Guido Barthels: „Die Rentenblase könnte in nicht allzu ferner Zukunft platzen”
Der Fondsmanager der Boutique TBF warnt vor dem Platzen der Rentenblase und positioniert seinen Fonds deswegen aktuell am kurzen Ende.
Tim Habicht · 11/20/2019

Die Rentenblase schwebt über den Märkten wie ein Damoklesschwert. Fast alle Anleihe-Experten sind sich einig: Platzen wird die Rentenblase einmal. Die Frage ist nur: Wann?

„Die Rentenblase könnte in nicht allzu ferner Zukunft platzen. Deswegen sind wir nicht am langen Ende positioniert. Die Anleihen können wie ein Stein fallen, wenn der Verkaufsdruck für Anleihen eintritt”, sagt Guido Barthels, Fondsmanager bei der Boutique TBF Global Asset Management, im Gespräch mit Fundview auf einer Investment-Konferenz des Unternehmens in Düsseldorf.

„Ein möglicher Auslöser dafür könnte beispielsweise sein, wenn die Mehrzahl der Marktteilnehmer nicht mehr an die globale Rezession in der nahen Zukunft glaubt, die aktuell die Renditeniveaus in den entwickelten Ländern zum Teil rechtfertigen würde”, so Barthels. Es würden sich aktuell bereits wieder die ersten Erholungsspuren in den volkswirtschaftlichen Daten vieler Ökonomien erkennen lassen. Deswegen hat Barthels die Duration seines TBF Balanced-Fonds auf aktuell 1,1 Jahre gesenkt.

Performance durch Währungen

Eine zentrale Rolle für Anleihe-Investoren spielen auch die Notenbanken beziehungsweise ihre Politik, die den Zins in den vergangenen Jahren nahezu vom Markt gedrängt hat. Barthels stellt fest: „Sind die negativen Zinsen gut für die Wirtschaft? Eher nicht. Die EZB-Politik führt vielmehr in eine Sackgasse - beziehungsweise hat uns bereits in eine Sackgasse geführt. Die EZB wollte mit ihrer Zinspolitik die Möglichkeit zur Entschuldung geben. Aber niemand bis auf Spanien und Portugal haben diese Chance genutzt.”

Dieses schwierige Umfeld habe die Immobilienpreise in die Höhe getrieben und die Versicherer unter Druck gesetzt. Diese hätten die Kreditqualität ihrer Portfolios bereits nach unten angepasst. „Das Umfeld ist für Rentenmanager sehr schwierig. Deswegen funktionieren traditionelle Mischfonds mit einem erheblichen Rentenanteil nicht mehr. Asset Manager müssen umdenken.”

Im TBF Balanced hat sich Barthels dazu entschieden, die Währungsrisiken generell nicht abzusichern. „Unsere These ist, dass sich die Wechselkursänderungen über einen mittelfristigen Horizont tendenziell ausgleichen. Allerdings benötigt man für diesen angenommenen Effekt mehrere Währungen. Aktuell halten wir auf der Rentenseite acht Fremdwährungen und keine Euro-Anleihen”, erklärt der Fondsmanager. Dadurch können Barthels und Co. aktuell einen durchschnittlichen Zinsertrag von mehr als zwei Prozent erzielen, da die Währungsabsicherungskosten wegfallen.

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