Alternative Risikoprämien: Ein Wachstumsmarkt, der konsolidieren wird

Der Leiter der ARP-Strategie bei GAM Systematic verantwortet über zwei Milliarden Euro und sieht Hedgefonds unter Druck.

Tim Habicht · 09/05/2019

Alternative Risikoprämien sind in den vergangenen Monaten als Alternative zu traditionellen Risikoprämien oder auch Hedgefonds bei Investoren sehr präsent geworden. Vor allem institutionelle Investoren sind derzeit auf der Suche nach Alternativen; und werden immer häufiger bei alternativen Risikoprämien fündig. Im Gespräch mit Fundview spricht Lars Jaeger, Leiter der ARP-Strategie bei GAM Systematic, über eine wachsende Assetklasse, die produktseitig konsolidieren wird.

„Insgesamt ist die Industrie der Risikoprämien noch verhältnismäßig jung. Es muss sich erst noch die Spreu vom Weizen trennen. Es wird zweifelsfrei zu einer Professionalisierung und auch zu einer Konsolidierung bei den Anbietern von alternativen Risikoprämien kommen. Diese Entwicklung ist für die Investoren positiv”, sagt Jaeger.

Selbst ist Jaeger seit über 15 Jahren mit seinem Team am Markt und verwaltet inzwischen Assets von 2,4 Milliarden US-Dollar. Unlängst knackte die Alternative Risk Premia Strategie von GAM Systematic die Marke von zwei Milliarden US-Dollar. Alleine seit Beginn des Jahres 2019 flossen 600 Millionen US-Dollar in diese Strategie. Tendenz steigend.



Hedgefonds unter Druck

Interesse würde es bezüglich alternativer Risikoprämien aber nicht nur von seiten institutioneller Investoren geben, sondern auch stärker bei semi-institutionellen Investoren wie Family Offices und teilweise auch bereits von Vermögensverwaltern.

Das Konzept der alternativen Risikoprämien entstammt ursprünglich dem Hedgefonds-Universum. Das Universum des alternativen Betas ist aktuell so heterogen wie bei Hedgefonds, lässt sich aber wesentlich günstiger abbilden als letztere. Gerade aufgrund der sehr hohen Kosten bei Hedgefonds habe sich in den letzten Jahren eine ganz eigene Industrie für dieses Alternative Beta gebildet.

Und deswegen würden gerade Hedgefonds in Zukunft unter Druck geraten, wie Jaeger erklärt: „Hedgefonds sind insgesamt wegen ihrer Kostenstruktur unter Druck; allen voran durch alternative Risikoprämien. Da ist ein Prozess im Gange, der die Gelder von Hedgefonds weg und hin zu alternativen Risikoprämien schichtet.”

Dabei sieht Jaeger die Industrie für alternative Risikoprämien noch stark im Wandel, auch was die Kostenseite betreffe. Die Kosten für Strategien von alternativen Risikoprämien würden sich in den kommenden Jahren bei 50 Basispunkten pro Jahr einpendeln. „Darunter ist es für die Anbieter dieser Strategien nicht mehr lohnenswert. Die Hedgefonds-Industrie muss sich hingegen neu erfinden und sich in diesem Markt- und Kostenumfeld neu orientieren”, sagt Jaeger.



Deutschland hinkt hinterher

Für Jaeger sei es elementar, dass Investoren breit diversifizieren und nicht nur in eine alternative Risikoprämie investieren. Viele Anbieter seien momentan stark auf einzelne Risikoprämien fokussiert. „Dadurch entstehen mitunter starke Draw Downs und mehr Volatilität. Natürlich können sich Investoren auch selber einzelne Risikoprämien zusammenstellen. Aber das ist oft schwierig. Wir liefern alles aus einer Hand und bieten balancierte Portfolios von alternativen Risikoprämien .”

Für alternative Risikoprämien sieht Jaeger eine sinnvolle Allokation innerhalb des bestehenden Portfolios bei fünf bis zehn Prozent. Quoten, die in Deutschland noch immer - trotz steigender Investments in diesem Bereich - Luft nach oben lassen. „Deutschland hinkt dem Markt bei alternativen Risikoprämien immer noch sehr hinterher. Viele institutionelle Investoren sind immer noch in teure Hedgefonds investiert und realisieren erst langsam, dass die hohen Kosten eine bescheidene Netto-Rendite bedingen. Es gibt hier also noch viel Potential hinsichtlich alternativer Risikoprämien”, sagt Jaeger.

Potential, das auch GAM Systematic durch sein bestehendes Team nutzen möchte. Aktuell sind sieben Mitarbeiter im ARP-Team angestellt. Weiteres Wachstum ist auf der Personalseite angestrebt. Und auch bei den Produkten wolle sich GAM Systematic immer weiterentwickeln. Die Palette soll weiter ausgebaut und bestehende Produkte weiterentwickelt werden.


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