Halloween-Effekt: Fonds-Berater baut 100 Prozent Aktien in Dachfonds auf

Der Freiburger Fonds-Berater Thomas Hupp steigt an Halloween zu 100 Prozent in Aktien ein und schichtet im Sommer zu 100 Prozent Anleihen um.

Tim Habicht · 11/04/2019

Jeder kennt den Spruch ‘Sell in May and go away’. Dieser Spruch sei wissenschaftlich allerdings nicht korrekt. Nach eigenem Research und einer Master Thesis zum Thema Saisonalität würde der Freiburger Fonds-Berater Thomas Hupp den Satz umformulieren zu: ‘An Halloween buy and sell in July’. Deswegen steigt Hupp jährlich etwa an Halloween 100 Prozent in Aktien ein.

Diese Aktien werden von Halloween herum bis etwa Juli gehalten. Danach wird komplett aus dem Aktienmarkt ausgestiegen und 100 Prozent in kurzlaufende Anleihen investiert um das Geld bis zur nächsten Investment-Phase zu parken. „Wir bauen um Halloween herum sehr zügig innerhalb weniger Tage unser Portfolio auf. Die Allokation steht bis dahin bereits fest. Umgesetzt wird das Portfolio durch aktive Fonds. Jedes Jahr stellen wir ein komplett neues Portfolio zusammen. Die jeweilige Gewichtung unterscheidet sich immer wieder”, sagt Hupp im Gespräch mit Fundview. Kombiniert werden Nebenwerte-, Value-, Growth- und Momentum-Fonds.

Zwischen Halloween und dem folgenden Sommer seien vor allem zyklische Sektoren sehr stark. Für das kommende Portfolio gewichtet Hupp Energiewerte, allen voran aus dem Sektor der Erneuerbaren Energie, sowie Industriewerte stärker. Da das Portfolio einen ethischen Ansatz fahre, seien Energieaktien, die auf Atomkraft setzen, keine wünschenswerten Investitionen. Auch Rüstungskornzerne und Lebensmittelspekulanten seien unerwünscht, obwohl diese Sektoren einen großen Anteil ihrer Rendite in den Monaten November bis Juli erzielen würden.



Vier Dimensionen der Asset Allokation

Hupp erklärt die Allokation des Dachfonds: „Die Auswahl des Portfolios funktioniert nach dem 4D-Prinzip. Als erste Dimension werden Sektorenfonds selektiert, deren Branchen basierend auf wissenschaftlichen Studien einen starken Halloween-Effekt haben, also einen starken Renditeunterschied zwischen November bis Juli im Vergleich zum Rest des Jahres haben.“

Das seien Industrieaktien, zyklische Konsumgüter, die Baubranche, Minenaktien, Energieaktien, Luxusgüter oder auch Autobauer. Die einzelnen Sektoren werden in der zweiten Dimension auf Fundamentaldaten wie Gewinne, Wachstum, Buchwerte und Momentum als technische Indikatoren untersucht. Unterbewertete Sektoren und Wachstumssektoren werden stärker im Portfolio gewichtet. Gleiches gilt für Sektoren mit einem starken Momentum, da diese Marktfaktoren eine stark saisonale Rendite erzielen.

„In der dritten Dimension werden die Zielfonds auf ethische Sauberkeit untersucht, was die externe Ratingagentur Mountain View für uns übernimmt. Fonds deren Aktien Atomkraft, Rüstung oder Lebensmittelspekulationen enthalten, werden ausgetauscht. Als vierte Dimension findet das Timing statt. Die Idee ist es, ein Portfolio aufzubauen, das ethische Ansprüche erfüllt, breit global diversifiziert ist und Aktien enthält, die eine stärkere saisonale Rendite erzielen, als andere Aktienportfolios”, sagt Hupp.


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