Wie eine Wiener Boutique ihren Wandelanleihe-Fonds aufstellt
Der Fonds feiert sein zweijähriges Jubiläum und findet Wandelanleihe-Perlen abseits der Benchmark.
Tim Habicht · 11/25/2019

Die Wiener Boutique Convex Experts feiert das zweijährige Bestehen ihres Wandelanleihe-Fonds ART Top 50 Convertibles UI. Inklusive der nachhaltigen Variante der Top 50 Strategie (dem ART Top 50 Smart ESG Convertibles UI) liegt das verwaltete Volumen der Boutique zum jetzigen Zeitpunkt bei über 130 Millionen Euro. Aber wie stellt das Wiener Haus, das gegen den Trend ihr bisheriges Haftungsdach der BN & Partners verlassen hat und mit einer eigenen Lizenz an den Start gegangen ist, seinen Wandelanleihe-Fonds auf?

Nils Lesser, neben Bernhard Birawe und Paul Hoffmann Geschäftsführer und Gründer der Boutique, erklärt: „Ziel war, auf Basis unserer langjährigen Erfahrung im Management von Wandelanleihefonds eine Strategie zu konzipieren und anzubieten, die für den institutionellen Investor das bestmögliche Chance-/Risikoprofil der Assetklasse bietet. Wichtige Eckpfeiler waren bei Auflage benchmarkfrei mit Fokus auf die marktneutralen Werttreiber der Assetklasse zu allokieren, alle Ratingklassen mit Ausnahme Titel schlechter als B- zu beachten, breit global und ausgewogen statt regional konzentriert zu sein und kein Markttiming in Form von aktiver Deltasteuerung umzusetzen.”

Allen voran die benchmarkfreie Allokation sei zentral für das Trio. „Wir sehen, dass Mitbewerber und Investoren einer kleiner werdenden Anzahl von Indizes hinterherlaufen. Aus unserer Sicht gibt es mittlerweile nur noch zwei ernstzunehmende Indexanbieter im Bereich Wandelanleihen. Die Folge ist klar. Viele Investoren laufen denselben Papieren hinterher, aus dem einzigen Motiv der Indexzugehörigkeit”, so Lesser. Das sei Convex Experts als aktiver Manager viel zu wenig.

Wenig überraschend würden immer wieder Negativ-Beispiele wie Steinhoff und Wirecard auftauchen, deren schwache Performance die Indizes belastet und den Blick auf die wahren Perlen und deren marktneutrale Werttreiber verstelle. „Als letztere bezeichnen wir insbesondere Performancetreiber, die sich erst aus der Prospektanalyse ergeben, wie zum Beispiel Übernahmeschutzklauseln. Diese verbessern im Falle einer Übernahme das oftmals ohnehin überlegene Chance-Risikoprofil der Wandelanleihe im Vergleich zur Aktie.”

Global diversifizieren

Ein aktuelles Beispiel einer Szenariorechnung für einen (noch) unbestätigten Übernahmeversuch zeigt sich bei der deutschen Qiagen, einem Anbieter von Probenvorbereitungs- und Testtechnologien für die molekulare Diagnostik, akademische Forschung, pharmazeutische Industrie und angewandte Testverfahren. Lesser erklärt: „Im Falle einer mehrheitlichen Übernahme würde sich die Partizipation am steigenden Aktienkurs von 44% auf 52% erhöhen. Die ohnehin sehr niedrige Partizipation an einem fallenden Aktienkurs von lediglich 10% bliebe unverändert.”

Wandelanleihen seien noch immer eine Nische mit rund 1.000 Emissionen weltweit. Eine Konzentration auf eine Teilregion, wie zum Beispiel auf Europa schränke das Universum deswegen unnötig ein und führe über Zeit zu einer strukturell schlechteren Performance, auch in den letzten zwei Jahren sei dies der Fall gewesen.

Daneben führte die starke Outperformance der USA in den vergangenen Monaten dazu, dass in gängigen globalen Indizes und Fonds der Anteil der USA markant (bezogen auf die Aktiensensitivität gerne auch einmal auf über 70 Prozent) angestiegen ist. „Dies führt dazu, dass so mancher globaler Wandelanleihefonds mittlerweile kaum mehr die Bezeichnung global diversifiziert verdient”, kritisiert Lesser.

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