendenz: Ganz klar steigend. Zumindest wenn man einer Studie von BlackRock zur Assetklasse Private Equity ernst nimmt.

Der weltweit größte Asset Manager prophezeit einen wahren Boom in Private Equity und entsprechend steigende Quoten bei den institutionellen Investoren weltweit. Eine Private-Markets-Alloktion von zehn bis 40 Prozent des Gesamt-Portfolios sieht BlackRock als ratsam an. Zum Vergleich: Bei deutschen institutionellen Investoren liegt diese Quote derzeit bei einem bis drei Prozent.

Insofern dürfte der Boom der Assetklasse Private Equity kein Strohfeuer, sondern nachhaltig sein. Dem pflichtet auch Sven Czermin, Director Private Equity bei FERI Trust, bei und sagt: „Wir sehen eine nachhaltige Entwicklung und einen sehr hohen Reifegrad der Anlageklasse. Das den Private-Equity-Managern zur Investition zur Verfügung stehende Kapital befindet sich aktuell auf einem Rekordniveau und hat sich seit Anfang 2000 mehr als verfünffacht.“ Auch Dennis Kaiser, Co-Leiter des Private-Equity-Teams von Flossbach von Storch, sieht einen langfristigen Trend in der Anlageklasse, deren Anlagevolumina seit den 1980er Jahren kontinuierlich gestiegen ist.

„Dieser Trend verdeutlicht die Nachfrage von Unternehmen nach privatem Eigenkapital sowie operativem Fachwissen als Grundvoraussetzung für weiteres Wachstum auf der einen Seite und die Nachfrage nach Anlageinvestition mit attraktiven Risiko-Rendite-Profilen von Investoren auf der anderen Seite. Gepaart mit einem Niedrigzinsumfeld, welches nach unserer Überzeugung auf absehbare Zeit bestehen wird, sehen wir keine Gründe, weshalb man nicht weiterhin von einem konstanten und nachhaltigen Wachstum der Anlageklasse ausgehen sollte“, sagt Kaiser. Ein unendliches Wachstum also im Private-Equity-Bereich?

Private-Equity-Häuser zahlen Rekord-Kaufpreise

In der BlackRock-Studie zum Thema Private Märkte gaben vier Prozent der befragten Investoren an, ihre Allokation in Private Equity signifikant zu steigern. 43 Prozent wollen ihr PE-Exposure leicht erhöhen. Nur elf Prozent wollen ihre Allokation in Private Equity reduzieren. Zum Vergleich: Über 50 Prozent der Investoren gaben an, ihr Akien-Exposure entweder leicht oder stark zu reduzieren (51 Prozent) und nur 14 Prozent wollen ihre Aktien-Allokation stark oder leicht erhöhen.

Paul Newsome, Head of Investment Solutions im Private-Equity-Team von Unigestion und Mitglied des Private Equity Investment Komitees des Asset Managers, ist dennoch etwas skeptisch: „Der Private Equity-Markt ist, wie jeder andere Markt, zyklisch. Einerseits zeigt sich das Private-Equity-Fundraising weiterhin robust mit weiter ansteigenden PE-Akquisitionsmultiplikatoren. Andererseits war die Investitionstätigkeit in diesem Jahr bisher geringer als im Vorjahr und auch die Zahl der Exits ist in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr gesunken.“ Newsome erwartet kurzfristig ein weiterhin stabiles und robustes Fundraising. „Dennoch erwarten wir derzeit nicht, dass Fundraising und Preisgestaltung auch in den kommenden Jahren auf einem so hohen Niveau bleiben werden.“

Sind das erste Anzeichen eines schwierigeren Umfelds für PE-Investoren? Schließlich sinken durch steigende Investitionszahlen auch die Opportunitäten für die Investoren. „Die Chancen liegen in den weiterhin attraktiven Rendite-Möglichkeiten, vor allem relativ zu anderen Anlageklassen. Die zentrale Herausforderung stellt sicherlich der Anstieg des Dry Powder dar, weil das Universum an attraktiven Zielunternehmen leider nicht im gleichen Maße mitgewachsen ist“, sagt Czermin von Feri.

Daher zahlen Private-Equity-Häuser Rekord-Kaufpreise (Multiples) auf aktuell sehr hohe EBITDA-Level. Entscheidend für zukünftige Erfolge sei es, Unternehmen operativ voranzubringen, was zu längeren Halteperioden führen werde. „Wenn wir heute in einen Private-Equity-Fonds investieren streben wir weiterhin zweistellige Renditen von 15 bis 20 Prozent pro Jahr an“, so Czermin.

