Diskussion: Wo steht die Vermögensverwalter-Branche in zehn Jahren?
Sechs Teilnehmer diskutieren beim 6. Deutschen Vermögensverwaltertag über die Zukunft der Branche. Kostendruck und Digitalisierung werden thematisiert. Aber auch ein BaFin-Vertreter stellt sich der Regulierungs-Kritik.
Tim Habicht · 11/22/2019

Digitale Disruption, Kostendruck durch günstige Robo-Advisor oder die steigende Regulierung. Die Branche der Vermögensverwalter hat es aktuell sicher nicht leicht. Andererseits können unabhängige Vermögensverwalter durch die Krise bei Groß- und Privatbanken profitieren. Aber wo steht die Vermögensverwalterbranche in zehn Jahren?

Das haben beim 6. Deutschen Vermögensverwaltertag des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter die folgenden sechs Teilnehmer diskutiert: Thomas Acker von Spiekermann & CO, Torben Bock von der Kruse & Bock Vermögensverwaltung, Mechthild Upgang von der Dr. Upgang Vermögensverwaltung, Chris Bartz von Elinvar, Klemens Skibicki, Wirtschaftshistoriker und Professor für Marketing und Marktforschung, und Günter Birnbaum, Abteilungsleiter der BaFin.


Thomas Acker: Natürlich wird es auch in zehn Jahren noch unabhängige Vermögensverwalter geben. Aber ob das alle sind, die auch jetzt am Markt sind, das ist fraglich. Wir befinden uns in einer Zeitenwende. Der Zins ist abgeschafft und der Kundenstrom von Banken hin zu Vermögensverwaltern ist im Rahmen dessen alternativlos. Allerdings müssen unabhängige Vermögensverwalter auch die Digitalisierung nutzen und ihre Mitarbeiter dadurch entlasten. Diese müssen sich nämlich komplett auf die Beratung der Kunden konzentrieren können und sich nicht um das Middle oder Back Office kümmern. Deswegen hängt die Größe der Vermögensverwalter auch mit der Frage nach der Zukunft der Vermögensverwalter zusammen. Aufgrund der steigenden Regulierung und den immer komplexer werdenden Aufgaben für Vermögensverwalter werden kleine Vermögensverwalter leider keine Chance mehr haben...

Torben Bock: Wir sind einer dieser kleinen Vermögensverwalter. Als Reaktion auf den beschriebenen Wandel haben wir im Jahr 2018 einen Robo-Advisor gestartet und gehen bewusst den digitalen Weg. Es ist wichtig, Prozesse zu optimieren und die Wertschöpfungskette zu digitalisieren. Auch in zehn Jahren werden kleine Vermögensverwalter bestehen und eine Berechtigung haben. Allerdings müssen sich kleine Unternehmen sehr schlagfertig und flexibel aufstellen.

Mechthild Upgang: Die Spezialisierung ist auch ein Weg für kleine Vermögensverwalter. Wir dürfen uns nicht über die Regulierung beklagen, sondern müssen alles daransetzen, die Regulierung einwandfrei umzusetzen. Danach ist es aber für uns als Vermögensverwalter zentral, unsere Kundinnen und Kunden an die Hand zu nehmen. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Die Digitalisierung ermöglicht es uns, Aufgaben abgeben zu können. Outsourcing ist hier das Stichwort von dem vor allem kleine Vermögensverwalter profitieren können. Wir müssen nicht alles für jeden anbieten, sondern müssen uns gezielt unsere Kunden aussuchen und dort einen Mehrwert liefern.

Alle Teilnehmer des Panels beim 6. Deutschen Vermögensverwaltertag des VuV auf einen Blick.

Klemens Skibicki: Vieles von dem bereits Gesagten ist richtig. Kritisch wird es für viele Vermögensverwalter aber, wenn ich aus Kundensicht erwarte, dass die digitalen Prozesse bei Vermögensverwaltern state of the art sind. Ich erwarte auch von Vermögensverwaltern, dass die digitalen Prozesse wie bei Google und Co. laufen. Dafür habe ich mich als Kunde schon zu stark an diese Unternehmen gewöhnt. Für Vermögensverwalter wird es außerdem wichtig, auch in sozialen Medien stärker aufzutreten. Denn Vermögensverwalter haben eine herausragende Expertise, diese muss aber auch kundgetan werden. Gehen Sie als Vermögensverwalter auf digitale Gartenparties und zeigen Sie Ihre Expertise! Die Frage ist schon lange nicht mehr ob Twitter und Facebook nötig sind. Dieser Paradigmenwechsel hat bereits stattgefunden und Vermögensverwalter müssen auch dort als Experten auftreten und Kunden gewinnen. Egal auf welcher Plattform.

