Guido Barthels über neuen Fonds: „Defensive Anleihe-Fonds sind nicht mehr möglich“

Der ehemalige Ethenea-Manager erklärt, warum die Branche bei Anleihe-Fonds umdenken müsse.

Tim Habicht · 08/14/2019

Beim Asset Manager Ethenea verantwortete Gudio Barthels jahrelang den Ethna-Defensiv. Einen aktuell rund 500 Millionen Euro schweren globalen Anleihe-Fonds, der Anlegern durch seinen defensiven Charakter Stabilität im Portfolio bieten sollte. Nach elf Jahren verließ Barthels unlängst Ethenea und startete bei der Fonds-Boutique TBF Global Asset Management einen neuen Fonds; diesmal einen Mischfonds als Anleihe-Alternative.

Defensive Anleihe-Fonds würden in Zukunft keinen Sinn mehr machen. Dafür hätten sich die Märkte zu stark verändert und vor allem die defensive Anleihe-Seite unattraktiv gemacht. Deswegen fordert Barthels im Gespräch mit Fundview ein Umdenken in der Branche: „In der Asset-Management-Industrie muss bezüglich defensiver Anleiheportfolios ein Umdenken stattfinden. Aus Euro-Sicht sind defensive Anleihe-Portfolios nahezu nicht mehr möglich. Entweder müssen die Portfolios durch Aktien ergänzt werden oder die Währungen - und entsprechend natürlich die Währungsrisiken - dürfen nicht mehr außen vor gelassen werden.“

Deswegen hat Barthels seinen neuen Fonds, den TBF Balanced, mit einer Anleihe- und Aktien-Komponente ausgestattet. Die Anleiheseite werde Barthels klassisch Top Down aus der Makro-Perspektive verwalten. Kombiniert wird das Portfolio aber durch eine Bottom-Up-Allokation auf der Aktienseite. Dort steht das Stock Picking im Vordergrund. Die Aufteilung der Quoten wird jeweils zwischen 40 bis 60 Prozent liegen.

Zentral für die Anleihe-Seite sind alles Währungen. Die Fremdwährungen werden nicht mehr abgesichert, sondern sollen einen Zusatzertrag liefern. „Aufgrund der Verschiebung innerhalb der Kapitalmärkte in den vergangenen Jahren ist es für Euro-Investoren nicht mehr lohnenswert die Währungsrisiken abzusichern und nur in Euro zu investieren. Deswegen wollen wir die Währungskomponente aktiv managen und dort einen Mehrwert in der Allokation erzielen“, erklärt Barthels.

Dadurch werde das Portfolio zwar volatiler, liefere aber auch mehr Rendite. Diese soll pro Jahr bei fünf bis acht Prozent liegen und eine Volatilität von vier bis sechs haben. Dennoch soll das Portfolio hochliquide sein, da auf der Anleihe-Seite überwiegend in kurzlaufende Staatsanleihen investiert werde. Die Währungskomponente ergänzt durch die Aktien-Allokation des Fonds, die von Michael Harbisch, CEO von TBF, verwaltet wird, seien für Barthels zwingend nötig in der Zuknuft. Denn: „Im aktuellen Marktumfeld ist es schwierig traditionelle und eher defensive Anleihefonds ertragreich zu verwalten. Das wird sich in der Zukunft nicht verändern und defensive Anleihefonds werden durchaus Probleme bekommen.“

Zum Start des Fonds sind 40 Prozent in Aktien und 60 Prozent in Anleihen allokiert. Das liegt an den aktuellen Risiken an den Aktienmärkten und möglichen weiteren Korrekturen wegen des anhaltenden Handelsstreits.

Für die Zukunft aufgestellt ist nicht nur die Strategie des neuen Barthels-Fonds. Auch auf der ESG- und Kosten-Seite hat die Boutique nach vorne gedacht. Der TBF Balanced ist der neue ESG-Prozess des Hauses direkt integriert worden und daher auch für nachhaltigkeitsorientierte Investoren. Die Kostenstruktur des Fonds liegt außerdem bei der institutionellen Anteilsklasse bei einer Verwaltungsvergütung von 75 Basispunkten und keiner Outperformance-Gebühr. In der Retail-Anteilsklasse bis Ende November dieses Jahres liegen die Kosten bei 97 Basispunkten ohne Outperformance-Gebühr, danach weiterhin Kosten von 97 Basispunkten inklusive zehnprozentiger Outperformance-Gebühr anfallen.


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