Marcus Storr: „Viele Alt UCITS-Fonds sind der Wolf im Schafspelz”
Der Hedgefonds-Experte von Feri kritisiert allen voran die Kostenstruktur der Fonds.
Tim Habicht · 08/27/2019

Im aktuellen Marktumfeld sind Alternative UCITS- oder auch Liquid Alternatives-Fonds die Stars der Branche. Sie versprechen attraktive Anlage-Möglichkeiten, die einen Mehrwert für Investoren generieren und nicht mit den globalen Aktienmärkten korrelieren. Zu schön um wahr zu sein? Marcus Storr, Head of Alternative Investments bei der Feri Gruppe, blickt zumindest sehr skeptisch auf viele Alternative UCITS-Produkte.

„Viele Alternative UCITS-Fonds sind der Wolf im Schafspelz. Natürlich gibt es auch gute UCITS-Fonds, aber das große Problem ist, dass Investoren wegen des UCITS-Vehikels jährlich 150 bis 200 Basispunkte aufgrund von strukturellen Problemen verlieren”, sagt Storr im Gespräch mit Fundview.

Beispielsweise können Shorts nur via Swaps umgesetzt werden, anstatt direkt die Aktien zu shorten. Das koste Geld und durch diese Probleme schrumpfe die Performance der Anleger. „Die aktuellen Kosten für den USD/EUR-Hedge sind ebenfalls ein Performance-Problem. Eine Investition in USD-Anteilsklassen ist empfehlenswert, wenn es Fremdwährungsexposure sein darf”, ergänzt Storr.

UCITS-Welle als Fluch und Segen

Die bestehende Kostenstruktur bei Alternative UCITS-Fonds hält das Wachstum dieser wie auch immer definierten Assetklasse aber nicht auf: 2011 gab es laut Daten von Preqin 730 aktive Liquid Alternatives Hedgefonds im UCITS-Mantel. Im vergangenen Jahr waren es bereits über 1.000 Strategien. Auch das verwaltete Vermögen von sogenannten Alternative Assets ist seit den vergangenen Jahren stark gestiegen: 2004 waren es laut PwC noch 2,5 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2020 werden es nach konservativen Schätzungen des Unternehmens insgesamt 13,6 Milliarden US-Dollar sein.

Ein Trend, den auch Storr nicht nur negativ beurteilt: „Die UCITS-Welle bei alternativen Strategien ist Fluch und Segen zugleich. Diese Strukturen führen zu stärkeren Zuflüssen und haben damit auch einen positiven Einfluss auf die Edukation der deutschen Investoren bezüglich Alternative Investments.” Dass beispielsweise auch Offshore-Manager ihre Strategien als UCITS-Produkt anbieten, sei insgesamt positiv. Denn hochqualifizierte Manager werden somit auch im UCITS-Mantel für die Investoren zugänglich.

Viele Trittbrettfahrer

Kritisch sei allerdings, dass im Rahmen dieses Trends auch viele Trittbrettfahrer unterwegs seien. „Vor allem im Fixed-Income-Bereich sind viele Long-Only-Manager unterwegs, die ihre Produkte durch eine Short-Seite ergänzen; und sich dann ‚Alternative-Fixed-Income-Fonds‘ nennen mit einer Verwaltungsgebühr von 70 Basispunkten und mehr”, sagt Storr.

Der Markt und die aktuelle Zinssituation würden vor allem institutionelle Investoren von Anleihen zu Alternative Investments treiben. Trotz dynamischer Zuflüsse vor allem bei Private Equity und alternativer Risikoprämien seien die Alternatives-Quoten in Deutschland aber immer noch sehr gering.

„In Deutschland ist die gehaltene Liquidität immer noch unfassbar hoch. Die große Frage ist natürlich, warum für deutsche Investoren die Liquidität so wichtig ist. Deswegen werden die Alternatives-Quoten in Deutschland nie so hoch werden wie aktuell bei den Angelsachsen oder den Asiaten. Dennoch werden sich die Quoten aufgrund des anhaltenden Zinsdrucks annähern”, so Storr.

Personelles Wachstum im Alternatives-Team

Dadurch profitiert auch das Alternatives-Team von Feri. Im Jahr 2005 war das Alternatives-Team von Feri noch verantwortlich für unter zwei Milliarden Euro Assets. Damals waren zwölf Mitarbeiter im Alternatives-Team beschäftigt. Aktuell sind es über acht Milliarden Euro Assets und 38 Mitarbeiter. Tendenz: Steigend. Denn auch Feri will weiter im Alternatives-Bereich wachsen; auch personell.

Feri ist vor allem im Alternative-Investment-Bereich für institutionelle Investoren wie Pensionskassen oder Ärzte- und Versorgungswerke tätig, die zwischen 400 Millionen Euro und zwei Milliarden Euro verwalten.

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