Chris Bartz: Vertrauen ist ein entscheidender Faktor. Digitalisierung darf nicht nur als eine schöne Benutzeroberfläche im Front End gedacht werden, sondern muss komplett im Unternehmen integriert sein. Mensch und Maschine müssen sich sinnvoll ergänzen. Dafür ist die Infrastruktur entscheidend. Als Hilfe für Vermögensverwalter kann hier mit bestehenden Plattformen und Experten zusammengearbeitet werden. Wenn diese zudem eine KWG-Lizenz haben, ist man auch im Hinblick auf die Regulierung bestens aufgestellt.

Stichwort Regulierung: Wird die Branche der Vermögensverwalter überreguliert? Schließlich waren es doch nicht die Vermögensverwalter, die für den Ausbruch der vergangenen großen Finanzkrise gesorgt haben. Dennoch scheint es, als würden vor allem Vermögensverwalter unter der Regulierung leiden. Ist das noch verhältnismäßig?

Günter Birnbaum: Die Regulierung ist kein Selbstzweck! Wir haben immer noch den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit...

Die Zuschauer reagierten skeptisch.

Birnbaum: Same business, same rules. Es ist nicht von der Regulierung gewollt oder geplant, dass kleine Vermögensverwalter aufgeben müssen. Aber natürlich sind die Mindestgrößen gestiegen. Das führt wiederum zu Fusionen innerhalb der Branche. Dennoch ist die Transparenz der Kosten und die Ex-ante-Kosteninformation ein großer Fortschritt für die Kunden.

Günter Birnbaum, Abteilungsleiter BaFin, Wertpapieraufsicht / Asset Management / Finanzdienstleistungsinstitute, stellt sich den kritischen Fragen der Panel-Teilnehmer und des Publikums.

Acker: Natürlich muss die Branche reguliert sein. Allerdings haben wir bei der Spiekermann & Co beispielsweise bereits eine organisatorische Struktur wie eine mittelgroße Sparkasse. Und das ist leider aufgrund der Regulierung auch nötig. Da ist zweifelsfrei der Unmut vor allem bei den kleineren Vermögensverwaltern groß. Denn sind diese wirklich systemrelevant?

Birnbaum: Nehmen wir einmal das Beispiel der Zielmarktdefinition. Jeder Autobauer baut sein Auto mit einem Zielmarkt. Finanzinstitute mussten bisher nie einen Zielmarkt definieren...

Zwischenruf eines Teilnehmers: Wo gab es denn jemals eine schriftliche Zielmarktdefinition bei Autobauern?

Skibicki: Sowohl die Regulierung als auch Vermögensverwalter müssen letzten Endes zielführend denken. Die digitale Welt bringt eine gewisse Transparenz und sollte den Unternehmen entsprechend mehr Luft zum Atmen geben. Die zentrale Frage bezüglich der Regulierung ist: Wie sinnvoll ist diese, wenn durch die Regulierung kein Vermögensverwalter einen einzigen Kunden mehr gewinnt?

Bartz: Vermögensverwalter, die Chancen nutzen wollen, müssen ihre Teamstrukturen neu denken und entsprechend ausrichten. Zusätzlich müssen operative Risiken wie Excel in Kernprozessen gestrichen werden. Wer in fünf Jahren noch Excel nutzt, wird dafür vermutlich sogar bestraft. Auf der anderen Seite müssen Vorteile durch Kooperationen genutzt werden. Dann ist die Vermögensverwaltungsbranche auch in zehn Jahren sehr gut aufgestellt.

Teilen Sie diesen Artikel:
Meistgelesen

Auf dieser Webseite werden Nutzungsdaten durch uns und eingebundene Dritte erfasst und ausgewertet, u.a. mittels Cookies. Weitere Informationen – auch zu den Möglichkeiten diese Verarbeitung zu unterbinden - finden Sie HIER.