Ufuk Boydak: „Niemand kann es sich leisten, zwei Jahre hinter der Benchmark zu bleiben”
Kurzfristiger Druck in der Asset-Management-Branche führe leider dazu, dass immer mehr Fondsmanager stärker an der Benchmark investieren und somit kein echtes aktives Fondsmanagement mehr betreiben.
Tim Habicht · 11/21/2019

Die Asset-Management-Branche ist ein schnelllebiges Geschäft. Langfristig ausgerichtetes Management ist eher die Ausnahme. Das ist die Meinung von Ufuk Boydak, Vorstand und Teilhaber der LOYS AG. Im Gespräch mit Fundview kritisiert Boydak: „Es gibt immer wieder neue und innovative Konzepte, die aber auf kurzfristigen Beobachtungszeiträumen basieren. Sobald diese dann für eine gewisse Zeit nicht funktionieren wird alles über Bord geworfen und es werden die ‚neugewonnenen‘ Erkenntnisse umgesetzt, die dann in der jüngsten Vergangenheit das aktuelle Gewinnerkonzept darstellen.”

Der kurzfristige Druck in der Asset-Management-Branche führe leider dazu, dass immer mehr Fondsmanager stärker an der Benchmark investieren und somit kein echtes aktives Fondsmanagement mehr betreiben. „Niemand kann es sich leisten, zwei Jahre hinter der Benchmark zu bleiben. Anleger ziehen dann ihre Gelder ab - das ist eine riesige Herausforderung für die Branche”, sagt Boydak.

Die LOYS AG setze weiterhin ihre Investment-Philosophie konsequent um, was nicht heiße, dass keine Fehler gemacht werden. Natürlich müssen diese genau analysiert werden, um Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. „Beispielsweise kann hier unser Home Bias angebracht werden - wir waren hier zu hoch gewichtet und haben mittlerweile die Deutschland-Allokation reduziert. Allerdings ändert sich nichts in der Anlagephilosophie”, so Boydak, der hinzufügt: „Die DNA der LOYS AG kann nicht aufgrund kurzfristiger Schwächeperioden geändert werden. Jene die das tun verlieren einen Teil ihrer Identität. Aktive Manager zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie verlässlich agieren und Investments mit Bestand liefern.”

Geringes Netto-Exposure

Beständig underperformt haben zuletzt auch Value-Titel gegenüber Growth-Aktien. Die Schere zwischen Value und Growth ist dabei immer größer geworden in den vergangenen Jahren. Stehen wir jetzt an einem Wendepunkt? Boydak erklärt: „Sollte sich das Handelsstreit-Thema verbessern, könnte das ein Trigger für eine massive Schließung dieser Schere sein. Erste Anzeichen hat man im September dieses Jahres gesehen. Es wäre doch äußerst ungewöhnlich eine lineare Fortsetzung dieser extremen Entwicklung zu sehen.”

Aktuell seien Low-Vola-Titel ein Zufluchtsort für viele Investoren. Aufgrund des defensiven Charakters dieser Titel sei dort ein deutlicher Bewertungsaufschlag zu sehen. Fundamental sei beispielsweise die Bewertung von Nestlé und Co. nicht mehr attraktiv.

Derzeit zeigt sich Boydak in seinem LOYS Global L/S-Fonds vorsichtig positioniert. Das Netto-Exposure ist mit etwa 22 Prozent durchaus niedrig. Warum? „Wir fühlen uns für die nächsten Monate gut positioniert. Sollte es zu einer stärkeren Schließung der Schere kommen, sollten wir sehr erfreuliche Ergebnisse erzielen. Kommt es eher zu weiteren Verwerfungen oder einer Korrektur sind wir mit unserer niedrigen Nettoquote konservativ positioniert und schauen optimistisch in die Zukunft.“

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