Warum Asset Manager in Zukunft immer stärker die Wege von Vermögensverwaltern kreuzen könnten
Rudolf Geyer, Sprecher der Geschäftsführung von ebase, erwartet einen Wandel bei Asset Managern weg von einem einzelnen Produkt und hin zu einer Dienstleistung. Wie müssen Vermögensverwalter darauf reagieren?
Tim Habicht · 11/14/2019

Weil der Kostendruck in der Bankenwelt und Asset-Management-Branche steigt und es sehr schwierig sein wird, die Margen im aktuellen Zinsumfeld hoch zu halten, müssen viele Asset Manager und Banken kreativ werden und ihre bisherigen Dienstleistungen anpassen. Das ist die Meinung von Rudolf Geyer, Sprecher der Geschäftsführung bei der European Bank for Financial Services (ebase) aus Aschheim bei München.

Könnte dies auch zu einer Gefahr für Vermögensverwalter werden? Geyer sagt im Gespräch mit Fundview: „Der Wandel weg von einem einzelnen Produkt und hin zu einer Dienstleistung, beispielsweise der kompletten Asset Allokation oder Portfoliokonstruktion, sozusagen als Komplettpaket, ist ein möglicher Weg. Das komplette Leistungspaket steht dann im Vordergrund und weniger der Vertrieb einzelner Produkte.”

Deswegen könnten Asset Manager in Zukunft immer stärker die Wege von Vermögensverwaltern kreuzen. „Denn Asset Manager denken immer stärker daran, abseits der Produktverkäufe Erträge zu generieren – beispielsweise bei der Portfoliokonstruktion”, sagt Geyer.

Die Preise werden sinken

Ein weiterer Weg könne beispielsweise auch wie in Großbritannien das Service-Gebühren-Modell sein, für die Nutzung einer kompletten Plattform und auf das jeweilige Volumen berechnet. Insgesamt müssten die Kosten bei der Abwicklung und dem Verkauf von Produkten in Deutschland sinken.

Bei Vermögensverwaltern werde hingegen das Thema Robo-Advisor immer wichtiger. Die Kombination von Mensch und Maschine wird immer häufiger hergestellt. Denn auch bisher reine Online-Vermögensverwalter hätten erkannt, dass sie ihr Angebot durch eine persönliche Seite ergänzen müssen. Auf der anderen Seite würden traditionelle Vermögensverwalter ihre Einstiegsgrößen senken und mehr Standardisierung verkaufen.

„Deswegen wird der Abstand zwischen Robo-Advisor und klassischen Vermögensverwaltern kleiner werden. Das ist eine für die Anleger insgesamt attraktive Entwicklung, weil im Zuge dessen auch die Preise sinken werden”, erklärt Geyer.

Kooperationen suchen

Könnten Vermögensverwalter also von zwei Seiten unter Druck geraten? Einmal von den Asset Managern und dann von den Robos? Geyer sagt: „Für die Vermögensverwalter ist es entscheidend, ihre Angebote rechtzeitig zukunftsfit zu machen, um den sich verändernden Kundenanforderungen und der Regulatorik gerecht zu werden und dabei zugleich weiterhin profitabel wirtschaften zu können.”

Unter Berücksichtigung der jeweiligen Kundenstruktur müsse entschieden werden, wie die digitalen Bausteine und die persönlichen Leistungen zukünftig am besten kombiniert werden können. „Denn ungeachtet aller Technik ist für viele Kunden die persönliche Beziehung und Beratung entscheidend für die Vertrauensbildung. So empfiehlt es sich beispielsweise für einen Vermögensverwalter, der seine Kompetenz in der Beratung oder der Kapitalanlage über einen langen Zeitraum nachgewiesen hat, diese auch weiterhin im Sinne des Kunden selbst zur Verfügung zu stellen.”

Diese Stärken könnten mit einer Online-Vermögensverwaltung einer breiteren Klientel angeboten werden und würden gleichzeitig interessierten Stammkunden ein innovatives Angebot eröffnen. Die Kooperation mit einem Spezialisten führe dabei oft schneller, kostengünstiger und ressourcenschonender zu digitalen Angeboten.

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