Mandarine-Gründer Marc Renaud: „Wir schauen uns nach Zukäufen um“
Der Gründer der französischen Boutique Mandarine Gestion will seine bestehende Palette durch gezielte Zukäufe erweitern.
Tim Habicht · 09/26/2019

Um seine bestehende Palette zu erweitern und als Unternehmen insgesamt zu wachsen, ist Marc Renaud, Gründer der französischen Boutique Mandarine Gestion, derzeit auf der Suche nach passenden Zukäufen innerhalb der Branche. Die Fonds-Palette der Boutique soll durch Zukäufe von Asset Managern oder spezialisierten Teams erweitert werden.

„Als Asset Manager und vor allem als Boutique muss man sich in diesem Umfeld schlank und profitabel positionieren. Außerdem macht eine fokussierte aber dennoch diversifizierte Fonds-Palette Sinn. Da es allerdings nicht authentisch wäre, wenn ich als Value-Manager plötzlich einen Growth-Fonds verwalte, schauen wir uns nach möglichen Zukäufen innerhalb der Branche um“, erklärt Renaud im Gespräch mit Fundview auf der International Investment Conference des Unternehmens in München.

Weil die vergangenen rund 18 Monate sehr hart für viele Asset Manager und Boutiquen waren, würden einige Boutiquen ihr Geschäft einstellen und sich einem größeren Asset Manager oder einer größeren Boutique anschließen möchten. Insgesamt würden Fusionen und Zukäufe innerhalb der Asset-Management-Industrie die Treiber der kommenden Wachstumsphase werden.

Für Renaud spielen allerdings einige Kriterien eine zentrale Rolle bei möglichen Übernahmen: „Fusionen und Zukäufe sind immer ein heikles Thema. Denn man kauft natürlich nicht einfach direkt die Assets, sondern muss auch damit rechnen, dass bestehende Kunden den neuen Weg nicht mitgehen. Deswegen seien Zukäufe immer ein mitunter gefährliches Spiel. Aus Renauds Sicht mache es dabei keinen Sinn beispielsweise eine ähnliche Boutique mit ähnlichen Kunden in Frankreich zu übernehmen. „Entweder muss sich durch einen Zukauf ein neuer Markt erschließen, unsere Expertise muss insgesamt erweitert werden oder wir erhalten besseren Zugriff auf eine neue Kundengruppe“, so Renaud.

Zwei große Herausforderungen

Aktuell hat Mandarine Gestion rund drei Milliarden Euro Assets under Management, 30 Prozent dieser Assets werden außerhalb von Frankreich investiert. Durch mögliche Zukäufe soll das Wachstum des Unternehmens in mitunter schwierigen Zeiten vorangetrieben werden. Denn in den vergangenen 18 Monaten war es nicht leicht als Boutique mit europäischen Aktienfonds Geld einzusammeln wie Renaud zugibt: „Die vergangenen 18 Monate waren für Manager von europäischen Aktien fast schon ein Alptraum. Viele große Investoren sind aufgrund der Brexit-Thematik und anderen Problemen in Europa – teilweise zurecht – skeptisch gegenüber europäischen Aktien gewesen. Das war einer der großen Herausforderungen für uns als Fonds-Boutique.“

Aber nicht nur das schwierige Marktumfeld war eine große Herausforderung für Renaud und sein Unternehmen. Zwei weitere Aspekte spielen ebenfalls eine große Rolle: ETFs und Private Equity. „Als Asset Manager darf man sich nicht mit ETFs messen, sondern muss aktiv abseits der Benchmark investieren. Sonst hat man als aktiver Asset Manager zum einen keine Berechtigung im Markt und zum anderen kann man sich nicht von passiven Strategien abheben“, sagt Renaud.

Trotzdem seien viele Gelder auch von sehr aktiven Gesellschaften in passive Produkte geflossen. Von diesem Trend könne man sich nur durch einen sehr aktiven Ansatz befreien. Die Herausforderung durch Private-Equity-Investments komme hingegen dadurch, dass Investoren oftmals Risiko mit Volatilität gleichsetzen. „Aber das ist falsch, wenn man mit einem langfristigen Ansatz investiert. Dennoch fließen extrem viele Gelder in vermeintlich schwankungsarmere PE-Fonds, weil dort die Volatilität nicht unmittelbar sichtbar ist.“

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