Fuchsbriefe: Vermögensmanager haben zu spät begonnen, die Alleinstellungsmerkmale zu klären und zu stärken
Traditionelles Private Banking bei Privatbanken und Vermögensverwaltern gerät immer stärker unter Druck. Unter anderem von Robo-Advisorn. Warum? Das hat die Fuchs | Richter Prüfinstanz unter die Lupe genommen.
Tim Habicht · 11/19/2019

Obacht, die Robos kommen! Sogenannte Robo-Advisor sind erst seit wenigen Jahren am Markt und haben zumindest in Deutschland deutlich mehr Aufsehen erregt als Gelder eingesammelt. Dennoch wird ihre Bedeutung auch in Deutschland wachsen; und vor allem traditionelle Privatbanken und Vermögensverwalter, also aktive Vermögensmanager, unter Druck setzen. Denn diese sind auf der einen Seite durchschnittlich teurer und liefern auf der anderen Seite sogar eine schlechtere Performance. Das ist das Ergebnis des aktuellen Markttestes der Fuchs | Richter Prüfinstanz, der Fundview als einer der Medienpartner vorliegt.

Erst die konkreten Fakten: Die in dem Markttest von der Fuchs | Richter Prüfinstanz ermittelten Standardgebühren von klassischen Vermögensmanagern liegen bei ausgewogenen Depots (50 Prozent Aktien, 50 Prozent Anleihen) und einer Anlagesumme von 1,1 Millionen Euro im Schnitt bei 1,25 Prozent all in zuzüglich der Mehrwertsteuer. „Das wird zwar in der Praxis immer wieder unterboten, aber es kann als Richtwert gelten. Bei den geringeren Anlagesummen, wie sie bei den Robos üblich sind, darf man sogar von 1,57 Prozent all in als Vergleichswert ausgehen“, heißt es in dem Bericht unter dem Titel Mensch vs. Maschine - Wer schafft mehr Wert?.

Demgegenüber würden Robo-Advisor im Mittel etwa 0,75 Prozent kosten. Produktimmanente Kosten etwa in Fonds oder ETF kommen jeweils noch hinzu. (Als Basis wurden aus einer Kostenübersicht von brokervergleich.de jeweils die Durchschnittswerte gebildet und der Medianwert genommen) Die Deutsche Bank spricht in einer Studie wiederum von etwa einem Prozent plus weitere 0,25 Prozent an ETF-Kosten. Wenn jedoch die günstigen Plattformen wie Weltsparen, fintego, Quirion oder Liqid genommen werden, kommt man auf Gebühren von 0,33 bis 0,60 Prozent.

Und die Performance?

Alles eigentlich kein Problem. Denn schließlich punkten Privatbanken und Vermögensverwalter bei der Asset Allokation und generieren ihren Kunden auch einen Mehrwert im Hinblick auf die Performance. Oder?

Die Deutsche Bank spricht in einer Studie davon, dass deutsche Robo-Advisor 2017 eine Durchschnittsrendite von etwa vier Prozent nach Gebühren erzielten. Im Vergleich dazu erzielten aktiv gemanagte Fonds mit einem ähnlichen Risiko/Rendite-Profil eine durchschnittliche Rendite von drei Prozent nach Gebühren. Unter schwierigeren Marktbedingungen erzielte ein Robo-Advisor-Portfolio im Jahr 2018 im Durchschnitt -5,5 Prozent, während der Wert eines typischen aktiv gemanagten Fonds um 8,5 Prozent gefallen sei. In einer Auswertung von brokervergleich.de für ein ausgewogenes Portfolio würden die Robos ebenfalls besser als die aktiv gemanagten Vermögensverwalter-Fonds liegen, aber schlechter als Einzelinvestments in ETFs.

„Übernimmt der digitale Helfer also die Arbeit des Wealth Managers? So wie viele Roboter in der Industrie die menschliche Arbeitskraft ersetzen? Oder läuft es auf einen dritten Weg hinaus – die Kooperation von Mensch und Maschine – oder wie die Banker zu sagen pflegen: Erhält der Kunde von morgen das Beste aus beiden Welten?“, fragt die Fuchs | Richter Prüfinstanz. Letzteres dürfte der Fall sein. Die Branche richte sich jedenfalls immer stärker darauf ein.

Keine Zukunft ohne digitale Unterstützung

Müssen Privatbanken und Vermögensverwalter im Hinblick auf die steigende Robo-Konkurrenz entsprechend ihre Preise senken, wenn sie schon nicht mit der Performance deutlich punkten können? Ralf Vielhaber, Herausgeber der Fuchsbriefe von der Fuchs | Richter Prüfinstanz, sagt auf Anfrage von Fundview: „Nicht zwingend. Wichtiger ist es, dass sie ihren eigenen Mehrwert für den Kunden herausarbeiten. Das heißt: Wird die Leistung erkennbar, kann der Preis bleiben.“

Im aktuellen Fuchsbrief wird aber vor allem bemängelt, dass Privatbanken und Vermögensverwalter große Probleme dabei haben, ihre Vorzüge dem Kunden gegenüber zu benennen. Woran das liegt? Man habe zu spät begonnen, die Alleinstellungsmerkmale zu klären und zu stärken. „Es fehlt(e) der Mut zur Fokussierung. Oft scheitert es allerdings auch an individuellen Unzulänglichkeiten auf Beraterseite“, sagt Vielhaber.

Dass Robo-Advisor den Menschen in der Beratung ablösen, stehe nicht zur Debatte. Der vollautomatisierte Anlageberater komme auch in Zukunft bestenfalls für einen Teil des Publikums infrage. Sicher ist aber auch: Ohne digitale Unterstützung wird Vermögensberatung und -verwaltung in der Zukunft nicht mehr funktionieren. Allein aufgrund wachsenden Kostendrucks, regulatorischer Vorgaben (Stichwort Standardisierung) und des Wettbewerbsdrucks auf der Gebührenseite. 85 Prozent der Experten erwarten für die Zukunft einen hybriden Ansatz in der Kundenberatung.

Was müssen Privatbanken und Vermögensverwalter also konkret verändern? „Sie müssen über ihre Alleinstellungsmerkmale Rechenschaft ablegen und sich auf ihre jeweiligen Stärken konzentrieren. Sie müssen verstehen, dass auch sie sich in einem disruptiven Entwicklungsprozess befinden, der seine volle Wirkung erst in einigen Jahren entfaltet. Sie müssen lernen, wie man Technik intelligent einsetzt, um ein ganz anderes Beratungserlebnis für den Kunden zu schaffen als das bisher geschieht. Sie dürfen sich nicht vornehmlich mit Fehlervermeidung nach MiFID II befassen und müssen wieder mehr Innovationsbereitschaft zeigen und sich um den Kunden und seine sich verändernden Bedürfnisse kümmern.“

Mensch mit Maschine – das werde die Zukunft im Private Banking und Wealth Management sein. Die Kombination aus digitaler Effizienz und Transparenz mit menschlichem Einfühlungsvermögen, werde einerseits die Kunden überzeugen, andererseits Kostendruck von den Banken nehmen. Die Automatisierung könne überall da Einzug halten, wo die Regulierung ohnehin eindeutige Standards setze. Der 17. Fuchsbrief der Fuchs | Richter Prüfinstanz schließt mit einem Ausblick: „Der Mensch muss da einhaken, wo der Kunde Individualität und Spezialistenwissen verlangt. Doch man sollte sich nicht täuschen: Maschinen werden mehr und mehr menschliche Züge annehmen und Persönlichkeit entwickeln. Die Maschine dient, aber der Mensch muss seinen Mehrwert beweisen.“

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