TBF-Geschäftsführer: „Werden in der Boutiquen-Branche verstärkt Fusionen erleben“

Der Geschäftsführer der Fonds-Boutique TBF Global AM erwartet aufgrund des regulatorischen Drucks mehr Fusionen. Eine Boutique mit unter 500 Millionen Euro Assets sei nicht mehr überlebensfähig.

Tim Habicht · 11/06/2019

In 2015 wurde die Fonds-Boutique TBF Global Asset Management für weitere Kunden geöffnet. Bis dahin wurde nur für eine kleine Anzahl an Family and Friends sowie einzelne institutionelle Investoren das Geld verwaltet. Rund 400 Millionen Euro Assets hatte die TBF bis 2015 under Management. Nach der Öffnung zog das Wachstum deutlich an: Inzwischen verwaltet die Boutique mit Hauptsitz in Singen am Bodensee 1,8 Milliarden Euro Assets.

Ein Wachstums-Trend, der für viele Boutique in den kommenden Jahren möglicherweise ohne Alternative sein wird. Denn: „Die Regulatorik wird immer größer und für kleine Unternehmen insgesamt zu teuer. Eine Boutique mit unter 500 Millionen Euro Assets ist in Zukunft nicht überlebensfähig – egal wie schlank sich das Unternehmen aufstellt“, sagt Dirk Zabel, Geschäftsführer und bei TBF für die Bereiche Sales und Marketing verantwortlich, im Gespräch mit Fundview auf einer Investment-Konferenz des Unternehmens in Düsseldorf. Deswegen die logische Konsequenz: „In Zukunft werden wir innerhalb der Boutiquen-Branche verstärkt Fusionen erleben.”

Bestehende Experten-Teams oder kleinere Boutiquen würden allerdings nicht zu größeren Asset Managern wechseln. Oft hätten sich diese Experten selbstständig gemacht und bewusst den Weg aus einem großen Unternehmen gewählt. „Den Weg zurück in den Großkonzern mit einem Investment-Komitee und einer straffen Hierarchie werden wohl die wenigsten Portfoliomanager gehen. Deswegen werden eher Fusionen unter Boutiquen die Branche beschäftigen”, sagt Zabel.



Mischfonds-Palette wurde gezielt ergänzt

Insgesamt würde aber der Trend in der Branche eindeutig hin zu Fonds-Boutiquen gehen. Natürlich sei der Begriff der Fonds-Boutique auch dehnbar und leider nicht klar definiert. Eine Boutique müsse über eine Kernkompetenz verfügen. „Deswegen ist die klare Konsequenz daraus, dass Fonds-Boutiquen in dieser Kernkompetenz einen Mehrwert für Investoren liefern sollten. Der Blick von Fonds-Selektoren hat sich inzwischen geschärft und viele sind mutiger geworden, was die Allokation von Boutiquen-Fonds betrifft”, so Zabel.

Aufgrund dessen wolle sich die TBF nicht in zu vielen unterschiedlichen Strategien verzetteln, sondern „alle Strategien entsprechend effizient verwerten. Das gelingt durch die Ausgliederung der in den Mischfonds bestehenden Einzelstrategien als eigene Fonds. Die für die Mischfonds selektierten Titel können entsprechend auf die anderen Portfolios gestreut werden.“

Bestehende Einzelstrategien wurden bei TBF aus den Mischfonds entsprechend als Einzelprodukte gestartet, weil die Kunden das gewünscht haben und so die Expertise sehr gezielt auch in neue Produkte ausrollbar war. Inzwischen hat die Boutique zwölf einzelne Fonds. Insofern wurde die bestehende Mischfonds-Palette immer gezielt durch Spezialitäten ergänzt.



Offen für neue Portfoliomanager und Strategien

Getreu dem Motto Schuster bleib' bei deinen Leisten fokussiert sich die TBF auf Aktien-Strategien in entwickelten Ländern. Schwellenländer? „Das können wir nicht und deswegen bieten wir auch keine Schwellenländer-Produkte an.“

Fehlend war auch eine Makro-Expertise bezüglich Anleihen. Diese wurde durch die prominente Einstellung von Guido Barthels im Unternehmen ergänzt. Möglicherweise nicht die letzte Einstellung im Portfoliomanagement. „Natürlich sind wir weiterhin offen für neue Portfoliomanager. Diese müssen dann aber auch neue Ideen und eine Expertise mitbringen, die wir bisher so noch nicht im Unternehmen haben. Die Firma muss durch mögliche Einstellungen ergänzt werden, so wie es durch die Einstellung von Guido Barthels passiert ist“, sagt Zabel.

Aktuell sind 30 Mitarbeiter bei TBF angestellt. Ein Drittel im Portfoliomanagement, ein Drittel im Middle und Back Office und ein Drittel im Vertrieb und Marketing. Insgesamt sind Zabel und Co. zufrieden mit dieser Aufstellung und Firmengröße. „Wir wollen bewusst kein Bauchladen sein, sondern uns auf das fokussieren, was wir können. Wir sind gezielter Zulieferer für die Portfoliokonstruktion von Investoren und bilden ganz bewusst nur Teilsegmente der Allokation ab; aber dort können und wollen wir einen Mehrwert liefern.“


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