VuV-Vorstand Andreas Grünewald im großen Exklusiv-Interview
Warum sich die Vermögensverwalter-Branche auf Fusionen einstellen muss, insgesamt in größeren Einheiten denken sollte und wie der VuV helfen will, erklärt VuV-Vorstand Andreas Grünewald.
Tim Habicht · 11/22/2019
  • Die Branche der Vermögensverwalter ist eine Wachstumsbranche, die von wenigen großen Unternehmen vorangetrieben wird. Insgesamt sind die Mittelzuflüsse bei unabhängigen Vermögensverwaltern eher moderat
  • Vermögensverwalter müssen insgesamt in größeren Einheiten denken
  • Es gilt durch Wachstum, Standardisierung und Digitalisierung die Kostenquote im Griff zu behalten
  • Die Überalterung und die Suche nach passendem Nachwuchs sind Kernaufgaben für unabhängige Vermögensverwalter
  • Der Verband unabhängiger Vermögensverwalter will mit verschiedenen neuen Plattformen, einem Ausbau seines eigenen Teams und weiteren Veranstaltungen helfen

Wie ist der Status Quo in der Branche der unabhängigen Vermögensverwalter und beim Verband unabhängiger Vermögensverwalter?

Zunächst einmal ist das große, wichtige und mitunter schwerfällige Thema MiFID II durch die Vermögensverwalter - auch aufgrund der Unterstützung des Verbandes - weitestgehend bewältigt worden. Hier war die Unterstützung des Verbandes zentral, denn das typische Mitgliedsunternehmen des VuV konnte das MiFID-II-Thema aufgrund seiner Strukturen oftmals nicht alleine bewältigen. Ein Unternehmen, das 50 bis 400 Millionen Euro Assets under Management und fünf bis 20 angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat, tut sich schwer damit, den Wust an nationalen und internationalen Vorschriften vollumfänglich umzusetzen sowie zusätzliches Personal für Compliance, Innenrevision, Geldwäscheprävention, Datenschutz, Risikocontrolling und so weiter einzustellen. Eine Nachbesserung ist hier dringend geboten. Wir müssen gegenüber Politik und Aufsicht klar und deutlich die Themen Proportionalität und Subsidiarität adressieren!

Dennoch ist die Branche der unabhängigen Vermögensverwalter eine Wachstumsbranche, oder?

Das stimmt grundsätzlich! Dies ist auch an den Zahlen innerhalb des VuV ersichtlich. Wir haben aktuell knapp 300 Mitglieder und spüren weiteres Wachstum im Verband. Innerhalb der Branche stellen wir allerdings fest, dass allen voran ein Wachstum bei den verwalteten Assets, nicht jedoch bei der Anzahl der unabhängigen Vermögensverwaltungen, stattfindet. Die Volumina nehmen zu, das stimmt. Allerdings wird dieses Wachstum vor allem durch einige wenige große Vermögensverwalter getrieben - und nicht zuletzt durch die starken vergangenen Börsenjahre unterstützt. Insgesamt sind die Mittelzuflüsse bei unabhängigen Vermögensverwaltern eher moderat.

Wird dieser Trend Auswirkungen auf die Branche haben?

Durchaus. Die Anzahl der unabhängigen Vermögensverwalter mit einer 32er-KWG-Lizenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bleibt weitestgehend stabil. Jährlich scheiden zehn bis 15 Gesellschaften aus und zehn bis 15 Gesellschaften sind neu am Markt. Wir stellen allerdings fest, dass die Gesellschaften, die neu an den Start gehen oftmals direkt mit größeren Teams gestartet werden. Zudem entstehen durch Übernahmen und Fusionen größere Unternehmen. Vermögensverwalter müssen insgesamt in größeren Einheiten denken.

Andreas Grünewald beim Exklusiv-Interview mit Fundview im Rahmen des 6. Deutschen Vermögensverwaltertages: „Die Nachwuchs-Problematik innerhalb der Branche ist zweifelsfrei groß und allgegenwärtig.“

Was müssen unabhängige Vermögensverwalter konkret in der Zukunft beachten?

In Anbetracht des steigenden Aufwandes gilt es durch Wachstum, Standardisierung und Digitalisierung die Kostenquote im Griff zu behalten. Im Vergleich zu vor wenigen Jahren bedarf es heute einer eher doppelt so starken Mindest-Unternehmensgröße und somit entsprechend auch deutlich höherer Mindestumsätze als früher. Für die regulatorisch geforderte Organisationsstruktur sind zumindest mittelfristig jährliche Erträge von gut einer Million Euro notwendig.

Welche Rolle spielt die Überalterung der Branche im Hinblick auf die zukünftige Aufstellung von unabhängigen Vermögensverwaltern?

