Eckhard Sauren baut eigenes ESG-Scoring in Dachfonds ein
Das Kölner Unternehmen implementiert ein eigenes ESG-Scoring in die Fonds-Palette. Auch die Fonds-Prospekte werden im Zuge dessen angepasst.
Tim Habicht · 09/12/2019

Der Kölner Asset Manager Sauren passt seine bestehende Fonds-Palette an und baut ein eigenes ESG-Scoring in den Investmentprozess ein. Das Sauren ESG-Scoring ist inzwischen fester Bestandteil der Fondsmanageranalyse und wird bei allen Managern umgesetzt, bei denen Sauren investiert ist. Zentral beim Sauren ESG-Scoring ist der qualitative Ansatz.

Michael Viehmann, Vorstandsmitglied bei Sauren, erklärt im exklusiven Gespräch mit Fundview: „Zur Umsetzung und Implementierung des Sauren ESG-Scorings wurden in den vergangenen Monaten intensive Gespräche mit vielen Fondsmanagern geführt. Im Rahmen dieser qualitativen Gespräche bewerten wir verschiedene Kriterien und fügen diese für die Bausteine E, S und G zusammen. Daraus resultieren drei unterschiedliche Bewertungen für die jeweiligen Bausteine.”

Das Sauren-Team habe in den vergangenen Monaten rund 100 Fondsmanager, ihre Investmentprozesse und Portfolios analysiert und im Rahmen des Sauren ESG-Scorings bewertet. Dabei werden die Entscheidungs- und Investmentprozesse der Fondsmanager in den Mittelpunkt der Analyse gestellt. Diese werden danach bewertet, welche Bedeutung Nachhaltigkeitsaspekte beim Management des jeweiligen Portfolios einnehmen.

Prospektanpassung: Fonds werden nicht zu ESG-Fonds umbenannt

Über das Sauren ESG-Scoring soll in einem ersten Schritt das Thema nachhaltiges Investieren im Dachfondsmanagement integriert werden. „Durch Transparenz und hoffentlich Nachvollziehbarkeit wollen wir Investoren von der Sinnhaftigkeit unserer Herangehensweise überzeugen. In erster Linie ist wichtig, was man tut und nicht, welchen Namen man sich verpasst. Dafür haben wir beispielsweise den gesamten Sauren ESG-Prozess auf unserer Website dargestellt und erläutert, wie wir vorgehen”, sagt Viehmann.

Aber wäre es nicht leichter externes Research einzukaufen und dieses für die ESG-Beurteilung der Fonds zu nutzen? Viehmann widerspricht eindeutig: „Aktuell herrscht in einer noch entstehenden ESG-Industrie Unklarheit über zum einen die Definition von ESG und zum anderen die unterschiedlichen Ergebnisse des ESG-Research. Deswegen haben wir uns dazu entschlossen, unser eigenes ESG-Scoring umzusetzen und dieses komplett in unsere bestehende Fonds-Palette zu integrieren.”

Zum 14. Oktober 2019 werden die Verkaufsprospekte angepasst und die Fonds entsprechend mit dem neuen ESG-Scoring aufgestellt. Vor allem bei den drei Sauren Focus Fonds (Sauren Global Defensiv Focus, Sauren Global Balanced Focus und Sauren Select Global Growth Focus) hat das Thema Nachhaltigkeit eine erhöhte Bedeutung. Bei diesen Fonds ist das Sauren ESG-Scoring ein bedeutendes Kriterium bei der Auswahl der Fonds. Zielfonds, die ein zu negatives Scoring in einem Teilbereich E, S oder G haben, werden von der Investition in den Sauren Focus Fonds ausgeschlossen.

„Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt bewusst darauf verzichtet, die Focus Fonds, in denen die Ergebnisse des Sauren ESG-Scorings verstärkt einfließen, zusätzlich als ESG-Fonds zu bezeichnen, auch wenn wir das mit Blick auf viele andere Produktangebote am Markt möglicherweise hätten tun können”, so Viehmann. Die Begriffe ESG und Impact Investing würden insgesamt so inflationär benutzt, dass sie dem Anleger heute keine Entscheidungshilfe mehr bieten würden. Viehmann erklärt: „Eine ganze Reihe dieser Fonds halten offensichtlich nicht immer das Produktversprechen, wenn man die Berichterstattung in den einschlägigen Medien verfolgt oder sich die Mühe macht, hinter die Marketingfassade zu schauen.”

Ein konkretes Fonds-Beispiel

Viehmann gibt ein konkretes positives Investment-Beispiel und nennt Martin Lau von First State. Er ist Stockpicker und langfristig orientierter Fondsmanager und investiert mit seinen Aktienfonds in asiatische Unternehmen.

„Bei vielen seiner Portfoliounternehmen geht er sehr aktiv auf das Firmen-Management zu, sei es über persönliche Treffen, Telefonate oder Briefe, und versucht aktiv positive Veränderungen anzustoßen. Dies schafft aus unserer Sicht langfristig Mehrwert, da es die finanziellen Risiken aus möglichen ESG-Problemen reduziert und die Unternehmen wettbewerbsfähiger machen kann”, sagt Viehmann.

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