Die Langfristigkeit der Assetklasse sieht auch Kaiser von Flossbach von Storch als zentrales Element in der Allokation: „Private Equity erfordert einen langfristigen Anlagehorizont und ist nicht geeignet, um kurzfristige Anlagelücken zu stopfen. Der Aufbau eines zeitlich, geografisch und strategisch diversifizierten Portfolios benötigt mehrere Jahre. Um ein nachhaltig erfolgreiches Private-Equity-Programm zu realisieren, muss eine Investmentstrategie gewählt werden, die den eignen Programmzielen in Bezug auf Risiko-, Rendite- und Cashflow-Profil entspricht.“


Die Welt in Assets: (Quelle: BlackRock-Studie)

  • Public Debt: 70 Billionen US-Dollar Assets, Marktanteil: 55,7 Prozent
  • Public Equity: 44,6 Billionen US-Dollar Assets, Marktanteil: 35,5 Prozent
  • Real Estate: 7 Billionen US-Dollar Assets, Marktanteil 5,5 Prozent
  • Private Equity: 3,1 Billionen US-Dollar Assets, Marktanteil: 2,5 Prozent
  • Infrastruktur und natürliche Ressourcen: 600 Milliarden US-Dollar Assets, Marktanteil: 0,5 Prozent
  • Private Debt: 400 Milliarden US-Dollar Assets, Marktanteil: 0,3 Prozent

Kleine Unternehmen und Fonds im Fokus

Aber wie stellt man in diesem Umfeld ein attraktives PE-Portfolio auf? „Es ist in diesem Umfeld wichtiger denn je, ein belastbares Portfolio von Private-Equity-Investitionen zu entwickeln, das aus Unternehmen besteht, deren Wachstum von langfristigen Trends bestimmt wird“, sagt Newsome. Ein solches Portfolio sollte nicht nur weniger mit der wirtschaftlichen Entwicklung und den Finanzmärkten korreliert sein. Es sollte auch weniger anfällig für Liquiditätsprobleme sein, da es während einer Marktkorrektur nur wenig Exitmöglichkeiten gibt.

Kaiser ergänzt: „Zudem sind ausreichende Ressourcen, ein gutes Maß an Erfahrung sowie ein belastbares Netzwerk nötig, um Zugang zu attraktiven Investmentopportunitäten sowie eine gründliche Prüfung der Investments zu gewährleisten. Sind diese Voraussetzungen gegeben, bietet die Anlageklasse ein attraktives Risiko-Rendite-Profil.“ Flossbach von Storch bietet seinen Investoren Zugang zur Anlageklasse Private Equity über die Private-Equity-Dachfondsreihe Tectum Private Equity sowie für größere Investoren über individuelle Investmentlösungen. Der Investitionsfokus liegt dabei auf Zielfonds im kleinen und mittleren Marktsegment, die eine aktive Wertschöpfung verfolgen. Primär wird in Europa und Nordamerika investiert.

FERI hat ebenfalls einen Schwerpunkt auf kleine und mittelgroße Unternehmen in Europa. Entscheidend hierbei sei es, Zugang zu sehr guten Managern zu bekommen, da erfolgreiche Private-Equity-Häuser mehrfach überzeichnet seien und sich ihre Investorenbasis aussuchen können. „Zusätzlich sehen wir auf der institutionellen Seite eine steigende Nachfrage nach Fonds der ersten oder zweiten Generation, sogenannte Rising Manager. Hierbei handelt es sich um erfolgreiche Teams, die sich von einem etablierten Manager abspalten, um ihren eigenen Fonds aufzulegen. Historisch konnten wir hier aufgrund der Fokussierung und besseren Anreizmechanismen Überrenditen bei diesen Managern beobachten. Daher fokussieren wir uns in der Allokation für unsere Kunden aktuell auf diesen Bereich“, sagt Czermin.

Zugang zu Portfolios aus kleinen und mittleren Unternehmen weltweit durch Primaries, Secondaries und Directs/Coinvestments liefert Unigestion seinen Invetoren. „Wir glauben, dass es an diesem Ende des Marktes ein riesiges Universum an ungenutzten Anlagemöglichkeiten gibt. Mit Investitionen von über elf Milliarden US-Dollar in über 500 Transaktionen seit Anfang der 90er Jahre sind wir einer der führenden Anbieter in diesem Markt.“ Ein Markt, der zweifelsfrei weiterhin attraktive Möglichkeiten für Investoren liefert. Aber der Konkurrenzkampf im Private-Equity-Bereich wird in den kommenden Jahren zweifelsfrei größer.

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