Warum BMW in Innovationsfonds von Münchner Boutique allokiert ist

Die Boutique Quant IP analysiert für ihren Innovationsfonds weltweite Patentdaten. Deutsche Firmen schneiden überraschend gut ab.

Tim Habicht · 11/07/2019

Innovative Unternehmen mit vielen Patenten. Diese Firmen sind vor allem in der Pharma-, Healthcare- oder Biotech-Branche zu finden, oder? Nicht zwingend! Denn auch die deutschen eher traditionellen Unternehmen wie BMW oder Henkel fahren in Sachen Patente groß auf. Das zeigt die Allokation des Global Innovation Leaders Fonds von der Münchner Boutique Quant IP.

Die Boutique wurde in 2018 von Lucas von Reuss und Axel Stellbrink gemeinsam gegründet. Von Reuss war zuvor Chefredakteur beim monatlichen Finanzmagazin €uro, Stellbrink als Patent-Anwalt unterwegs. „Wir haben gemeinsam festgestellt, dass eine hohe Innovationskraft bei den jeweiligen Unternehmen oftmals mit einer Outperformance der Aktien korreliert. Die Innovationskraft dieser Firmen lassen sich durch die jeweiligen Patente der Firmen messen”, sagt von Reuss im Gespräch mit Fundview.

Gesagt, getan. Die Boutique untersucht ein weltweites Aktienuniversum durch eine quantitative und regelbasierte Analyse. Die komplette Analyse und Asset Allokation sind automatisiert. Der Fokus bei der Analyse liegt auf den Patentdaten der Unternehmen. Diese Patentdatenbank ist mit mehr als 100 Millionen Erfindungen aus aller Welt sozusagen die Bibliothek der menschlichen Innovationen. Die Patentdaten werden als Rohdaten von einem Datenanbieter gesammelt und gebündelt. Darauf basierend findet die eigene Analyse statt: Aktuell sind zwei eigene Data Analysten im Unternehmen angestellt.



Patente sind ein Indikator

Globale Patentdaten könnten - im Zusammenspiel mit anderen Datenquellen und durch die Nutzung von Algorithmen - Unternehmen und Investoren helfen, Technologie-Trends zu erkennen, echte Innovationsführer zu finden und bessere Entscheidungen zu treffen. „Patente spielen nicht nur in Branchen wie Halbleiter oder Software eine Rolle, sondern auch in vielen Old-Tech-Branchen wie Chemie oder Maschinenbau. Da wir in Aktien aus allen relevanten Branchen investieren, sind im Portfolio auch viele Aktien, die vermutlich nicht direkt mit einer gewissen Innovationskraft in Verbindung gesetzt werden”, so von Reuss.

Zwei passende Beispiele sind BMW und Henkel. Im Vergleich zu anderen Autobauern würde sich BMW als fast familiengeführtes Unternehmen leichter tun, langfristig zu investieren. BMW habe allein in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 1.800 Patente angemeldet. Im Verhältnis zum Börsenwert sei das einer der besten Werte im internationalen Vergleich.

Henkel sei zudem ein gutes Beispiel dafür, wie man auch in langweiligen Branchen wie Klebstoffen oder Reinigungsmitteln dank nachhaltiger Investitionen in IP Wettbewerbsvorteile sichern kann. „Henkel investiert dabei eben nicht nur in Marken, sondern auch in Forschung. Allein in den vergangenen zwölf Monaten meldete Henkel mehr als 500 Patente an – ein Spitzenwert im Branchenvergleich“, erklärt von Reuss.

Aktuell würden Patentdaten noch sehr wenig von Asset Managern zur Analyse und Bewertung von Unternehmen genutzt. „Für uns sind Patente allerdings ein Frühindikator, der oftmals weiteres Unternehmenswachstum und den Erfolg des Unternehmens anzeigt. Insofern sind die Patente ein Indikator der nach vorne gerichtet ist und nicht rückblickend das Unternehmen analysiert.“


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