Manfred Schlumberger: „Europa befindet sich am Anfang einer milden Rezession”
Deswegen positioniert Schlumberger seinen Winbonds-Fonds defensiver. Gekauft wurden in diesem unruhigen Marktumfeld US- und italienische Staatsanleihen.
Tim Habicht · 09/18/2019

Manfred Schlumberger, Leiter des Portfoliomanagements und Vorstand beim Asset Manager Starcapital, positioniert seinen rund 340 Millionen Euro großen Winbonds Plus-Fonds defensiver. „Aktuell ist die fundamentale Lage an den Märkten nicht sehr gut. Die Konjunktur schwächelt. Zwar unterstützen die Notenbanken mit einer lockeren Geldpolitik, aber Europa befindet sich nichtsdestotrotz am Anfang einer wenn auch milden Rezession”, erklärt Schlumberger im Gespräch mit Fundview.

Entsprechend wurde die Aktienquote des Mischfonds auf rund 14 Prozent gesenkt. Bei einer maximal möglichen Aktienquote von 20 Prozent ist dies eine eher niedrigere Allokation. Aufgebaut wurde hingegen die Kasse, aktuell bei rund 4,5 Prozent des Fonds. Zur Stabilisierung des Portfolios wurden ebenfalls US-Staatsanleihen und Staatsanleihen aus Italien aufgestockt.

Italienische Staatsanleihen zur Stabilisierung? Schlumberger erklärt: „Ich würde bei der aktuellen Situation eigentlich niemals italienische Staatsanleihen kaufen. Allerdings ist unser Vertrauen in Mario Draghi sehr groß. Er wird alles tun, um den Euroraum zu stabilisieren und im Zweifelsfall können wir unsere italienischen Staatsanleihen direkt an Mario Draghi verkaufen.” Diese Staatsanleihen wurden innerhalb der Italien-Krise in den vergangenen fünf bis sechs Wochen aufgebaut und machen inzwischen rund sechs Prozent des Gesamt-Portfolios aus.


Vermögensaufteilung des Winbonds Plus-Fonds: (Ende August 2019)

  • Unternehmensanleihen: 31,9 Prozent
  • Staatsanleihen: 24,9 Prozent
  • Emerging Market Anleihen: 18,8 Prozent
  • Aktien & Aktien ETFs: 13,5 Prozent
  • Kasse: 4,5 Prozent
  • Covered Bonds: 3,9 Prozent
  • Rohstoff-ETFs: 2,6 Prozent

Verdopplung von US-Treasurys

„Zehnjährige US-Staatsanleihen sehen wir als Absicherung des Portfolios gegenüber möglichen Turbulenzen am Aktienmarkt. Unserer Meinung nach werden die Zinsen in den USA in den kommenden Jahren eher sinken als steigen”, sagt Schlumberger. Deswegen wurden US-Staatsanleihen von 9,5 Prozent des Portfolios zu Beginn des Jahres auf aktuell knapp 19 Prozent verdoppelt.

Durch den Aufbau von US-Staatsanleihen ist auch die durchschnittliche Laufzeit des Fonds gestiegen: Aktuell auf rund fünf Jahre. In 2018 war die durchschnittliche Laufzeit des Fonds deutlich niedriger und auf steigende Zinsen ausgerichtet. Ein Fehler, wie Schlumberger rückblickend feststellt: „Auf die ausgefallene Zinswende haben wir in unserem Portfolio flexibel reagiert und die Laufzeit erhöht. Es war zumindest im Euroraum ein Fehler in 2018 das Portfolio auf steigende Zinsen auszurichten.”

Für die Ausrichtung des Portfolios steht derzeit nicht eine mögliche Zinswende im Fokus, sondern weiterhin der Handelskrieg zwischen den USA und China. Dort sei viel Porzellan zerschlagen worden, das sich nicht so schnell wieder reparieren lasse. „Unsere Prognose liegt bei einer Wahrscheinlichkeit von rund 66 Prozent, dass es bis zum Jahreswechsel zu einer Einigung zwischen den USA und China kommt. Für Donald Trump ist die Gefahr einer möglichen US-Rezession im Wahljahr 2020 einfach zu groß”, so Schlumberger.

China habe hingegen den längeren Atem. Ob es der Bevölkerung mal ein oder zwei Jahre nicht so gut gehe, sei der Regierung vermutlich nicht so wichtig. „Deswegen ist China in der besseren Verhandlungsposition. Wenn es zu einer Einigung kommt, dann wird diese sicherlich pro China ausfallen.” Mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 33 Prozent sieht Schlumberger das Szenario, dass Trump den Chinesen nicht entgegenkommt und China die USA am langen Arm verhungern lässt.

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