Eine große. Der Generationenwechsel ist ein zentraler Punkt für unabhängige Vermögensverwalter in den kommenden Jahren. Dabei wird die Frage nach dem Generationenwechsel von vielen Vermögensverwaltern vor sich hergeschoben. Das Thema geht leicht im anspruchsvollen Tagesgeschäft unter und wird oft immer weiter verschoben. Es ist aber sehr wichtig, sich mit dem Generationenwechsel frühzeitig zu beschäftigen. Auch deswegen haben wir in diesem Jahr die VuV-Generationenplattform für alle zugänglich gemacht. Die Plattform dient dazu, dass Erwerber und Veräußerer von Vermögensverwaltungsunternehmen ihr jeweiliges Interesse gezielt bewerben und zueinander finden können.

Vielleicht wollen viele Vermögensverwalter aber auch mit ihren Kunden in Rente gehen und das Unternehmen auslaufen lassen?

Eine BaFin-lizenzierte Vermögensverwaltung ist ein wertvolles Gut und der Kundenstamm sowie die oftmals sehr langfristigen und vertrauensvollen Mandantenbeziehungen erst recht. Diese sollten die Gründer und Eigentümer nicht verstreichen oder auslaufen lassen. Und natürlich wünschen sich die Mandanten auch im Ruhestand ihre vertraute Vermögensverwaltung weiter an ihrer Seite. Deswegen ist es wichtig, bezüglich der Nachfolge nicht in Eile, sondern sehr bedacht zu handeln. Klar ist aber auch, dass es durch die gestiegenen Anforderungen nicht so einfach wie früher ist, einen passenden Nachfolger für sein Unternehmen aus dem Kreise der Familie, der Belegschaft oder extern zu finden. Die heute notwendige sehr breite Qualifizierung rund um Regulierung, Portfoliomanagement und Kundenbetreuung sowie das natürlich beschränkte Budget kleinerer Familienunternehmen engt den Kreis der potentiellen Kandidaten markant ein.

Wie schwierig ist es aktuell fähigen Nachwuchs für die Vermögensverwaltung zu finden?

Die Nachwuchs-Problematik innerhalb der Branche ist zweifelsfrei groß und allgegenwärtig. Die Gründe sind sehr ähnlich zu der eben betrachteten Nachfolgethematik: Für den Beruf des Vermögensverwalters ist die fachliche Eignung wichtig – und diese fokussiert sich nicht nur auf das Portfoliomanagement, sondern erfordert auch Verständnis für die Regulierung und die Affinität im Umgang mit den Kunden. Dazu muss der mögliche Kandidat auch bezahlbar sein... Die Anforderungen sind also hoch. Das Gesamtpaket ist anspruchsvoll. Für uns als Verband ist die Personal-Problematik ein wichtiges Thema. Deswegen haben wir ein Karriereportal gestartet, auf dem Vermögensverwalter offene Stellen ausschreiben und gezielt Nachwuchs oder erfahrenes Personal suchen können. Zudem gibt es eine neue Verbandsbroschüre, die die Karrierewege in der Vermögensverwaltung und Berufsbilder beschreibt.

Gibt es für Vermögensverwalter nicht aktuell eine große Chance, sowohl beim Personal als auch bei den Kunden, von der Krise der Banken zu profitieren?

Eigentlich schon. Aber die Banken-Kunden sind trotz zahlreicher Skandale sowie großer Strukturprobleme und häufigem Beraterwechsel bei den Häusern immer noch treu. Es liegt aber sicher auch daran, dass unabhängige Vermögensverwalter insgesamt und somit deren Honorarmodell versus dem oftmals provisionsgetriebenen Produktverkauf der Banken noch zu unbekannt bei den Kunden sind. Ein großes Thema für uns als Verband ist es entsprechend, unabhängige Vermögensverwalter bekannter zu machen. Es ist sehr wichtig, dass wir der Branche in den Regionen ein Gesicht geben. Dafür planen wir in den kommenden Jahren mehrere Veranstaltungen.

Die Regulierung handelbar zu gestalten, der Generationen-Wechsel, die Nachwuchs-Problematik und die Bekanntheit der Vermögensverwaltungs-Branche steigern: Das sind ganz schön dicke Bretter, die Sie zu bohren haben?

Das stimmt – ist leider aber noch nicht alles. Denken Sie nur an Themen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit oder Förderung der ökonomischen (Schul-)Bildung und Verbesserung der Rahmenbedingungen für die private Vorsorge. Entsprechend gilt es nicht nur für die Vermögensverwalter selbst zu wachsen, sondern auch für unseren Branchenverband. Der VuV hat sich im Vorjahr rund um die VuV-Akademie und ganz aktuell im Bereich Recht und Compliance personell verstärkt. Wir sind sehr zuversichtlich somit auch zukünftig unsere Mitglieder zum Beispiel mittels Rundschreiben, Seminaren und Veranstaltungen, Compliance-Management- und Kunden-Onboarding-System, CRM sowie Generationen-Plattform und Karriereportal tatkräftig bei der Bewerkstelligung der Aufgaben unterstützen zu können und die von Ihnen zu Recht als dick bezeichneten Bretter erfolgreich zu bearbeiten.

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