Hans-Peter Schupp erhöht Deutsche-Bank- und Renault-Position

Der Value-Fondsmanager kritisiert, dass niemand aktuell mehr auf die Bewertungen der Firmen achten würde.

Tim Habicht · 08/19/2019

Der Value-Experte Hans-Peter Schupp hat in seinem Fidecum - Contrarian Value Euroland-Fonds die Positionen der Deutschen Bank und von Renault aufgestockt. Dadurch ist Renault aktuell mit 8,9 Prozent des Portfolios die Top-Position. Die Deutsche Bank liegt mit 8,2 Prozent auf dem dritten Platz der Top-Positionen.

Im Juni wurde in zwei Schritten die Position bei AXA reduziert, dieses freigewordene Geld wurde dann in eine Aufstockung der Deutschen Bank investiert, die von sieben auf acht Prozent erhöht wurde. Weil die Deutsche Bank allerdings im selben Zeitraum an Wert verloren hat, wurde die Position netto insgesamt um zwei Prozentpunkte gesteigert. Aber ist die Deutsche Bank inzwischen nicht eher zur Value-Falle geworden?

Schupp kommentiert die kontroverse Position im Gespräch mit Fundview: „Wir maßen uns nicht an, dass wir die Deutsche Bank besser als der Vorstand leiten können oder mehr Informationen als der Vorstand haben. Für uns ist es lediglich wahrscheinlich, dass die Deutsche Bank mittel- bis langfristig wieder auf die Beine kommt und sich positiv als deutscher Marktführer verändert.”

Die kürzlich angekündigte und in den USA bereits durchgeführte Reduzierung des Investmentbankings ist Schupps Meinung nach ein guter Schritt. Denn es gehe dabei überwiegend um einen Ausstieg aus dem Aktienbereich und der Fokussierung auf den Anleihe-Bereich. Dort hatte und habe die Deutsche Bank immer noch die größte Expertise.

Dass bei der Top-Position Renault der Absatz aktuell nach fünf bis sechs sehr positiven Jahren stagniere, beunruhigt Schupp nicht. „Es gibt eine Sondersituation bei Renault, die viele Investoren übersehen: Der französische Autobauer wurde aufgrund der US-Zölle auf Autos in Sippenhaft genommen, obwohl er überhaupt keine Autos in den USA verkauft!” Aber auch die Posse um die Verhaftung von Carlos Ghosn hat Möglichkeiten für Schupp ergeben. Im Rahmen dessen wurde die Renault-Position um rund ein bis zwei Prozentpunkte aufgestockt. „Sein Einfluss auf die gesamte Firma ist eher gering und die Summe um die es im Ghosn-Prozess geht für Renault insgesamt ein eher zu vernachlässigender Betrag.”

Zu vernachlässigen sei allerdings nicht das aktuelle Marktumfeld: „Keiner achtet mehr auf Bewertungen der Unternehmen. Der Free Cashflow ist derzeit das Maß aller Dinge und treibt entsprechend die Aktienkurse. Es wird von den Anlegern momentan nicht honoriert, wenn Unternehmen investieren.”

Deswegen habe Schupp mit seinem Value- und Contrarian-Ansatz ein schwieriges vergangenes Jahr gehabt. Die zentrale Frage sei aber: Wann findet die Renaissance der Bewertung statt? „Momentan sind wir in einer ähnlichen Situation wie im Jahr 2000. Unklar ist jedoch, ob wir uns im Jahr 1998, 1999 oder schon 2000 befinden. Jeder Investor wird bestätigen, dass die aktuellen Märkte übertrieben sind. Aber wann wird ein Rückschlag kommen? Dass dieser kommen wird steht außer Zweifel, timen kann man diesen Rückschlag inklusive einer Korrektur an den Märkten und einer Rückbesinnung auf die Bewertungen der Unternehmen allerdings nicht”, sagt Schupp.


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