„Viele Investoren haben Nachhaltigkeit bei Real Assets unterschätzt“

Ed Dixon, Head of ESG, Real Assets, bei Aviva Investors, blickt kritisch auf die Real-Asset-Branche. Diese müsse verstärkt ESG und Nachhaltigkeit integrieren.

Tim Habicht · 10/28/2019

Viele Investoren und Manager von Real Assets würden bereits seit einiger Zeit unterschätzen, was wirklich nötig ist, um nachhaltig zu werden. Dabei sei eine Verschiebung hin zu mehr Nachhaltigkeit bei Real Assets wichtig für das Portfolio: „Bei Real Assets ist dieses Risiko bei Infrastruktur und Immobilien signifikant, wo wir es typischerweise mit 20 Jahren und länger mit Investitionen zu tun haben. In diesem Zeithorizont wird sich die Welt, wie wir sie kennen, maßgeblich verändern. Ich denke, wir fangen auch an zu erkennen, dass reale Vermögenswerte die Menschen positiv und negativ beeinflussen können“, sagt Ed Dixon, unlängst zum Head of ESG, Real Assets bei Aviva Investors ernannt, auf Nachfrage von Fundview.

Dixon verantwortet das über 50 Milliarden Euro schwere ESG-Programm der Real-Assets-Plattform von Aviva Investors, inklusive der Bereiche Real Estate, Infrastruktur und Private Debt. Um die unternehmensweite ESG-Strategie im Bereich Real Assets hinsichtlich Investitionen, Entwicklung und Asset Management zu managen, arbeitet er eng mit Kollegen aus allen Bereichen der Plattform sowie dem Global Responsible Investment-Team zusammen.

„Als großer Vermögensverwalter, der Teil eines der weltweit größten Versicherungsunternehmen ist, können wir unseren Einfluss nutzen, um das System in dem wir agieren, tatsächlich zu verändern. Aus der Klimakrise und der Ungleichheit, die wir weltweit sehen, geht hervor, dass das System verändert werden muss, was eine Zusammenarbeit zwischen Regierung, Industrie und anderen Interessengruppen erfordert. Wenn wir mit Regierungen und Regulierungsbehörden zusammenarbeiten können, um Marktversagen zu korrigieren und unsere Stimme zu nutzen, um Unterstützung von Öffentlichkeit und Industrie zu gewinnen, könnten wir einige echte Veränderungen erzielen“, sagt Dixon.

Aviva Investors hat bereits im Juli 2015 ein Investitionsziel von 500 Millionen Pfund pro Jahr für die folgenden fünf Jahre in kohlenstoffarme Infrastrukturen angekündigt und dieses Ziel frühzeitig erreicht. Bei Immobilien wurde zwischen 2015 und 2018 der Energieverbrauch in den direkt gehaltenen Immobilien um 30 Prozent gesenkt. „Im kommenden Jahr werden wir eine ESG-Strategie für Real Assets zusammenführen, die in den nächsten fünf Jahren die Ergebnisse für unsere Kunden und die Gesellschaft vorantreiben dürften“, so Dixon.



Beispiel Beton

Das ESG-Team soll deswegen konstant ausgebaut werden. Aber in welchem Umfang und an welcher Stelle hänge davon ab, was aus geschäftlichen und Kunden-Aspekten heraus das Beste ist. „Wir werden auch hart daran arbeiten, unsere Kunden mit ihren Vermögenswerten noch enger zu verbinden. Wie wir Daten, Analysen und Fallstudien über unsere Vermögenswerte sammeln, ist für Kunden, die diese Informationen mehr denn je benötigen, von entscheidender Bedeutung.“

Als konkretes Investment-Beispiel nennt Dixon Beton: Das Rückgrat vieler Infrastrukturprojekte ist nach Wasser die am weitesten verwendete Substanz auf dem Planeten. Dieses Material habe bedeutende Durchbrüche beim Fortschritt der Menschheit ermöglicht, trage aber auch etwa fünf Prozent zu den globalen Emissionen bei. Rechnet man Stahl, Ziegel, Metalle und die Emissionen hinzu, die bei der Herstellung von Komponenten für Infrastruktur- und Immobilienprojekte anfallen, stelle dies eine große Belastung für die Umwelt dar. „Es gibt auch viele gesundheitliche Auswirkungen, die mit der Herstellung und dem Bau verbunden sind. So wird beispielsweise Kieselerde aus dem Schneiden von Beton hergestellt, was bei Bauarbeitern zu Atembeschwerden führt. Wenn der Realvermögenssektor wirklich nachhaltig werden will, muss er diese Art von Problemen direkt angehen“, sagt Dixon.

Nicht nur die Vermeidung auf der einen Seite, sondern auch die Beteiligung an konkret nachhaltigen Projekten wie Wind- und Solarparks sei ein wichtiger Schritt, den die Branche machen müsse. Dort seien vor allem die Kunden ein Treiber.

Seit 2015 hat Aviva Investors rund 3,5 Milliarden Euro an kohlenstoffarmer Infrastruktur geschaffen und investiert, um Renditen für seine Kunden zu erzielen und den Übergang zu sauberer Energie zu unterstützen. „Mit dem Wachstum der Weltbevölkerung steigt unser Energiebedarf rasant an, wobei ein Großteil dieses Bedarfs durch Kohle und Gas gedeckt wird“, so Dixon. Gas werde auch in der Phase des Klimaübergangs eine Rolle spielen, aber zunehmend werde es einen größeren Bedarf an erneuerbaren Energiequellen wie Wind und Sonne geben. Ein Umstand, den auch Real-Asset-Investoren unterstützen können.


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