Dänischer Milliardenmanager kritisiert Faktor-Allokation
Investoren würden nur noch Faktoren allokieren und nicht mehr auf die Daten der Unternehmen achten. Dadurch könnte eine neue Blase entstehen.
Tim Habicht · 10/16/2019

In den 70er Jahren haben alle Investoren Länder allokiert und fokussiert, wie man an der Japan-Blase gesehen hat. In den 90er Jahren hat sich das hin zur Sektoren-Allokation verändert, wie man an der Dotcom-Blase gesehen hat. „Jetzt sprechen alle Investoren über Faktoren; und erzeugen dadurch möglicherweise eine Faktorenblase. Die meisten Investoren gehen davon aus, dass ein einmal entdeckter Faktor immer funktioniert“, sagt Kurt Kara, Head of Equities bei der dänischen Boutique Maj Invest, im Gespräch mit Fundview.

Value- und Growth-Wachstum seien eher fundamentale Faktoren, die sich auf die Unternehmen direkt beziehen. Die anderen Faktoren fokussieren allerdings nicht die Unternehmen, sondern die Aktien und den Aktienkurs. Kara erklärt bildlich: „Man könnte sagen, dass nicht mehr auf das Pferd gewettet wird, sondern auf die Farbe des Outfits vom Jockey, den Zustand der Rennbahn oder auch das Wetter. Es wird immer weniger über die Unternehmen und ihre Kennzahlen gesprochen.“

Aufgrund dessen werde die Differenz zwischen den günstigen und teuren Aktien immer größer. Dabei seien Momentum- und Low-Vola-Aktien für Kara zwei Namen für einen einzigen Faktor; und die Bewertungen dieser Aktien seien momentan sehr hoch. „Gibt es derzeit eine Growth-Blase? Gut möglich. Wichtig ist allerdings, wie man als Investor Growth definiert. Growth-Aktien sind Aktien, die zwar höher bewertet sind aber entsprechendes Wachstum liefern. Aber derzeit enttäuschen viele dieser sogenannten Growth-Titel genau dort, wo sie punkten sollen: Beim Wachstum“, kritisiert Kara, der mit Maj Invest derzeit insgesamt zehn Milliarden Euro Assets under Management verwaltet.

Southwest Airlines und General Motors als Beispiele

Kara und sein Team wollen weg von der Benchmark - und weg von Faktoren für die Asset Allokation. Dadurch sollen systematische Risiken vermieden und idiosynkratische Risiken als Treiber des Portfolios allokiert werden.

„Wenn man den Markt schlagen will, muss der Tracking Error entsprechend hoch sein. Als aktiver Investor muss man den Index vermeiden. Außerdem ist es wichtig, sich in der Allokation zu fokussieren und ein konzentriertes Portfolio zusammenzustellen. Wenn man nah am Index investiert, erzielt man einen durchschnittlichen Ertrag. Um Mehrwert zu erzielen, muss man weg vom Index“, sagt Kara, der unter anderem für den Maj Invest Global Value Equities-Fonds verantwortlich ist.

Der durchschnittliche Return on Equity liegt in diesem Fonds bei 18 Prozent, das Return on Capital bei 15 Prozent. Der Fonds hat ein durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwölf und fokussiert Qualitätsfirmen, die Cash generieren. Deswegen gibt es zwei Portfolio-Beispiele, die auf den ersten Blick verwundern: Southwest Airlines und General Motors.

Southwest Airlines hat aktuell ein KGV von 13 und wurde bei einem KGV von elf gekauft. Das Unternehmen habe in den vergangenen 25 Jahren kein negatives Jahr bezüglich des RoE gehabt. „Sollte außerdem eine Rezession in den USA eintreten, wird der Ölpreis sinken und die Airline davon sogar profitieren. Insofern ist das Investment in Southwest Airlines sozusagen eine Absicherung auf einen sinkenden Ölpreis“, erklärt Kara.

Als zweites Beispiel geht Kara auf den US-Autobauer General Motors ein: „Das Unternehmen hat es sicherlich nicht leicht in den USA. Allerdings hat GM ein großes Asset: Cruise Automation. Das ist die autonom-fahrende Einheit von General Motors und ein sehr gutes Programm, das sehr weit entwickelt ist. Bei einer Strecke von 27.000 Kilometern muss der Fahrer bei Cruise Automation nur ein einziges Mal eingreifen.“ Unlängst hat sich Nissan mit fünf Prozent daran beteiligt. General Motors könnte Cruise Automation deswegen als Spin-off starten. Die Vor-Geld-Bewertung des Unternehmens liegt inzwischen bei fast 20 Milliarden US-Dollar.

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