Gründer von Schweizer Boutique: „Es gibt sehr wohl Anleihen mit attraktiven Zinsen“
Helge Müller, CIO von Geneve Invest, findet abseits von deutschen Staatsanleihen oder Anleihen von Großunternehmen attraktive Anleihe-Investments.
Tim Habicht · 11/12/2019

Anleger klagen immer wieder: Die Alternativen beziehungsweise die Renditen bei Anleihen fehlen im aktuellen Niedrigzinsumfeld. Aber stimmt das wirklich? „Es ist richtig, dass es beim klassischen Banken-Festgeld keine Verzinsung gibt, dasselbe gilt für deutsche Staatsanleihen oder Anleihen von Großunternehmen, die inzwischen ebenfalls zum Teil Negativ-Zinsen ausweisen. Allerdings ist es so, dass es sehr wohl Segmente gibt, wo weiterhin sehr attraktive Zinsen gezahlt werden”, sagt Helge Müller, CIO und Gründer von Geneve Invest, im Gespräch mit Fundview.

Der Gründer der Schweizer Boutique hält zwei Anleihe-Bereiche für weiterhin attraktiv: Euroanleihen von mittelständischen Unternehmen in der gesamten Eurozone und US-Dollaranleihen von Großunternehmen mit Laufzeiten von zehn bis 15 Jahren.

Planungssicherheit dank Berkshire Hathaway Energie

Erstere hätten vor zehn Jahren Renditen von sechs bis acht Prozent gezahlt und diese Situation habe sich bis heute nicht wirklich geändert. „Es ist richtig, dass hier ein höheres Ausfallrisiko besteht, allerdings kann man mit gezieltem Anleihepicking sehr attraktive Zinstitel mit einer guten Besicherung finden. Hier sehen wir derzeit vor allem attraktive Werte in Nordeuropa und Skandinavien“, sagt Müller.

Als Beispiel für eine mittelständische Unternehmensanleihe nennt Müller Independent Oil & Gas aus Großbritannien. Das Unternehmen ist in der Exploration und Entwicklung von Öl- und Gasvorkommen in der britischen Nordsee tätig und besitzt auch Lizenzen für die Vermarktung in der Nordsee. Zudem besitzt das Unternehmen die Rechte an einem Gasfeld vor Großbritannien. Dort ist eine benachbarte Pipeline entsprechend leicht anzuzapfen und ein großes Asset für das Unternehmen.

„Mit Berkshire Hathaway Energie ist ein externer Investor an dem Unternehmen beteiligt und stellt 80 Prozent des Eigenkapitals zur Verfügung. Dadurch ist das Gasfeld des Unternehmens sozusagen besichert und gibt uns Planungssicherheit für die Anleihe”, sagt Müller.

Während im Eurobereich das allgemeine Zinsniveau schon sehr niedrig sei, habe die US-amerikanische Notenbank noch bis Ende 2018 kräftig an der Zinsschraube gedreht und mehrmals die Zinsen erhöht und erst im Sommer 2019 eine langsame Kehrtwende vollzogen. „Viele Unternehmensanleihen von Großunternehmen zahlen derzeit noch Zinsen von über fünf Prozent. Darunter befinden sich transnationale börsengelistete Konzerne wie beispielsweise Yumbrands, Dell oder Xerox.“

Eine Boutique im Wandel

Die Schweizer Boutique Geneve Invest wurde 2002 als Vermögensverwaltung gegründet, die für Privatkunden Geld anlegt. Zunächst wurden Aktien für die Anleger allokiert und Anleihen entsprechend beigemischt. Inzwischen hat sich die Expertise des Unternehmens aber zur Anleiheseite gewandelt.

„Vor allem im festverzinslichen Bereich betreiben wir Bond Picking und liefern unseren Anlegern eine Rendite von rund sechs Prozent jährlich - nach Gebühren. Der Markt bei mittelständischen Unternehmensanleihen ist teilweise deutlich weniger analysiert und zeigt große Ineffizienzen. Inzwischen mischen wir nur noch Aktien als klassischer Value-Investor bei”, erklärt Müller die Wandlung.

Vorteilhaft auf der Rentenseite sei die geregelte und klare Laufzeit der Anleihen. Auf der Aktienseite müssen andere Investoren die Sichtweise teilen, damit die Kurse der Aktien steigen. Bei Anleihen ist die Rendite hingegen für eine bestimmte Laufzeit festgeschrieben - sofern das Unternehmen nicht bankrott geht.

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