David Gaschik: „Die Kurzfristigkeit ist in der Asset-Management-Branche ein großes Problem“
Der Deutschland-Chef von Baillie Gifford kritisiert kurzfristiges Denken in der Branche und will den Konkurrenzkampf in Deutschland mit Weitsicht und Ruhe angehen.
Tim Habicht · 11/13/2019

Die Asset-Management-Branche wird vor allem durch einen Faktor dominiert: Kurzfristigkeit. Ein Tweet von Donald Trump oder ein nicht zufriedenstellendes Quartalsergebnis könnten sofort den Aktienkurs von Unternehmen betreffen; diese kurzfristigen Umstände würden in der Regel aber nicht das Unternehmen auf fundamentaler Basis betreffen. Das ist die Meinung von David Gaschik, Deutschland-Chef von Baillie Gifford.

„Die Kurzfristigkeit ist in der Asset-Management-Branche ein großes Problem. Wir investieren deswegen mit Weitblick. Uns ist wichtig, ob sich der Wert eines Unternehmens in den kommenden fünf bis zehn Jahren verdoppeln kann. Es sind nur einige wenige Unternehmen, die wirklich ‚den Markt‘ treiben, unser Ziel ist es einige hiervon zu identifizieren und langfristig mit ihnen zusammenzuarbeiten“, sagt Gaschik im Gespräch mit Fundview.

Dieses langfristige Denken spiegelt sich auch in der Unternehmensstruktur des Asset Managers wider, bei dem das aktive Partnermodell im Unternehmen elementar sei. Auch der Investment-Ansatz steht komplett unter dem Credo der Langfristigkeit. Gaschik beschreibt: „Die durchschnittliche Haltedauer einer Aktie beträgt bei Baillie Gifford mehr als acht Jahre. Wir sehen uns als Growth-Investoren mit Zeit und Geduld. Dabei wollen wir im besten Fall bereits früh in die jeweiligen Unternehmen investieren. Beispielsweise haben wir bei Spotify, Alibaba, HelloFresh, oder ByteDance bereits vor dem Börsengang investiert. In Amazon sind wir seit 2003 investiert.”

Günstige Kosten durch institutionellen Hintergrund

Aktuell hat Baillie Gifford rund 230 Milliarden Euro Assets under Management. Dabei sind 90 Prozent der Gelder von institutionellen Investoren; das Unternehmen hat keinen Aktionär im Rücken und will nun auch den Wholesale-Bereich stärken. Ein mitunter schwieriges Unterfangen, wie auch Gaschik weiß. Denn die Konkurrenz in Deutschland ist groß.

„Uns ist bewusst, dass der Konkurrenzkampf in Deutschland sehr groß ist. Aber wir wollen uns gezielt unsere Nische im deutschen Markt suchen und durch Langfristigkeit und echtes investieren punkten. Viele Investoren sind mit der im Markt verbreiteten Kurzfristigkeit selbst nicht einverstanden. Diese Investoren passen zu uns, denn auch wir ignorieren die Hektik und den Lärm der Finanzmärkte”, sagt Gaschik.

Seit 2011 hat Baillie Gifford eine irische Fonds-Palette, die auch für deutsche Anleger investierbar ist. Überwiegend werden globale und regionale Strategien angeboten. „Für uns gilt es jetzt zunächst, Baillie Gifford und unsere Investmentphilsophie in Deutschland bekannt zu machen. Dabei kommen wir von der institutionellen Seite; auch bei den Kosten unserer Produkte. Unser Flaggschiff-Fonds, der Baillie Gifford Long Term Global Growth, hat beispielsweise eine laufende jährliche Gebühr von lediglich 72 Basispunkten.”

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