Hessischer Vermögensverwalter kritisiert ESG-Industrie
Teilweise hätten Asset Manager nur aus Marketinggesichtspunkten ihre Fonds-Palette umgebaut oder erweitert.
Tim Habicht · 09/09/2019

Der hessische Vermögensverwalter Frank Huttel, Leiter Portfoliomanagement von FiNet Asset Management und mitverantwortlich für Vividam, die digitale Vermögensverwaltung der FiNet, kritisiert die bestehende ESG-Industrie und Asset Manager, die nachhaltige Investments nur aus Marketinggesichtspunkten anbieten.

„Die Industrie ist, wie man aktuell sieht, wie immer kreativ und fleißig in der Auflage oder Umwidmung von Fonds. Ob aktiv oder passiv spielt hier keine Rolle. Die Frage ist, wer macht es aus Überzeugung und wer nur aus Marketinggesichtspunkten oder weil er muss“, sagt Huttel im Gespräch mit Fundview.

Bei einigen Anbietern sei Huttel skeptisch. Diese hätten noch vor ein oder zwei Jahren über das Thema gelacht. ESG werde allerdings durch den EU-Actionplan und die nächste Revision der MiFID II mehr oder weniger verpflichtend werden. Bei den Research-Anbietern werde es sich im Rahmen dessen leider auf wenige große Anbieter wie MSCI ESG, Morningstar oder ISS konzentrieren.

Huttel erklärt: „Wir wissen, dass dies nicht immer gut ist. Ratings, die darauf basieren, können einen Anhaltspunkt geben, aber der Anleger muss immer noch überprüfen, ob es zu seinen Werten, Wünschen und Zielen passt. Es gibt leider nicht die eine Nachhaltigkeit. Daher ist Fortbildung und Wissensvermittlung bei Nachhaltigkeit in Verbindung mit der Geldanlage wichtiger denn je. Ohne Investitionen in zukunftsträchtige Branchen werden wir die 17 UN SDGs nicht erreichen. Und da ist das Klima nur ein Teil!“

Den Finger in die Wunde legen

Eine ESG-Industrie, die den sogenannten best-in-class-Ansatz verfolge, würde dies nicht aus voller Überzeugung machen. „Wer braucht schon den besten Ölwert im Portfolio! Diesen Ansatz darf man als wirklich nachhaltiger Investor nur sehr eingeschränkt verfolgen. Wenn überhaupt, dann muss man als aktiver Investor Engagement betreiben“, so Huttel. Das bedeute beispielsweise auf Hauptversammlungen der Unternehmen teilnehmen und den Finger in die Wunde legen sowie Druck auf das Management ausüben.

Bei der FiNet aus Marburg ist das Thema nachhaltige Vermögensverwaltung bereits seit 2013 etabliert. In den vergangenen zwei bis drei Jahren wird das Thema auch immer stärker von den Beratern nachgefragt. „Deswegen haben wir uns dazu entschieden, den ursprünglich analogen Ansatz zu digitalisieren und für eine breitere Kundschaft zu öffnen. So ist Vividam entstanden. Wir sind also kein Fintech oder Start-Up, sondern ein traditioneller Vermögensverwalter mit entsprechender BaFin-Lizenz.”

Vividam bietet verschiedene Strategien an. Diese fahren je nach Risiko eine Aktienquote von 30, 50, 70 und seit 1. Juli 2019 auch 100 Prozent. Das Unternehmen wolle aber mit Vividam schon jetzt einen Schritt weiter gehen und einen positiven Impact erzielen. „Daher orientieren wir uns an den 17 UN-Nachhaltigkeitszielen - den SDGs. Nicht nur deswegen fokussieren wir uns auf Boutiquen-Fonds, die darauf spezialisiert sind und das Thema Nachhaltigkeit wie wir mit fester Überzeugung voranbringen und nicht als Modetrend ansehen. Hier sehe ich momentan in der Industrie die Gefahr des Greenwashing.“

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